Ministerpräsident Schnieder: Kirche sollte sich deutlicher einbringen
Der neue rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder wünscht sich von der Kirche wieder ein bisschen mehr Lautstärke. "Wir als Kirche" seien in jüngster Zeit "vielleicht zu ruhig" gewesen, sagte der CDU-Politiker am Samstag in einem Interview des Kölner Senders domradio. Kirche solle sich wieder deutlicher einbringen, "gar nicht nur im politischen, sondern auch gerade im gesellschaftspolitischen Bereich".
Schnieder sagte weiter, es tue der Gesellschaft "einfach gut, dass wir die Kirchen haben". Jede Schwächung schade dem Klima in der Gesellschaft. Ihn selbst habe der Glaube an Gott sein ganzes Leben lang begleitet, so der 51-Jährige, und er begleite ihn auch in seinem politischen Amt: als eine Art Rückzugsort, aus dem er "gestärkt rauskommen" könne.
Für ihn gehöre es dazu, in Abwägungen "auch den christlichen Gedanken mit hineinzunehmen", sagte Schnieder – auch wenn man das "vielleicht nicht bei jeder Entscheidung am Ende sehen" könne. Aber in den Prozessen, die dahin geführt hätten, spiele "der Glaube eine für mich ganz wichtige Rolle".
Zu seiner jüngsten öffentlichen Entschuldigung beim Fünf-Jahr-Gedenken an die Ahrtalflut sagte der CDU-Politiker, es gehe nicht um persönliche Schuldzuweisung, sondern um die Erkenntnis, dass der Staat damals Fehler gemacht habe.
Aufaddierte Fehlbarkeiten hätten dazu geführt, dass "das Ahrtal nicht vorbereitet war und dass am Ende des Tages und am Ende der Nacht so viele Menschen sterben mussten". Es gebe ein Versprechen des Staates, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen, so Schnieder. Dieses Versprechen sei damals nicht eingelöst worden; "und für dieses Verhalten und diese Fehlbarkeiten habe ich um Entschuldigung gebeten".
"Gesellschaft wieder zusammenführen"
Er selbst habe die Hoffnung, sagte der Ministerpräsident, "dass wir es mit einer vernünftigen Politik schaffen, die Gesellschaft wieder zurück- und zusammenzuführen". Es gelte, den Menschen zu zeigen: "Wir kümmern uns um euch, um eure Sorgen, um eure Probleme. Ihr müsst gar nicht zu den Extremisten gehen, weil ihr von uns enttäuscht seid, sondern ihr könnt bei uns bleiben. Wir unterstützen euch und bringen dieses Land weiter nach vorn."
Schnieder ist seit Mai im Amt des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten. Zuvor war er seit 2023 CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag und Oppositionsführer.