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Rosen im Korb

Am 19. November gedenkt die Kirche der heiligen Elisabeth von Thüringen. Von Anfang an stand die Prinzessin im Blickpunkt politischer Interessen. Als "Mutter der Armen" war Elisabeth für ihre Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe bekannt.

Elisabeth von Thüringen | Bonn - 28.02.2015

Als Mutter der Armen ist Elisabeth von Thüringen für ihre Mildtätigkeit und Hilfsbereitschaft bekannt. 1207 wurde sie auf der Burg Saros-Patak in Ungarn geboren. Ihre Eltern waren der Arpadenkönig Andreas II. und Gertrud von Andechs-Meranien. Von Anfang an stand die aufgeweckte Prinzessin im Blickpunkt der politischen Interessen, die durch geschickte Heiratspolitik noch gefördert wurden.

Mit dem 14-jährigen Ludwig, dem Thronfolger des Landgrafen von Thüringen, wurde Elisabeth bereits im zarten Alter von vier Jahren verlobt. Dies sollte das Bündnis zwischen dem Landgrafen und den Andechs-Meraniern bekräftigen. So wuchs das temperamentvolle Mädchen am prunkvollen thüringischen Hof auf der Wartburg auf. Ziele der Erziehung waren unter anderem maßvolles, beherrschtes Auftreten und innere Ausgewogenheit. 1221 heirateten Ludwig und Elisabeth. Sie gebar ihm drei Kinder. Doch früh trafen sie harte Schicksalsschläge. 1213 wurde ihre Mutter ermordet, 1215 starb ihr väterlicher Beschützer, der Landgraf Hermann von Thüringen.

Revolutionärin am Hof

Mit wachen Sinnen beobachtete Elisabeth das unterschiedliche Leben auf der Burg. Luxus und Verschwendung, Stolz und Reichtum auf der einen Seite; beim einfachen Volk herrschten dagegen Armut und Hunger, Not und Elend. Dies ging radikal gegen ihr christliches Empfinden. In ihren Augen widersprachen solche Gegensätze den Geboten Gottes.

Aus ihrem Glauben heraus versuchte sie, ganz konkret die Gottes- und Nächstenliebe zu leben. Sie trug einfache Kleider, ging ohne Schmuck zum Gottesdienst, fastete und hielt tägliche Bußübungen, versorgte die Armen und Kranken, pflegte Aussätzige und nahm Waisenkinder auf. Sie war eine geradezu revolutionäre Gestalt, die damit auch zum Zankapfel in höfischen Kreisen wurde.

Rose
Die Morgensonne scheint auf einige Rosen. Auf den Blättern haben sich Tautropfen gesammelt.
 KNA

In dieses Bild passt auch die Legende vom Rosenwunder: Mit ihrem Korb, den sie mit einem Tuch überdeckte, gefüllt mit Lebensmitteln aus dem fürstlichen Vorrat, ging sie von der Burg hinunter ins Dorf. Ihr Gatte Ludwig fragte sie daraufhin kritisch nach dem Inhalt des Korbes. "Rosen, mein Herr", antwortete sie. Misstrauisch sah Ludwig in den Korb und fand statt der Brote unter dem Tuch tatsächlich duftende Rosen.

Ein harter Schicksalsschlag

Ihre Mildtätigkeit und Hilfsbereitschaft gingen so weit, dass die Versorgung der Burg nicht mehr gewährleistet zu sein schien. Bald wurde harsche Kritik laut an ihrem verschwenderischen Verhalten. Elisabeth tauge nur als Nonne oder als Dienstmagd, aber nicht zu einer deutschen Fürstin. 1227 beteiligte sich ihr Mann Ludwig an einem Kreuzzug: Er starb unterwegs an einer Seuche. Für die 20-jährige Ehefrau und Mutter war das ein harter Schicksalsschlag. Offener Hass brach auf, als Ludwigs jüngerer Bruder Heinrich Raspe die Herrschaft übernahm. Ihre Witwengüter wurden ihr zum Teil entzogen.

Mitten im Winter verließ sie die Wartburg und zog nach Marburg. Eine Wiederverheiratung lehnte die junge Witwe ab. Sie wollte fortan ganz den Weg der Armut, Keuschheit und des Gehorsams gehen; doch die Aufnahme als Franziskanerin lehnte ihr Beichtvater Konrad von Marburg ab. Die letzten drei Jahre ihres Lebens stellte sie ganz in den Dienst für die Armen und Kranken. In Marburg richtete man aus ihrem Witwengut ein Hospital ein.

Gedenktag: 19. November

Im deutschen Sprachgebiet ist der 19. November Elisabeths Gedenktag - wie der evangelische und anglikanische. In anderen Ländern ist ihr Todestag auch der katholische Gedenktag: der 17. November. Sie ist Patronin von Thüringen und Hessen; der Witwen und Waisen, Bettler, Kranken, unschuldig Verfolgten und Notleidenden; der Bäcker, Sozialarbeiter und Spitzenklöpplerinnen; des Deutschen Ordens, der Caritas-Vereinigungen; des Bistums Erfurt, zweite Patronin des Bistums Fulda

Furchtloses Engagement

Unmittelbar nach ihrem Tod, am 17. November 1231, setzte bereits ihre Verehrung ein, die in der Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. am Pfingstsonntag 1235 in Perugia gipfelte. Elisabeth wurde zu einer weithin verehrten Heiligen der Nächstenliebe, um die sich zahlreiche Legenden rankten.

Nicht umsonst tragen Sozialstationen, Krankenhäuser, Altenheime, Wohlfahrtseinrichtungen, Kirchen und Klöster ihren Namen. Sie ist die Patronin von Ordensgemeinschaften, der Elisabethenvereine, der Caritas, der Bäcker, Bettler, Witwen und Waisen und unschuldig Verfolgten. Nicht ihre königliche Position hatte sie groß gemacht, sondern ihre überschwängliche Liebe und ihr leidenschaftlicher Einsatz für die armen Menschen.

Von Angelika Prauß

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