Gottesdienst

Sitzen, stehen, knien

Was, warum und wie – katholisch.de erklärt den Gottesdienst

Bonn - 07.01.2015

Bei Vielen ist es einfach da: das Bedürfnis, etwa an Weihnachten an einer der feierlichen Messen teilzunehmen. So Mancher kennt aber auch das mulmige Gefühl, nicht genau zu wissen, was zu tun ist. Der katholische Gottesdienst unterliegt einer gewissen Choreographie, die sich nicht immer von selbst erschließt. Aber auch Menschen, die nicht regelmäßig einen katholischen Gottesdienst besuchen, sollen Christmette und co. mitfeiern können. Darum stellt katholisch.de die Elemente einer Messe vor.

Die beruhigende Antwort zuerst: Anders als bei der Feier der Osternacht mit ihren liturgischen Besonderheiten folgen die Messen an Weihnachten der Grundstruktur, die man das ganze Jahr über in jedem katholischen Gottesdienst weltweit erleben kann – und die im Gesangbuch Gotteslob unter der Nummer 582 zu finden ist. Im Groben folgt sie der Logik, bei den Zeichenhandlungen und Gebeten zu stehen, beim Hören zu sitzen und beim Mittelpunkt der Messe, der Wandlung, zu knien.

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Was bedeutet das Kreuzzeichen. Eine "Videoerklärung" mit Sr. Martina Rotter FSP.  Katholische Fernseharbeit/Vorschaubild: KNA

Der Gottesdienst beginnt, wenn der Priester und die Ministranten in den Altarraum einziehen; als Signal erklingt häufig ein kleines Glöckchen und die Menschen erheben sich. Der Geistliche küsst den Altar und begrüßt danach die Gemeinde. Spätestens an dieser Stelle kommt das Kreuzzeichen – unter Katholiken ist es üblich, sich schon am Weihwasserbecken beim Betreten der Kirche zu bekreuzigen. Dabei wird in kurzer Form die Dreifaltigkeit Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist bekannt. Wer mit diesem Zeichen den Gottesdienst beginnen will, führt die ausgestreckten Finger der rechten Hand von der Stirn zur Brust und von der linken zur rechten Schulter uns spricht dabei "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen".

Nach einigen einführenden Worten folgt der Bußakt. Dabei besinnt man sich kurz, oft wird auch gemeinsam das Schuldbekenntnis gesprochen, in dem Gott um Vergebung gebeten wird (Gotteslob Nummer 582, 4). Dann spricht oder singt die Gemeinde den Ruf "Herr, erbarme dich" oder auf Altgriechisch "Kyrie eleison" Im Anschluss singt die Gemeinde das Gloria, einen fröhlichen Lobgesang an Gott. Nach dem anschließenden Tagesgebet setzt sich die Gemeinde.

Der Wortgottesdienst

Nun kommt der Teil der Liturgie, der Wortgottesdienst heißt. Ein Lektor oder eine Lektorin aus der Gemeinde tritt an den Ambo und liest eine bestimmte Stelle aus der Bibel vor. In der Regel gibt es sonntags zwei Lesungen, die erste aus dem Alten Testament, die zweite aus der Apostelgeschichte oder den Briefen des Neuen Testaments. Die Gemeinde antwortet auf die Lesungen mit "Dank sei Gott". Zwischen den Lesungen kommt der sogenannte Antwortpsalm: Der Kantor singt den Psalm und die Gemeinde antwortet im Wechselgesang.

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Das Wort Gottes den Menschen verkünden  KFA

Die Eucharistiefeier

Für den Höhepunkt des Wortgottesdienstes, das Evangelium, steht die Gemeinde nun auf und singt das Halleluja. Ein Diakon oder Priester zieht feierlich – oft von Ministranten mit Leuchtern und Weihrauch begleitet – mit dem großen Evangelien-Buch zum Ambo. Das Evangelium mit Texten von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes ist deshalb so bedeutend, weil in ihm die Stimme von Jesus Christus erklingt. Am Ende sagt die Gemeinde "Lob sei dir Christus" und singt manchmal nochmal das Halleluja.

Danach setzen sich die Gottesdienstteilnehmer und hören die Predigt, die meist auf den Evangelientext oder auf eine der Lesungen eingeht. Die Texte der Lesungen und des Evangeliums stehen für die gesamte katholische Kirche weltweit schon vorab fest und können nachgeschlagen werden. An Heiligabend etwa wird überall das zweite Kapitel aus dem Lukas-Evangelium vorgetragen. Die Predigt bietet die Chance, Szenen aus dem Leben Jesu besser zu verstehen und darin eine Bedeutung für das eigene Leben zu erkennen.

Nach dem Zuhören kommt nun der Teil des Gottesdienstes, an dem die Gemeindemitglieder sichtbar aktiv durch Körperhaltungen, Gebete und Antwortrufe teilnehmen. Zuerst wird an Sonn- und Festtagen im Stehen das Glaubensbekenntnis (Credo) gebetet oder gesungen. Dann folgen die Fürbitten, die Menschen aus der Gemeinde vortragen. Anders als beim Kyrie bittet man Gott nicht für sich selbst, sondern für andere, für die Kirche und die Welt, für Notleidende und Verstorbene. Auf jede Bitte antwortet die Gemeinde mit einem "Wir bitten dich, erhöre uns" oder einem anderen Gebetsruf.

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Der Altar bildet das Zentrum im Katholischen Gottesdienst. Über seine Funktion und die Rolle des Altars im Laufe der Geschichte des Christentums gibt dieser Kurzfilm Information.  Katholische Fernseharbeit

Die Gemeinde setzt sich nun, während die Ministranten oder Kommunionhelfer bei der Gabenbereitung Brot und Wein für den zentralen Teil der Messe, die Eucharistiefeier, an den Altar bringen. Dies bekommt man "im Kirchenvolk" kaum mit, da meist zeitgleich ein Lied gesungen und bei der Kollekte Geld für soziale Zwecke gesammelt wird. Wenn der Priester oder Bischof mit der Einleitung für das eucharistische Hochgebet mit den Worten "Der Herr sei mit euch" beginnt, steht die Gemeinde auf und singt im Anschluss das "Sanctus" ("Heilig, heilig, heilig").

Bei der Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Gaben zur Wandlung knien sich diejenigen, deren körperlicher Zustand es zulässt, hin, die anderen bleiben stehen. Nun geschieht die sogenannte Wesensverwandlung ("Transsubstantiation") von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi. Die Gemeinde spricht das "Geheimnis des Glaubens", der Geistliche betet für die Kirche, und wenn er sagt "Durch ihn und mit ihm", antworten alle mit einem zustimmenden "Amen". In Deutschland stehen die Gemeindemitglieder erst an dieser Stelle auf, in vielen anderen Ländern bereits beim "Geheimnis des Glaubens".

Es folgt das bekannteste Gebet des Christentums, das Vaterunser und dann der Friedensgruß, bei dem sich die Gottesdienstteilnehmer mit einem Händedruck ein "Friede sei mit dir" zusprechen. Viele Gläubige knien sich hin, wenn der Priester nach dem "Lamm Gottes" ("Agnus Dei") das Brot bricht. Im Anschluss treten die Katholiken vor, um die Kommunion zu empfangen, und halten danach ein kurzes stilles Gebet.

Zu einem Schlussgebet steht die Gemeinde noch einmal auf. Es können noch Vermeldungen kommen, danach folgt der Schlusssegen mit Kreuzzeichen. Das letzte Wort, bevor der Geistliche aus der Kirche auszieht, hat übrigens nicht er, sondern die Kirchengemeinde. Auf ein "Gehet hin in Frieden!" des Diakons oder Priesters antworten alle: "Dank sei Gott dem Herrn."

Von Agathe Lukassek

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