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Irrtum nach 150 Jahren aufgeklärt

Warum eine Kirche nach einem Sturm plötzlich einen neuen Besitzer hatte

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Kapelle Sankt Peter und Paul
Oberschleißheim - Manchmal ist es anders als man denkt. So auch im Fall der Kapelle Sankt Peter und Paul im bayerischen Oberschleißheim. Dort führte ein Unwetter zu einem Versicherungsschaden – und in Folge dessen zu der Frage: Wem gehört die Kirche eigentlich?

Es war im vergangenen Juni, als ein im wahrsten Sinne des Wortes klärendes Gewitter über den Stadtteil Lustheim der bayerischen Gemeinde Oberschleißheim bei München hereinbrach. Der Hagelsturm fegte einige Ziegeln vom Dach der Kapelle Sankt Peter und Paul, und auch die Turmjalousie löste sich. Doch neben einigen kahlen Stellen am Dach legte der Sturm auch noch etwas anderes frei: nämlich den rechtmäßigen Besitzer des Gebäudes. Der ist anders als seit jeher gedacht nicht die katholische Pfarrei, sondern die politische Gemeinde Oberschleißheim.

Vom Bretterverschlag zur Kirche aus Stein

Doch der Reihe nach: Es waren die Bürger von Lustheim selbst, die vor gut 150 Jahren beschlossen, dass der bisherige Bretterverschlag für ihre Siedlung als Kirche nicht mehr ausreiche. Ein echtes Gebäude aus Stein sollte her – und das errichteten die Lustheimer aus eigener Initiative. Bei der Suche nach Geldgebern fanden sie allerlei Unterstützer: selbst seine königliche Majestät, Max II. von Bayern gab etwas dazu. Die Weihe der Kirche fand 1856 statt, am Namenstag von Peter und Paul — und war fortan das Zentrum des Lustheimer katholischen Lebens. Heute gehört die Kapelle zum Pfarrverband Oberschleißheim. Laut dessen Internetauftritt findet dort monatlich noch ein Gottesdienst und wöchentlich ein Rosenkranz-Gebet statt. Soweit so normal — katholische Pfarreiroutine.

Bis zu dem Unwetter am Pfingstmontag des vergangenen Jahres. Als sich der Himmel klärte und die Schäden sichtbar wurden, kontaktierte die Pfarrgemeinde ihre Versicherung, um die Schäden an der Kapelle reparieren zu lassen. Das Unternehmen stellte Fragen: Wem die Kirche eigentlich gehöre, wollte es geklärt wissen. Die Pfarrei suchte in ihren Archiven nach Papieren über den Besitz der Kapelle und fand — nichts. Also wurde bei der Gemeinde nachgefragt. Auch die durchsuchte ihre Archiv — und dort wurde man fündig. "Weil die Kirche damals von Bürgern auf einem Gemeinschaftsgrundstück gebaut wurde, ist sie auch heute noch offiziell im Besitz der Gemeinde", erklärt Bürgermeister Christian Kuchlbauer. Bis zu dem folgenschweren Blick ins Archiv sei es einfach "nie ein Thema gewesen", dass die Kapelle möglicherweise nicht der Pfarrei gehören könnte.

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Nun ist die Gemeinde Oberschleißheim also um ein historisches Gebäude reicher — und muss sich fortan auch um das Gotteshaus kümmern. Auch wenn das für Bürgermeister Kuchlbauer zunächst ein kleiner Schock war, inzwischen hat er sich mit dem Gedanken angefreundet. Das wichtigste: Finanziell kann sich die Gemeinde, die wie viele andere im Münchener Umland nicht gerade zu den ärmsten gehört, den Unterhalt leisten. "Das ist schon ein Posten, der sich auf Dauer im Haushalt bemerkbar macht", sagt Kuchlbauer. "Aber wir können das stemmen". 20.000 bis 40.000 Euro pro Jahr will er einplanen — die Reparaturen für den aktuellen Schaden kommen noch oben drauf.

Theoretisch könnte die Kirche zwar auch versuchen, das Grundstück samt Gebäude zurückzukaufen – doch noch ist kein entsprechendes Angebot ist bei Kuchlbauer eingegangen. "Ich habe eher das Gefühl, sie bei der Pfarrei sind ganz froh, dass wir jetzt die Kirche besitzen", schmunzelt er.

Auch beim Erzbistum München ist noch keine entsprechende Anfrage des Pfarrverbands Oberschleißheim eingegangen. Das Geschehen sei überhaupt eine absolute Ausnahme, sagt Karin Basso-Ricci, die stellvertretende Pressesprecherin: "Im Normalfall sind bei den Kirchengebäuden die Eigentumsverhältnisse geklärt." Dazu trage auch die Digitalisierung bei, in deren Zuge die Daten noch einmal digital erfasst wurden. "Wir sind außerdem gut vernetzt mit anderen Behörden wie dem Landesvermessungsamt und dem Katasteramt. Da würden Unklarheiten im größeren Stil schon auffallen", erklärt Basso-Ricci.

Doch eher ein Sturm im Wasserglas

Für die Praxis der Gläubigen in Lustheim wird sich wegen des Besitzerwechsels ihrer Kirche jedenfalls nichts ändern. "Die Kirche kann selbstverständlich ganz normal wie bisher weiter von der Pfarrgemeinde genutzt werden", sagt Bürgermeister Kuchlbauer. Und so ist zumindest aus dieser Perspektive nach dem echten Unwetter von Pfingsten der dadurch eingeleitete Besitzerwechsel vielleicht doch eher ein Sturm im Wasserglas.

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