Weihnachtsbaum im kaminwarmen Wohnzimmer
Über Sinn und Unsinn von Umfragen zu Weihnachten

"Last Christmas" oder "Stille Nacht"?

Umfragen gibt es zu Weihnachten wie Nadeln am Christbaum. Was ist das Lieblingslied der Menschen? Geht noch jemand in die Kirche? Katholisch.de hat in den Statistiken nach guten Nachrichten gesucht.

Von Janina Mogendorf |  Bonn - 23.12.2016

Statistik ist Interpretation. Mit den gleichen Zahlen stimmen die einen den Abgesang auf Weihnachten an, die anderen bejubeln es als wichtigstes Fest. Je nach Lesart könnte man die Umfrageergebnisse im folgenden Szenario zusammenfassen: Der Deutsche an sich liegt nach dem obligatorischen Familienkrach gemästet und volltrunken unter einem Baum, der nicht der Weihnachtsbaum ist, sondern eine Palme am Südseestrand. Der Streit hat sich wahrscheinlich am Weihnachtsevergreen "Last Christmas" entzündet, das offensichtlich meistgehasste Weihnachtslied. Andererseits aber auch das beliebteste!

Das Lieblingsweihnachtslied schlechthin

Es gibt also auch sehr viel positivere Weihnachtsszenarien aus den Umfragen herauszulesen. Während "Last Christmas" tatsächlich polarisiert, gehört "Stille Nacht, heilige Nacht" auch heute noch zu den beliebtesten Weihnachtsliedern weltweit. Das lässt angesichts seines religiösen Textes schon einmal hoffen. Und weiter geht es mit der positiven Nachricht, dass die meisten Deutschen – nämlich 82 Prozent - Weihnachten immer noch als Fest der Familie sehen. 42 Prozent bezeichnen es als Fest der Freude, während jeweils nur ein Fünftel der Befragten Stress und Kommerz damit verbinden.

Geschenke sind für die meisten Menschen untrennbar mit Weihnachten verbunden - aber gefallen sie den Beschenkten auch?

Und während es nach einer aktuellen Erhebung im Auftrag des Nachrichtenmagazins Focus heißt "Eine Mehrheit der Bundesbürger wird an den Weihnachtsfeiertagen wohl nicht in die Kirche gehen", könnte man andersherum auch sagen: Fast jeden Zweiten (46 Prozent) zieht es auch in diesem Jahr in die Christmette oder den Weihnachtsgottesdienst. Was die weihnachtliche Dekoration angeht, lieben es die Deutschen traditionell. In der Adventszeit stellen 82 Prozent der Befragten einen Adventskranz auf und schmücken die Wohnung mit Tannengrün. Nur sieben Prozent der Deutschen verzichten ganz auf Weihnachtsschmuck. Vielleicht sind es die gleichen sieben Prozent, die Festtagsgrüße per Post altmodisch finden.

Viel mehr - nämlich 40 Prozent der Deutschen - legen Wert auf persönliche Wünsche zum Fest, wie eine Umfrage des E-Mail-Marketing-Anbieters CleverReach ergab. 44 Prozent freuen sich besonders über Anrufe von Freunden oder Familie, 43 Prozent schwören auf die handgeschriebene Weihnachtskarte. Natürlich darf auch der Weihnachtsbaum nicht fehlen. Jahr für Jahr werden nach Angaben der Weihnachtsbaumerzeuger gut 24 Millionen Bäume verkauft. Der Hauptverband der deutschen Holzindustrie sieht sogar eine steigende Tendenz. Spitzenreiter ist dabei immer noch die Nordmanntanne (75 Prozent). Die gibt es beim Straßenhändler oder gleich von der Plantage. 

Wie wäre es mit einem Mietweihnachtsbaum?

Nur fünf Prozent der Deutschen bestellen ihren Baum im Internet. Auf der Suche nach umweltfreundlichen Alternativen greifen bis zu 15 Prozent der Kunden zur kleineren Tanne im Topf, die sie nach Weihnachten im Garten "auswildern". Andere versuchen sich an Mietweihnachtsbäumen, die im Januar wieder auf ihre Plantage zurückkehren. Wer sich aus Umweltgründen für einen Plastikbaum entscheidet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass dieser mindestens 17 Jahre lang zum Einsatz kommen muss, um weniger klimaschädliche Emissionen zu verursachen, als die frische Tanne.

Unterdessen scheint der Gabenberg unter dem Weihnachtsbaum mit jedem Jahr zu wachsen. Schon im Oktober frohlockten die Händler, nachdem eine Verbraucherbefragung auf den Rekordbetrag von 18,1 Milliarden Euro kam, die die Deutschen in diesem Jahr offensichtlich zu Weihnachten ausgeben wollen. Pro Person sind das 266 Euro und somit drei Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr. Eine andere Erhebung kam sogar auf 307 Euro, die für durchschnittlich sieben Geschenke ausgegeben werden.

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Video: © katholisch.de

Katholisch für Fortgeschrittene: Weihnachten

Welche Geschenke am beliebtesten sind, scheint sich nicht einwandfrei klären zu lassen. Gutscheine sind bei Schenkenden und Beschenkten gleichermaßen beliebt. Aber auch Spielsachen für die Kinder, Bücher und Multimedia verkaufen sich vor Weihnachten sehr gut. Während die eine Studie zum Ergebnis kommt, dass jeder zweite ein Smartphone aus dem Weihnachtspapier wickeln wird, sieht die nächste das Smartphone so gar nicht auf dem Gabentisch. Eine gute Nachricht gibt es noch: Zu Weihnachten werden heute weniger Haustiere verschenkt, als noch vor einigen Jahren. Die Tierheime wird es freuen.

Auch die Frage, wer wen beschenkt, war in diesem Jahr eine Erhebung wert. So kommt das Meinungsforschungsinstitut Emnid für das Magazin "Reader`s Digest" zu dem Ergebnis, dass jede fünfte Schwiegermutter leer ausgeht. Damit liegt sie in der Rangfolge immerhin vor dem Haustier, dass noch seltener etwas unter dem Christbaum findet. Übrigens ist die Zahl der Last-Minute-Geschenke verschwindend gering. Nur sechs Prozent ziehen noch am letzten Tag los, um etwas zu besorgen, fand Emnid für das evangelische Magazin Chrismon heraus.

Dafür beginnt die Suche nach dem richtigen Präsent schon kurz nachdem der erste Lebkuchen im Supermarktregal zu finden ist. Die Hochphase liegt allerdings in der ersten Dezemberhälfte. Bis zum 15. Adventskalender-Türchen hat fast jeder Zweite seine Geschenke beisammen. Insgesamt kostet das Weihnachtsfest eine deutsche Familie dieses Jahr rund 680 Euro und liegt damit über dem europäischen Schnitt von 604 Euro, allerdings weit hinter den USA und Großbritannien. Dort sind nach dem Fest rund 920 Euro weniger in der Familienkasse, wie eine internationale Studie herausfand.

Fast 80 Prozent mögen ihre Geschenk nicht

Während sich vor Weihnachten alles in der virtuellen oder innenstädtischen Ladenzeile drängelt, kommt eine Emnid-Studie aus dem Jahr 2014 zu dem Schluss: 78 Prozent der Beschenkten mögen ihre Geschenke gar nicht. Überhaupt wünschen sich laut einer aktuellen Forsa-Umfrage nur 23 Prozent etwas Materielles. Viel wichtiger sind ihnen Wünsche, die man nicht auf den Gabentisch legen kann. So erhoffen sich die meisten Menschen Gesundheit, für sich und ihre Familie, bessere gesellschaftliche und politische Verhältnisse oder generell Frieden in der Welt. 

Und wie verbringen die Menschen nun die Festtage? Auch wenn Reisen über Weihnachten immer beliebter werden, feiern die meisten doch immer noch zu Hause im Kreise der Familie. Gutes Essen hat dabei einen hohen Stellenwert. 45 Prozent der Deutschen schlemmen in der Weihnachtszeit ohne schlechtes Gewissen, ergab eine Umfrage der Apotheken-Umschau. Die Zusammenstellung des Menüs gehört zu den wichtigen Aufgaben vor Weihnachten. Die meisten Familien setzen dabei auf langfristige Planung (58 Prozent) und Teamwork (52 Prozent), wie das Marktforschungsinstitut Toluna herausfand. 41 Prozent wünschen sich etwas Außergewöhnliches, 40 Prozent lieben ihre Klassiker wie Gans oder Karpfen.

Weihnachten: Gott wird Mensch

"Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude": So beginnt der Bericht des Evangelisten Lukas über die Geburt Jesu, die Christen alljährlich am 25. Dezember feiern. Das Dossier informiert über die Bedeutung von Weihnachten, bekannte Bräuche sowie spannende Hintergründe rund um das Fest.

Viele Deutsche nehmen sich außerdem vor, über die Feiertage weniger fernzusehen. Das scheint nicht immer zu gelingen, denn die Einschaltquoten der Jahre 2014 und 2015 sprechen eine andere Sprache. So lag die durchschnittliche Fernsehdauer am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag um etwa zehn Prozent höher als im Monatsmittel. Jeweils fast viereinhalb Stunden verbrachten die Zuschauer vor dem Bildschirm. Gerade wenn sich einzelne Familienmitglieder mehr gemeinsame Aktivitäten an Weihnachten wünschen, kann das auch mal zu Zwist führen. Laut einer Umfrage von ElitePartner fühlen sich 21 Prozent vom Fernsehkonsum des anderen genervt.

Dabei wünschen sich die Deutschen nichts sehnlicher als ein friedliches Weihnachtsfest ohne Streit und Stress. 65 Prozent hoffen auf eine harmonische Familienfeier. Vor allem Frauen ist das besonders wichtig (73 Prozent). Wer sich entspannt, das Fest genießt und bei den Vorbereitungen hilft, tut schon eine Menge, damit das Fest der Familie auch ein wirkliches Fest wird.

Von Janina Mogendorf