"Lebendige Monstranzen" und der Einsatz für andere
An Fronleichnam haben katholische Bischöfe zum Einsatz für andere aufgerufen. Ausdrücklich hervorgehoben wurde in einigen der Predigten das Engagement für Flüchtlinge, Arme und Benachteiligte. Bei meist strahlendem Sonnenschein fanden in vielen Städten festliche Prozessionen statt. Die katholische Kirche feiert das Fest Fronleichnam stets am zweiten Donnerstag nach Pfingsten.
Marx: Streben Einheit aller Christen an
Auf dem Münchner Marienplatz forderte Kardinal Reinhard Marx die Christen auf, gemeinsam Zeugnis für den Glauben abzulegen. "Katholisch sein bedeutet nicht, gegen andere zu sein, sondern es bedeutet, die Fülle des Glaubens bezeugen zu wollen", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Gerade am Fest Fronleichnam gelte es deutlich zu machen: "Wir streben die Einheit aller Christen an."
Katholisch für Fortgeschrittene: Fronleichnam (mit dem Bonner Stadtdechanten Wilfried Schumacher).
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki prangerte erneut den massenhaften Tod von Flüchtlingen im Mittelmeer an. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres seien rund 1.800 Menschen in den Fluten umgekommen, sagte er in einem Gottesdienst vor dem Kölner Dom. In den 52 Wochen seit dem vergangenen Fronleichnamsfest seien erneut unzählige Menschenleben ausgelöscht worden.
Woelki erinnerte an das Flüchtlingsboot, das im vorigen Jahr am selben Ort als Altar gedient hatte. Vielen habe dieses Symbol verdeutlicht, dass Jesu Leib am Kreuz derselbe sei, dem man in den Ärmsten der Armen begegne. Ausdrücklich erwähnte der Kardinal Ertrunkene im Mittelmeer, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, traumatisierte Kinder aus Bürgerkriegsregionen sowie die rund 23 Millionen Hungernden in Südostafrika.
Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode rief dazu auf, trotz Terror und Gewalt an der "entwaffnenden Kraft der Liebe" festzuhalten. Christen sollten sich für Frieden einsetzen und sich für Alte und Arme engagieren. Zudem müssten sie sich um Redlichkeit und Echtheit bemühen, so der Bischof. Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen unterstrich, für Christen höre das Kirche-Sein beim Verlassen des Kirchengebäudes nicht auf. Sie seien gesandt, sich im Alltag den Menschen "zur Verfügung zu stellen, die unsere Hilfe und Begleitung nötig haben". Christen müssten Barmherzigkeit, Gnade und Frieden in eine Welt bringen, wo "man einander fertigmacht".
In Würzburg predigte Weihbischof Ulrich Boom anstelle des kurzfristig erkrankten Bischofs Friedhelm Hofmann und ging auf das Geheimnis der Eucharistie ein. Durch alle Jahrhundert hindurch hätten gelehrte und fromme Menschen sich den Kopf darüber zerbrochen. "Im Grunde kam alles Ringen letztlich zur Erkenntnis, dass man nur staunend und anbetend vor diesem Geheimnis verbleiben könne", so Boom.
Im Mainzer Dom wurde daran erinnert, dass der Gläubige Christus mit dem Sakrament der Eucharistie "selbst verinnerlicht". In seiner Predigt rief Weihbischof Udo Markus Bentz deshalb zu einem bewussten Umgang mit der heiligen Kommunion auf. "Wie achtsam wir mit dem Sakrament umgehen, ist ein Gradmesser für die Innerlichkeit und geistliche Tiefe unseres Glaubens", sagte Bentz. Der ernannte Mainzer Bischof Peter Kohlgraf wird im August in sein Amt eingeführt, derzeit ist der Bischofssitz vakant.
In Gestalt von Brot und Wein ist Leib und Blut Jesu in der Eucharistie wahrhaftig anwesend. Doch ab wann eigentlich? Allein das Aussprechen der Wandlungsworte durch den Priester reicht nicht aus.
In Bamberg nannte Erzbischof Ludwig Schick das Fronleichnamsfest ein öffentliches Bekenntnis zu Jesus Christus und damit eine Demonstration für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Die mitfeiernden Gläubigen setzten ein Zeichen gegen Gewalt und Terror, so Schick.
Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa betonte, der Begriff Fronleichnam dürfe "unter keinen Umständen wegerklärt werden und verschwinden". Das Hochfest stehe auch für das Gedenken daran, dass Jesus sich als Auferstandener gezeigt habe. Die Resignierten habe er zu einem neuen Aufbruch bewegt.
"Lebendige Monstranzen"
Nach den Worten des Passauer Bischofs Stefan Oster bezeugen die Teilnehmer von Fronleichnamsprozessionen, dass sie "zu denen gehören, denen Christus etwas von sich gegeben hat". Sie sollten so zu "lebendigen Monstranzen" werden, also zu Menschen, denen man anmerke, zu wem sie gehörten. Eine Monstranz ist ein meist kostbar verziertes Schaugefäß für eine geweihte Hostie, in der Christus nach katholischer Überzeugung gegenwärtig ist. (gho/KNA)
Zu Fronleichnam stehen Prozession und Blumenteppiche im Mittelpunkt. Für die Helfer beginnt der Feiertag schon früh. Katholisch.de hat die schönsten Fronleichnamsteppiche zusammengestellt.