Atheisten fordern Änderung des Katechismus

Wer denkt, Atheisten scheren sich nicht um den Katechismus, hat sich getäuscht: In Österreich fordern sie jetzt eine Änderung desselben. Ein entsprechender Brief sei an Papst Franziskus gesendet worden.

Glaubenslehre | Bonn - 13.10.2017

Die "Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich" (ARG) hat eine Änderung im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) gefordert. Aus Anlass des 25. Jahrestags der Herausgabe des KKK veröffentlichte die ARG eine entsprechende Stellungnahme, über die österreichische Medien am Donnerstag berichteten. Diese zielt darauf ab, dass die aus Sicht der ARG abschätzigen Aussagen über Atheisten aus dem Katechismus gestrichen werden. Außerdem erinnert die ARG daran, dass sie bereits 2016 ein Ansuchen an Papst Franziskus gestellt hat, bestimmte Stellen im KKK zu überdenken.

"Da der Atheismus die Existenz Gottes leugnet oder ablehnt, ist er eine Sünde gegen die Tugend der Gottesverehrung", zitiert die ARG in ihrer Stellungnahme den Katechismus (KKK 2125). Auf derselben Seite des KKK sei eine Fußnote zu finden, die Bezug auf den Römerbrief nehme und deren Inhalt die Kirche "eindeutig" auch auf heutige Atheisten beziehe, heißt es. In der entsprechenden Bibelstelle (Röm 1,18;28-31) schreibt der Apostel Paulus unter anderem: "Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern, sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen."

Unvereinbar mit Papst Franziskus?

Den neutestamentlichen Aussagen setzt die ARG in ihrer Stellungnahme Äußerungen von Papst Franziskus entgegen. Unter anderem zitieren die Atheisten aus dem Schreiben "Amoris laetitia": "Darum möchten wir vor allem bekräftigen, dass jeder Mensch ... in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden soll und sorgsam zu vermeiden ist, ihn 'in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen' oder ihm gar mit Aggression und Gewalt zu begegnen" (AL 250). Auch die Hoffnung des Papstes, das Jahr der Barmherzigkeit "mache uns offener für den Dialog, damit wir uns besser kennen und verstehen lernen. Es überwinde jede Form der Verschlossenheit und Verachtung" zitiert die ARG aus der Bulle "Misericordiae vultus" vom 11. April 2015.

Das offizielle Ende des "Jahres der Barmherzigkeit" habe man zum Anlass genommen, einen Brief an Papst Franziskus zu verfassen, heißt es weiter. Darin habe man hinsichtlich der strittigen Passagen eine "Veränderung im Katechismus der Katholischen Kirche angeregt". Das Schreiben vom 21. November 2016 sei bereits eine Woche später mit einem Brief aus dem vatikanischen Staatssekretariat beantwortet worden. Darin wurde der ARG "im Auftrag des Papstes versichert, dass unsere Ausführungen zur Kenntnis genommen worden sind". Nun hoffe man, dass es allen Parteien in Zukunft gelinge, "mehr Kritikfähigkeit und mehr Realismus zu entwickeln". Bereits seit einigen Jahren kämpft die ARG in Österreich um eine Anerkennung als Bekenntnisgemeinschaft. (tmg)

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