Der richtige Weg

Ludwig Ring-Eifel über die Äußerungen Kardinal Sarahs

Standpunkt | Bonn - 07.07.2016

Seit langem hat keine Äußerung eines Kurienkardinals so viel Wirbel gemacht wie die jüngste Bitte von Kardinal Robert Sarah: Die Priester sollten künftig wieder den zentralen Teil der Messe in gemeinsamer Blickrichtung mit dem Kirchenvolk feiern, sagte er bei einer Konferenz in London. Sarah leitet die Gottesdienst-Kongregation im Vatikan und ist damit der von Papst Franziskus eingesetzte,  für diese Fragen zuständige Mann. Er hat in seiner Ansprache weitere Vorschläge gemacht. So fände er es angemessen, wenn gesunde Gläubige bei der Wandlung von Brot und Wein knien, und wenn sie die Heilige Kommunion kniend empfangen. Laien als Kommunionausteiler sollten eine Ausnahme sein, lateinische Gesänge und die alte Form der Messe gefördert werden.

Diese liturgischen Rückbesinnungen sind für Sarah weder Selbstzweck noch Nostalgie. Er meint, dass sie den Glauben an das Mysterium des Altarsakraments wiederbeleben könnten, der bei vielen Katholiken verloren gegangen sei – eine Beobachtung, die mir nicht ganz falsch zu sein scheint. Kirchen-Experten rätseln nun, ob der Kardinal für seine Vorschläge die Rückendeckung von Papst Franziskus hat. Sarah selbst sagt, der Papst schätze die liturgischen Bemühungen seines Vorgängers im Papstamt. Franziskus habe ihn ermutigt, dessen Weg einer "Reform der Reform" fortzusetzen. Diese hatte Benedikt XVI. am 7. Juli 2007 eingeschlagen, als er den alten Ritus der Messe als außerordentliche Form wieder allgemein zuließ, der Ende der 1960er Jahre faktisch abgeschafft wurde.

Wie bei vielem, was über Franziskus gesagt wird, ist auch diesmal die Echtheit der behaupteten Papstinitiative schwer zu überprüfen. Ich vermute aber, dass Sarah tatsächlich mit Rückendeckung von oben handelt. Da ist vor allem die Form:  Obwohl er dazu berechtigt wäre, gibt Sarah keine verbindliche Anordnung heraus. Er bittet (!) die Priester, seinen Vorschlag anzunehmen, und die Bischöfe, diesen Schritt den Gläubigen zu erklären. Diese Art des Vorgehens passt ins Franziskus-Pontifikat. Und wahrscheinlich bewirkt das mehr als ein Ukas aus dem Vatikan, der - zum Beispiel in Deutschland - ohnehin nur Empörung auslösen würde. Ich fände es gut, wenn viele Priester die Anregung so aufnähmen, wie sie gemeint ist: Nicht als "Rolle rückwärts", sondern als ernsthaften Beitrag zu einer existenziell wichtigen Frage für die Kirche.

Der Autor

Ludwig Ring-Eifel ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

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Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)

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