• © Bild: Rita Heyen/Hohe Domkirche Trier

Die Reliquienjägerin

Als Mutter des Kaisers Konstantin wurde sie zu einer Schlüsselfigur für die Ausbreitung des Christentums in der Antike: die heilige Helena. Den Legenden nach soll sie zahlreiche Reliquien entdeckt haben.

Helena | Bonn - 28.02.2015

Die heilige Helena, der Name bedeutet "die Leuchtende", kennt man als Mutter Konstantins des Großen. Tatsächlich ist Flavia Julia Helena Augusta, so ihr voller Name, aber vielmehr als das: Sie wurde zu einer Schlüsselfigur für die Verbreitung des Christentums. Um ihre Person ranken sich zahlreiche Legenden, die heute noch von den Reliquien erzählt werden, die sie aus dem Heiligen Land mitbrachte und die sich mittlerweile überall auf der Welt befinden.

Die Heilige Helena wird meistes mit dem Kreuz Jesu und Nägeln dargestellt, wie hier auf dem Helenareliquiar im Trierer Dom.
 Hohe Domkirche Trier

Helena wurde um das Jahr 248 nach Christus geboren. Über ihre Herkunft gibt es verschiedene Theorien: Sie reichen von einem frühen Leben als Stallmagd bis hin zu einer königlichen Abstammung. Nicht haltbar ist die Vermutung, sie sei eine "Hure aus Trier" gewesen. Am Wahrscheinlichsten ist, so schreibt es der heiligen Ambrosius von Mailand, dass sie Tochter eines heidnischen Gastwirtes war. In ihrer Heimat, der heutigen Türkei, lernte sie dann den römischen Offizier Flavius Konstantius Chlorus kennen. Weil Helena von "niederer Herkunft" war und Konstantius bereits zum Kaiser aufstrebte, wird heute davon ausgegangen, dass die beiden keine legitime Ehe verbunden hat. Jedoch ging aus der Liebesbeziehung ein Sohn hervor, der später als Konstantin der Große bekannt werden sollte. Nachdem Konstantius Chlorus schließlich Kaiser wurde, verstieß er Helena, die daraufhin ihrem Sohn folgte, bis sie schließlich nach Trier gelangte, wo sie lange Zeit residierte.

Helenas berühmter Sohn

Das Jahr 312 wurde für Helena, Konstantin und das ganze Christentum ein entscheidendes: In der berühmten Schlacht an der milvischen Brücke besiegte Konstantin seinen Kontrahenten Maxentius. Damit wurde er zum legitimen Kaiser des weströmischen Reiches. Den Sieg hatte er Legenden zufolge den christlichen Symbolen zu verdanken, die er zuvor auf den Schilden seiner Soldaten angebracht hatte. Das sei ihm zuvor im Traum aufgetragen worden mit dem Versprechen "In hoc signum vinces!" (In diesem Zeichen wirst du siegen!)

Die Statue der heiligen Helena ziert das Bonner Münster. Sie steht dort im Mittelgang.
 Stadtdekanat Bonn

Dieses Ereignis veranlasste Helena und Konstantin, sich dem Christentum zuzuwenden. Aber wer bekannte sich zuerst? Wem ist damit die Verbreitung des Christentums tatsächlich zuzuschreiben? Letztlich ist diese Frage bis heute ungeklärt. Eines steht jedoch fest: Helena ließ sich noch im selben Jahr taufen, Konstantin dagegen erst auf dem Sterbebett! Zuvor waren die Christen im Römischen Reich als "Sekte" bekannt. Schließlich führten die Ereignisse zum sogenannten "Mailänder Toleranzedikt" von 313, wodurch Konstantin den Christen freie Religionsausübung garantierte.

Dadurch wurden Pilgerfahrten möglich: Viel bezeugt ist die Reise Helenas nach Palästina. Die Kirchenväter Ambrosius und Eusebius berichten, dass Gott der hochbetagten Kaisermutter diese Wallfahrt im Traum aufgetragen hatte. Sie machte sich also auf den Weg, mit dem Ziel das Kreuz Jesu zu finden. Dieses Engagement macht sie zur Schutzherrin der Schatzsucher.

Gedenktag: 18. August

Patronin von Trier, Frankfurt, Pesaro und Ascoli Piceno; der Färber, Nadler, Schatzgräber; der Bergwerke; gegen Blitz- und Feuersgefahr; zur Entdeckung von Diebstählen, zur Auffindung verlorener Sachen

Suche nach dem Kreuz Jesu

Im Heiligen Land soll sie den Leviten Judas nach dem Aufbewahrungsort des Kreuzes befragt haben. Dieser versprach jedoch dem Hohen Rat, sein Wissen nicht kundzutun. So ließ Helena ihn in einen trockenen Brunnen werfen, bis er bereit war, ihr die Stelle zu zeigen. Das Kreuz wurde unter dem Venus-Tempel auf dem Berg Golgota vermutet. So grub sie, bis tatsächlich drei Kreuze zum Vorschein kamen, wie Ambrosius zu berichten weiß. Aber welches Kreuz ist das wahre Kreuz Jesu? Auch über die Lösung dieses Problems gibt es verschiedene Berichte.

Einer besagt, dass durch die Berührung des Kreuzes Jesu ein Toter wieder lebendig wurde und man es daran erkenne. Ambrosius allerdings schreibt dazu Folgendes: "Sie findet, dass das mittlere Kreuz die Aufschrift an der Stirne trug: "Jesus von Nazareth, König der Juden" [Joh 19,19]. Hieraus konnte der wahre Sachverhalt erschlossen werden: aus der Aufschrift ward das Kreuz des Heils offenbar." Demnach soll Pilatus die Kreuzesaufschrift nur angebracht haben, damit das wahre Kreuz später gefunden werden kann. "Helena sollte etwas zu lesen finden als Anhaltspunkt, um das Kreuz des Herrn daraus zu erkennen" führt Ambrosius weiter aus. Helena fand demnach im Jahr 326 nicht nur das Kreuz Jesu, sondern auch einen Teil der "INRI"-Aufschrift, die sie mit ins Römische Reich brachte.

Die Heilige Helena trägt auf diesem Porträt das Bonner Münster auf ihren Händen.
 Stadtdekanat Bonn

Auch zahlreiche weitere Reliquien gehen angeblich auf die Entdeckung Helenas zurück. Dazu zählt die Dornenkrone Jesu, die heute in der Kathedrale Notre-Dame in Paris verehrt wird. Ebenso soll sie Nägel vom Kreuz Jesu mitgebracht und einen davon in die Zügel des kaiserlichen Pferdes eingelassen haben. Das Ziel war klar: Anstatt wie bisher den Krieg, sollten die Römischen Kaiser ab sofort den Frieden, den Christus predigte, in die Welt bringen. Das führte Ambrosius zu der Aussage: "Maria ward heimgesucht zur Erlösung der Eva, Helena ward heimgesucht zur Erlösung der Kaiser."

In Deutschland kann man in Bamberg einen der Nägel vom Kreuz Jesu bewundern. Auch die Knochen des Fingers des ungläubigen Thomas, den er in Jesu Seite legte (vgl. Joh 20, 19-29) sowie den Schleier Mariens und die Sandalen des Apostels Andreas soll die Kaisermutter aus Palästina mitgebracht haben. Weitere Legenden erzählen, dass sie von Palästina aus nach Indien gereist sei, von wo sie schließlich die Gebeine der Heiligen Drei Könige importierte, die heute im Kölner Dom zu finden sind. Jedoch soll Helena immer wieder betont haben, dass die Anbetung nicht den Reliquien selbst, sondern Christus gelte.

Das Haupt der heiligen Helena wird im Dom zu Trier aufbewahrt.
 Hohe Domkirche Trier

Helena starb am 18. August 330 in Nikomedien. Der ursprüngliche Ort ihrer Beisetzung ist umstritten. Heute liegen ihre Gebeine in der unscheinbaren Kirche "Santa Maria in Aracoeli" in Rom und ihr Haupt ruht im Dom zu Trier. Die Heilige Helena wird heute als Schutzherrin von Schatzsuchern, Färbern und Bergleuten angerufen. Sie soll bei der Abwehr von Feuergefahren, der Entdeckung von Diebstählen helfen und dabei verlorene Sachen wieder zu finden.

Kirchengründungen in Deutschland

In Deutschland rühmen sich vor allem vier Kirchen auf die Heilige zurückzugehen: Der Dom zu Trier, St. Gereon in Köln, St. Viktor in Xanten und das Bonner Münster. Der Trierer Dom bestand in seinem Kern aus dem Palast der Helena. Diese stellte ihr Haus dem Trierer Bischof als Domkirche zur Verfügung. Tatsächlich hat man reich verzierte Decken und antikes Gemäuer bei Ausgrabungen unter dem heutigen Dom gefunden. Helena soll nach Trier auch Jesu ungeteiltes Gewand (vgl. Joh 19, 23), den Heiligen Rock und die Gebeine des Apostels Matthias überführt haben. Die drei anderen Kirchen sind von Helena an Stellen errichtet worden, an denen Märtyrer der römischen Armee begraben liegen. In allen Kirchen wird Helena besonders verehrt, in Bonn finden sich seit 2012 auch wieder Reliquien von ihr. Helena soll auch für den Bau zahlreicher Kirchen und Pilgerstätten in Palästina verantwortlich sein.

Die vier deutschen Kirchen, die auf Helena zurückgehen.

Von Oliver Buchholz

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