• © Bild: lifeinistanbul/Fotolia.com

Jesus als Herrscher

Es steht an einem prominenten Platz und fristet doch ein Schattendasein: Das Christkönigsfest gehört zu den unbekannteren Hochfesten im Kirchenjahr.

Christkönigsfest | Bonn - 06.01.2015

Das Bild scheint aus der Zeit gefallen: Jesus auf dem Herrscherthron, ein allmächtiger Himmelsfürst, der zur Erde zurückkehren wird, um über die Menschen zu herrschen. Im Zeitalter von Demokratie und Gewaltenteilung kann diese Vorstellung schnell missverstanden werden: Hat uns die Geschichte nicht gelehrt, dass die Herrschaft eines Einzelnen nur selten friedlich endet? Ist es nicht einfacher, die Menschwerdung Jesu in den Vordergrund zu stellen, das Phänomen Christ zu erden, um dem Gottessohn auf Augenhöhe zu begegnen?

Das Christkönigsfest erinnert einmal im Jahr an die andere, die unbequemere Seite Jesu: Zum Ende des Kirchenjahres, am Sonntag vor dem ersten Advent, feiert die katholische Kirche die Königswürde ihres "Erlösers". Doch was so manchem heute Bauchschmerzen bereitet, war vor fast 90 Jahren ein wichtiger Tag der Hoffnung für Deutschlands Katholiken.

Triumphale Lieder wie "Christus Sieger, Christus König" und "Christkönig, Halleluja!" entstanden eben nicht aus einer Position der Stärke. Ganz im Gegenteil: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich die katholische Kirche auf dem Tiefpunkt ihrer politischen Macht: Papst Pius IX. hatte 1870 Rom und den Kirchenstaat an Italien verloren, der Oberhirte und seine Nachfolger standen unter – mehr oder weniger freiwillig gewähltem - Hausarrest. Zudem lagen nach dem Ersten Weltkrieg die großen Monarchien in Trümmern.

Papst will mit dem Fest ein Zeichen der Hoffnung setzen

Was an deren Stelle getreten war, bereitete den Katholiken große Sorge: Die Parteienlandschaft der Weimarer Republik zeigte sich hoffnungslos zersplittert, auf den Straßen der großen deutschen Städte herrschten Chaos und Gewalt. Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn war zerfallen. Und nicht nur im ehemaligen Zarenreich Russland erstarkten kommunistische und faschistische Kräfte, die Religion und Kirche grundsätzlich ablehnten.

Player wird geladen ...
Der Bonner Stadtdechant und Münsterpfarrer Wilfried Schumacher erklärt die Bedeutung des christlichen Feiertages Christkönig.
 katholisch.de

Die Zeit schien reif für ein Zeichen der Hoffnung: So sah es zumindest Papst Pius XI., als er am 11. Dezember 1925 seine Enzyklika "Quas Primas" veröffentlichte. "Jene Flut von Übeln hat eben deshalb die Welt überschwemmt, weil die meisten Menschen Jesus Christus und sein heiligstes Gesetz sowohl aus ihrem persönlichen Lebenswandel als auch aus der häuslichen Gemeinschaft und dem öffentlichen Leben verbannt haben", beklagte sich der Pontifex in der Einleitung seiner Schrift.

Mit der Einführung eines neuen Hochfestes wollte Pius die Katholiken an den Herrschaftsanspruch Jesu erinnern und ihnen auf diese Weise Hoffnung auf eine bessere Zukunft schenken: "Wenn wir nun anordnen, Christus solle von der ganzen katholischen Welt als König verehrt werden, so wollen wir damit auch dem Bedürfnis unserer Zeit entgegenkommen und ein wirksames Heilmittel jener Pest entgegenstellen, welche die menschliche Gesellschaft befallen hat. Die Pest unserer Zeit ist der sogenannte Laizismus mit seinen Irrtümern und gottlosen Absichten."

Jubiläum der Königswürde Jesu

Der Zeitpunkt ist auch aus der Kirchengeschichte heraus zu verstehen: 1600 Jahre zuvor, 325 n. Chr., wurde vom römischen Kaiser Konstantin I. das Konzil von Nicäa abgehalten. Dort bekannte sich die junge Kirche u.a. offiziell zur Königswürde Jesu Christi: Der Sohn sei seines Wesens nach dem Vater gleich. Gleichzeitig wurden die Worte "cuius regni non erit finis" (dessen Reich kein Ende haben wird) ins Glaubensbekenntnis aufgenommen.

Papst Pius XI. (1922-1929) führte 1925 das Christkönigsfest ein.
 KNA

Theologisch gesehen ist dieser Herrschaftsanspruch durchaus verzwickt: Schließlich solle Jesus laut Pius XI. nicht nur im übertragenen Sinne als "König der Herzen" verstanden werden ("Meine Herrschaft ist nicht von dieser Welt" - Joh 18,36), sondern als Herrscher auch im praktischen Sinn: Weil wesensgleich mit dem Vater, besitze Jesus "über alle Geschöpfe die höchste und vollkommenste Gewalt". Damit beschränke sich sein Herrschaftsanspruch eben nicht allein auf die symbolische Ebene: Kommt Jesus Christus zurück auf die Erde, werde er tatsächlich über die Menschen herrschen – alle gesetzgeberische, richterliche und ausführende Gewalt in sich vereint. Diese besondere Betonung der Monarchie in einem christlichen Zusammenhang hatte in jenen Tagen nicht nur positive Auswirkungen: Schwierig war es jedenfalls nicht, in diese Gedanken eine antidemokratische Stoßrichtung hineinzuinterpretieren.

Bekenntnis gegen den Führerkult

Wie wichtig das Christkönigsfest nur ein Jahrzehnt später werden sollte, konnte Pius XI. freilich nicht ahnen. In der Zeit des Nationalsozialismus entwickelte sich der Tag zu einem wichtigen Widerstandssymbol: Junge Katholiken nutzten die Feier, um sichtbare Zeichen gegen den Führerkult zu setzen. Im Rahmen des "Bekenntnistags der Jugend" zogen katholische Jugendverbände mit eigenen Fahnen und Uniformen durch die Städte. Eine Verlegung des "Bekenntnistags" auf den Christkönigssonntag war nötig geworden, da die Nationalsozialisten ihr Reichssportfest auf den ursprünglichen Termin (den Dreifaltigkeitssonntag) gelegt hatten. Es wurde zu einem Mutmachfest in schweren Zeiten.

Auch Christkönig sollte noch einmal verlegt werden: Seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wird Jesu Königswürde am 34. Sonntag im Jahreskreis gedacht, eine Woche vor dem ersten Advent. So endet das Kirchenjahr für alle Gläubigen mit einer optimistischen Note: Egal, wie schlimm es auf Erden auch zugeht, die Aussicht auf die Herrschaft des "guten Königs" Jesus bleibt. (jwi/luk)

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2016