Die Posaune Gottes

Hildegard von Bingen sah sich selbst als "Posaune Gottes", die tönte, um dem Schöpfer die zugestoßene Tür zu seiner Schöpfung neu zu öffnen.

Hildegard von Bingen | Bonn - 28.02.2015

Sie ist mit vielen Titeln bedacht: "Athletin Gottes", "Rheinische Sibylle", "Prophetissa Teutonica". Sich selbst sah Hildegard von Bingen (um 1098-1179) als "Posaune Gottes", die tönte, um dem Schöpfer die durch Schuld und Gottvergessenheit zugestoßene Tür zu seiner Schöpfung neu zu öffnen. Im Mai 2012 erhob Papst Benedikt XVI. die Benediktinerin zu einer Heiligen der Universalkirche. Im Oktober des gleichen Jahres wurde sie zur Kirchenlehrerin ernannt.

Nicht selten und vor allem zwecks Vermarktung bestimmter Produkte wird Hildegard etwa auf eine Autorin von Dinkelrezepten und auf eine Propagandistin sogenannter sanfter Heilmethoden reduziert.

Tatsächlich war sie Visionärin, Theologin, Naturforscherin, Dichterin, Komponistin, Gründerin gleich zweier Benediktinerinnenklöster und Äbtissin. Hildegard hinterließ drei umfangreiche theologische Werke: "Scivias" (Wisse die Wege), das "Liber vitae meritorum" (Buch der Lebensverdienste) und das "Liber divinorum operum" (Buch der Gotteswerke). Sie komponierte weit mehr als 70 Lieder und das Singspiel "Ordo virtutum" (Spiel der Kräfte).

Ein ganzheitlicher Ansatz

Mehrere Predigtreisen soll sie unternommen, in Briefen an Päpste, Bischöfe und Äbte, an Könige und Fürsten mahnend ihre Stimme erhoben haben. Nach eigenem Bekunden schrieb Hildegard in ihrem visionären Werk "nichts aus eigener Erfindung oder irgendeines Menschen, sondern wie ich es in himmlischer Eingebung sah und hörte und durch die verborgenen Geheimnisse Gottes empfing".

Eine moderne Skulptur der Heiligen und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen (um 1098-1179). Das Werk des Mainzer Künstlers Karlheinz Oswald steht vor der Abteikirche der Hildegard in Eibingen.
 angelika-kamlage.de

Für Hildegard kennzeichnend ist, was gemeinhin "Ganzheitsschau" genannt wird. Alles hängt mit allem zusammen; nichts darf völlig isoliert betrachtet werden. Hildegard: "Jedes Geschöpf ist mit einem anderen verbunden, und jedes Wesen wird durch ein anderes gehalten." Der Gedanke der Einheit und Ganzheit gilt auch als Schlüssel zu den natur- und heilkundlichen Schriften Hildegards. In welchem Umfang sie tatsächlich von ihr stammen, ist umstritten.

Kloster auf dem Binger Rupertsberg

Hildegard, deren genaues Geburtsdatum nicht bekannt ist, kam im rheinhessischen Bermersheim zur Welt. Blutjung noch, wurde sie von ihren Eltern der später als Selige verehrten Jutta von Sponheim zur Erziehung übergeben. Mit acht Jahren, nach neueren Forschungen mit 14, kam sie in eine dem damaligen Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg am Zusammenfluss von Glan und Nahe angegliederte Klause. Nach Juttas Tod wurde Hildegard Leiterin dieser klösterlichen Gemeinschaft von Frauen.

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Der Film (17 Minuten) berichtet über die Heilige Hildegard von Bingen aus dem Bistum Limburg.
 Bistum Limburg

Später gründete sie ein Benediktinerinnenkloster auf dem Binger Rupertsberg - es wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört - und besiedelte gleich gegenüber auf der rechten Rheinseite das Kloster Eibingen mit Benediktinerinnen. Das Kloster wurde 1814 im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Die Klosterkirche, 1831 von der Eibinger Kirchengemeinde erworben und zu ihrer Pfarrkirche gemacht, ist Hildegards Grabeskirche und beherbergt ihren Reliquienschrein. Ihr Todestag und damit kirchlicher Festtag ist der 17. September. Er wird alljährlich als Hildegardisfest in Rüdesheim-Eibingen gefeiert.

Gedenktag: 17. September

Patronin der Esperantisten, Sprachforscher und Naturwissenschaftler. Kirchenlehrerin.

Von Peter de Groot

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