Bischofssynode manipuliert?

Dreizehn Kardinäle sollen sich in einem Brief an Papst Franziskus über eine angebliche Manipulation der Synode beschwert haben - auch der Vorsitzende der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Familiensynode | Rom - 12.10.2015

Dreizehn Kardinäle sollen sich in einem Brief an Papst Franziskus über eine angebliche Manipulation der Bischofssynode beschwert haben. Zahlreiche Synodenteilnehmer hätten den Eindruck, die neue Arbeitsweise der Synode sei erdacht worden, "um vorherbestimmte Ergebnisse in wichtigen kontroversen Fragen zu erleichtern", heißt es in dem Schreiben, das die italienische Zeitschrift "L'Espresso" am Montag auf ihrer Internetseite im Wortlaut veröffentlichte. Den Angaben zufolge war der Brief zu Beginn der Synode vergangene Woche dem Papst von Kardinal George Pell zugeleitet worden.

Zu den Unterzeichnern zählen neben Pell die Kurienkardinäle Gerhard Ludwig Müller als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation und Robert Sarah, Präfekt der Gottesdienstkongregation, sowie die Kardinäle Timothy Dolan aus New York und der Südafrikaner Wilfrid Fox Napier aus Durban.

Das Schreiben der 13 Kardinäle des konservativen Flügels soll dem Vernehmen nach der Anlass für eine überraschende Wortmeldung des Papstes am Dienstag gewesen sein. Dabei mahnte Franziskus die Synodenteilnehmer, sich nicht in Verschwörungstheorien zu ergehen. Zugleich betonte er, die katholische Lehre über Ehe und Familie sei unverändert gültig. Auch dürfe die Synode nicht auf die Frage des Umgangs mit wiederverheiraten Geschiedenen reduziert werden.

Kritik: Thema wiederverheiratete Geschiedene dominiert

Die Kardinäle kritisieren in ihrem Brief auch das Arbeitspapier der Synode, das den inhaltlichen Leitfaden der Beratungen bildet. Der Text sei nicht als "Grundlage für ein Abschlussdokument" geeignet. Außerdem beanstandeten sie, dass die Autorenkommission für das Schlussdokument durch päpstliche Ernennung statt durch Wahl gebildet wurde.

Weiter äußern die Kardinäle sich "besorgt" darüber, dass die Bischofssynode "von der theologischen und die Lehre betreffenden Frage des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene dominiert" werden könnte. Die Bischofsversammlung solle vielmehr ein "dringendes seelsorgerisches Problem" behandeln und Ehe und Familie stärken. (KNA)

UPDATE: Vier Unterzeichner dementieren

Um den angeblichen Beschwerdebrief von Kardinälen an Papst Franziskus zur Bischofssynode gibt es Verwirrung. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Montagmittag vor Journalisten sagte, dementierten der Mailänder Kardinal Angelo Scola und sein Pariser Amtskollege Andre Vingt-Trois, unter den Unterzeichnern zu sein. Auch Kardinal Peter Erdö aus Budapest sowie der Leiter des päpstlichen Gnadengerichts, Mauro Piacenza gaben an, keinen entsprechenden Brief unterschrieben zu haben. Spekulationen gibt es darüber, ob der Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller zu den Unterzeichnern gehört. Aus Müllers Büro war dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. (bod/gho/KNA)

12.10.2015, 16.58 Uhr: aktualisierte Zahl der Kardinäle, die ihre Unterschrift dementieren

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