Die Sendung selbst in die Hand nehmen

Felix Neumann über die "Hamburger Schulgenossenschaft"

Standpunkt | Bonn - 16.02.2018

Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de

Es ist ein ambitionierter Plan, mit dem eine Bürgerinitiative die vor der Schließung stehenden katholischen Schulen retten will: eine von 10.000 Mitgliedern getragene Genossenschaft als Schulträger. Das Erzbistum zeigt sich noch skeptisch: Kann eine Bürgerinitiative das stemmen, was die Diözese aus eigener Kraft nicht mehr zu leisten vermag?

Ob der Plan betriebswirtschaftlich aufgeht, wird noch auszurechnen sein. Die Schulgenossenschafter erklären dazu so knapp wie einleuchtend: "Andere private Träger sind auch in der Lage, Schulen erfolgreich zu betreiben." Für die Kirche wäre eine solche Organisation einerseits ein Paradigmenwechsel: An die Stelle des für alles zuständigen Bistums tritt eine kleine, auf ein Thema fokussierte Organisation. Bisher ist die Richtung meist umgekehrt: Wo Einrichtungen, seien es Schulen, seien es Klöster, nicht mehr tragfähig sind, kommen sie unter den Schirm eines Bistums, Initiativen suchen über kirchliche Fördermittel und Stellenpläne Beteiligung am Kirchensteueraufkommen.

Andererseits ist es aber gerade kein Paradigmenwechsel, sondern eine Rückkehr in die Zeiten, als Bistümer noch nicht die großen Wirtschaftsträgerstrukturen waren, die sie heute durch die Zentralisierung der Kirchensteuer auch sind. Viele der Hamburger Schulen waren ursprünglich Bürgerinitiativen katholischer Zuwanderer, die die Bildung ihrer Kinder selbst in die Hand genommen haben. Viele der heutigen kirchlichen Unternehmungen sind entstanden aus Initiativen von Gläubigen, von Laien, Ordensleuten und Priestern, die mit heiligem Unternehmergeist ein Problem ihrer Zeit lösen wollten – von den Gesellenvereinen Kolpings über kirchliche Krankenhäuser bis eben hin zu Schulen. Heute sind es Initiativen wie das Augsburger Gebetshaus, die Duisburger Projektgemeinde St. Barbara, die ohne Kirchensteuermittel auskommt, oder eben die Hamburger Schulgenossenschaft. "Durch solche Werke kann die Sendung der Kirche unter bestimmten Umständen sogar besser erfüllt werden", sagt das Dekret über das Laienapostolat des Zweiten Vatikanums über Werke, "die durch freie Entschließung der Laien zustande kommen und auch nach ihrem klugen Urteil geleitet werden".

Die Idee der Schulgenossenschaft ist daher so klassisch wie innovativ: Engagierte Christen nehmen die kirchliche Sendung selbst in die Hand. Für Bistümer stellen solche Initiativen einen Kontrollverlust dar. Für die Kirche insgesamt ist es eine Chance, bei schwindenden Mitgliederzahlen, abnehmenden Mitteln und wegbrechender Volkskirchlichkeit christliche Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen.

Von Felix Neumann

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Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de.

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