Hans Küng, Wegbegleiter aufgeschlossener Christen

Thomas Seiterich über den bald 90-jährigen Theologen

Standpunkt | Bonn - 12.03.2018

Thomas Seiterich ist Redakteur der Zeitschrift Publik-Forum.

Dieser Tage, am 19. März, wird einer der berühmtesten Theologen der westlichen Welt und der theologische Wegbegleiter von Generationen aufgeschlossener Christen 90 Jahre alt: Hans Küng. Ich bin ihm dankbar für sein Lebenswerk, für Begegnungen und seine selbst in harten Konflikten mit Rom durchgehaltene Treue zur Kirche. Sein Werk  führt vom katholisch-evangelischen Feld der Konfessionen,  das heißt von seiner Brücken bauenden Doktorarbeit von 1957 über Karl Barth und die für den Protestantismus zentrale Rechtfertigungslehre, in die Weite. Konsequent, Schritt für Schritt.

Beim Konzil war Küng ab 1962 präsent und er warf in den Folgejahren mit schweizerischem Bürgermut die heißesten Fragen auf, inklusive seinem Buch "Unfehlbar – Eine Anfrage" (1970). Die Bremsvorgänge Roms nach dem Konzil und Küngs festes Eintreten für Reform führte – kaum ausweichlich – 1979 zum Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis.

Küng zerbrechen? Das misslang seinen römischen Gegnern gründlich. Was andere Theologen zum Verstummen gebracht hätte, wendete der nunmehr "kirchenfreie" Theologe in einen weiteren  Wirkungskreis: Küng erklärt einem Millionenpublikum von Lesenden den Glauben auf zeitgenössische Art ("Christ sein"), und stellt sich der Frage des Lebens in einer weithin säkularisierten, nachchristlichen Gesellschaft. Christsein und Gottesglauben sind nicht mehr selbstverständlich. Gefragt werden musste somit: Was ist das spezifisch Christliche? Weshalb noch Gott glauben? Hans Küng war – wie wenige andere – sensibel für die "Zeichen der Zeit", von denen das Konzil sprach.

Dann hat Küng respektvoll die fremden Weltreligionen erschlossen und mit ihnen nach einem verbindenden "Weltethos" gesucht. Wie eine Summe liest sich sein Buch "Theologie im Aufbruch" von 1987. Zum Ende des Kapitels "Gibt es eine wahre Religion?" fasst er seine Überzeugung zusammen. Für ihn als Glaubenden, so schreibt Küng,  sei das Christentum "die wahre Religion, sofern es von Gott in Christus“ zeuge. Jedoch die "ganze Wahrheit" habe "keine Religion", die habe "nur Gott allein".

Soll Rom Küng nun offiziell rehabilitieren? Ich meine, das ist nicht nötig. Papst Franziskus hat ihm wiederholt persönlich, handschriftlich und herzlich nach Tübingen geschrieben. Und Papst Benedikt XVI., sein alter Tübinger Professorenkollege und späterer theologischer Antipode, hat Küng Ende September 2005 für eine vielstündige Privataudienz in Castel Gandolfo eingeladen. Das Treffen sei freundschaftlich verlaufen, erzählte ein bewegter Hans Küng später. Offizielle römische Reha-Prozeduren sind da nicht mehr nötig.

Von Thomas Seiterich

Der Autor

Thomas Seiterich ist Redakteur der Zeitschrift "Publik-Forum".

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