Die Synode ist kein Krisentreffen!

Kilian Martin über die Themen der Familiensynode

Standpunkt | Bonn - 16.09.2015

Man muss es sich manchmal in Erinnerung rufen: Die Familiensynode im Vatikan ist kein Krisentreffen! Mit der Frage der "Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" werden die Bischöfe in Rom ein weites pastorales Feld zu beackern haben. Und das ist beileibe kein theologischer Nebenkriegsschauplatz, sondern tief im Herzen der Kirche zu verorten. Denn die Familie ist die Keimzelle des Glaubens.

Dass gerade in Deutschland die Probleme der in sogenannten irregulären Verhältnissen lebenden Gläubigen besonders interessieren, ist naheliegend. Schließlich werden die sakramentale Ehe, besonders aber die kirchliche Ehelehre hierzulande zunehmend als Problem wahrgenommen. Das geht bis hin zur freimütigen Ablehnung der Ehe unter dem Schlagwort "Ja, ich will nicht". Dabei hätte die Kirche eine tatsächliche Auseinandersetzung mit der pastoralen Kraft der Familie so bitter nötig! Das Zweite Vatikanische Konzil nennt die Familie eine Hauskirche. "Dort haben die Eheleute ihre eigene Berufung, sich gegenseitig und den Kindern den Glauben und die Liebe Christi zu bezeugen" (LG 35).

Wo, wenn nicht in der Familie, sollen aber christlicher Glaube, christliches Handeln und christliche Liebe weitergegeben werden? Noch "vor allen übrigen", sagt das Kirchenrecht, haben die Eltern die Pflicht, ihre Kinder im Christentum zu unterweisen. Auch dem Sekretariat der Familiensynode ist dies ein Anliegen: Über "die missionarische Dimension der Familie" soll gesprochen werden, ebenso über "Katechese und Familie" oder das wichtige Thema "Familie und Evangelisierung". In der vorsynodalen Debatte hört man über diese Themen jedoch herzlich wenig. Stattdessen wird auf allen Seiten auf engste Fragestellungen zugespitzt und problematisiert: Fällt der Begriff Barmherzigkeit, geht es um den Umgang mit gescheiterten Beziehungen, nicht aber um die Familie als ersten Ort gelebter Barmherzigkeit. Wird das Lehramt angesprochen, folgt im gleichen Atemzug die vermeintliche Kluft zur Lebenswirklichkeit vieler Eheleute, aber nicht die große Wertschätzung, die das Lehramt den Eheleuten entgegenbringt. Kurzum: Wenn von der Familiensynode die Rede ist, geht es um Probleme. Dabei gäbe es so viel Gutes zu sagen zur Familie als Keimzelle des Glaubens.

Der Autor

Kilian Martin ist Volontär bei katholisch.de.

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Von Kilian Martin

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