Delta des Glaubens

Für viele Christen ist Taizé ein Ort spiritueller Erfahrung. Er kann aber auch ein Lernort für die Kirche sein. Aber was hat Taizé, das der Kirche fehlt? "Youcat"-Geschäftsführer Bernhard Meuser sucht nach Antworten.

Glaube | Freiburg - 11.08.2015

Nicht wenige engagierte Christen, darunter auch Seelsorgerinnen und Seelsorger, halten Taizé für eine kontraproduktive Veranstaltung. Sie rackern sich ab, um in ihrem lokalen Kontext kirchliches Leben zu organisieren. Und dann kommen die Taizéfahrer aus dem Siebten Himmel nach Hause und machen aus ihrem Missmut angesichts des heimatkirchlichen Angebots keinen Hehl. Schwärmerische Erzählungen über die wunderbare Atmosphäre in Taizé mischt sich mit herber Fundamentalkritik: Die sind’s! Ihr seid’s nicht. Kirche wie in Taizé? Ja, gerne! Kirche wie zuhause, nein danke! Eure Kirche brauchen wir nicht.

Die Euphorie, die junge Leute in Taizé empfunden haben, scheint nicht übertragbar auf den normalen Gemeindealltag. Darum fragen sich die Nüchternen unter den altgedienten Christen: Warum schicken wir die Leute überhaupt nach Taizé? Das ist doch organisierte Frustration!

Eine Woche Taizé – sind das esoterische Ferien, die den Blick auf die reale Kirche versperren, statt ihn zu öffnen? Auf Wolke Sieben hat man kein Auge für die wahren Schätze der Kirche. In den Augen der Taizé-Schwärmer ist die Kirche von St. Irgendwo nur das graue, hässliche Produkt derer, die es nicht drauf haben, die es nicht können mit jener wahren, schönen, geheimnisvollen Kirche, die sie in Taizé erlebt haben. Ich will nicht verhehlen, dass wir die negativen Folgen von Taizé hautnah erlebt haben. Die Kinder einer Familie, die jahrelang mit uns nach Taizé fuhr, verloren über der Begeisterung für Taizé zunächst den Kontakt zur Heimatgemeinde und –wenn man die Dinge mit dem Abstand von zehn Jahren betrachtet – vielleicht sogar den Glauben. Zumindest sieht es von außen betrachtet so aus.

Nun muss man nicht alles Taizé in die Schuhe schieben. Auch die anderen, die nicht in Taizé waren und eine ganz normale Messdienersozialisation durchlaufen haben, sind auch nicht mehr da. Taizé ist nicht die Ursache für den Exodus der Jugend aus der Kirche. Eher muss man fragen, warum außer der gelegentlichen Übernahme von getragenem Liedgut und der Renaissance des Kerzenlichts so wenig von Taizé in den Gemeinden angekommen ist. Handelt es sich vielleicht um zwei verschiedene, letztlich nicht vermittelbare Kulturen?

Woher kommt die Kraft?

Keine Frage, es gibt sie, die vielen jungen und alten Christen, die ihre primäre Gotteserfahrung Taizé verdanken, auch die Vielen, die ihre Rekonversion in eine persönliche Gottes-, gar Jesusbeziehung oder wenigstens die Wende in einen entschiedenen Glauben in dem kleinen Dörfchen in Burgund erfuhren. Ich selbst bin aus guten persönlichen Gründen ein klarer Befürworter von Taizé. Die große Stille von Taizé, diese scheinbar endlose Zeit, die ich als junger Mensch dort für Gott hatte, – das hat mich wohl in der Tiefe geprägt. Das hat etwas in mir grundgelegt, das auch die spätere Konfrontation mit schwärzesten Nachtseiten der katholischen Kirche nicht auslöschen konnte.

Es war dies eine Erfahrung sui generis und keine des bloßen Gefühls, worin Friedrich Schleiermacher für seine Generation das Religiöse retten wollte, nachdem ihm die Erkenntnis abhandengekommen war. Gefühle kommen und gehen; sie reichen nicht tief. Es war aber in meinem Fall kein Spaß an der eigenen innerseelischen Befindlichkeit, kein Baden in schönen Klängen, kein Suhlen in Kerzenlicht, das in mir diese eine Sorte von Frieden erfahrbar machte, die ich seit diesen Tagen identifizieren kann: Frieden "nicht wie die Welt ihn gibt" (Joh 14,27). Es war keine antlitzlose, sagen wir buddhistische Stille, die ich erfuhr, sondern die Stille vor einem Du.

Bernhard Meuser
Bernhard Meuser ist katholischer Publizist und Mitinitiator vom Jugendkatechismus "Youcat".
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In Taizé merkte ich zum ersten Mal, dass Beten geht. Dass man vor Gott sein kann, dass in seinem Lob die Ohren aufgehen, dass – ein großes Wort – Liebe in der Luft liegt. Und dass mit dieser ungeheuerlichen Möglichkeit von Kommunikation zugleich noch andere Herrlichkeiten aus dem Galaterbrief beikommen: "Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut  und Selbstbeherrschung" (Gal 5,22), die Früchte des Heiligen Geistes. Dass ich in Taizé beten lernte, dass ich es mit jedem späteren Aufenthalt neu (und manchmal tiefer) lernte, wo ich im Alltag abgesunken und gewissermaßen nicht mehr auf Augenhöhe Gottes war, das werde ich Frere Roger und seinen Brüdern, meinen unaufdringlichen Lehrern, nie vergessen. Wenn ich also von Taizé gut rede, dann, weil ich eine Dankesschuld abzutragen habe.

Die Wiederbegegnung mit Taizé erfolgte Ende der neunziger Jahre, als wir den Eindruck hatten, unsere Heimatgemeinde würde nicht mehr genügen, um unsere Kinder im Glauben zu fesseln. "Fesseln" ist ein ambivalentes Wort. Natürlich haben christliche Eltern keine größere Sehnsucht, als dass ihre Kinder übernehmen, was ihnen selbst das Kostbarste ist. Ich spreche jetzt nicht von "Werten" oder "Werthaltungen", – darum wird viel zu viel Gesumse gemacht. Werte sind wertlos ohne Beziehung. Eine persönliche, herzliche, innige Beziehung zu Gott sollten die Kinder entwickeln können, das war unser tiefster Wunsch. Und gleichzeitig war uns klar, dass wir unsere Kinder gerade nicht fesseln durften, um sie auf schnellstem Weg zum Lieben Gott zu bringen.

Ohnehin müssen Kinder irgendwann die Muster ihrer Eltern durchbrechen, um eigenständige Menschen zu werden. Früher war es die Pfarrgemeinde, die "Gesellschaft" repräsentierte und dem heranwachsenden Menschen eine Rolle in einem christlichen Milieu jenseits des Elternhauses anbot. Spätestens in den neunziger Jahren, als unsere Kinder noch klein waren, zeigte sich: Wir stehen vor der Dekonstruktion aller klassischen Milieus. Eine kommerziell getriebene Profankultur, in der Gott nicht mehr vorkommt, entfaltet einen gewaltigen Sog, dem selbst eine lebendige Gemeinde mit den denkbar coolsten Priestern wenig entgegenzusetzen hat. Wir wussten nicht, was noch kommen sollte: die digitale Verdoppelung der Welt bei gleichzeitiger Vereinzelung des Menschen.

"Warum fahren wir nicht einfach nach Taizé?", war mein Vorschlag, der zunächst auf Skepsis stieß – eine Skepsis, die noch verstärkt wurde, als wir endlich dort eingetroffen waren und sich alle meine werblichen Verheißungen als üble Propaganda herausstellten. Bei strömendem Regen hatten uns einige sichtlich überforderte Volunteers eine klamme Baracke mit schäbigen, verfleckten Matratzen zugewiesen. Durchnässt und vor Kälte bibbernd versuchten wir, es uns "gemütlich" zu machen und nicht sofort wieder abzureisen. Es sah alles danach aus, als würden wir uns eine kollektive Depression abholen. Wir trösteten uns mit der Einsicht, dass der Himmel uns wohl mit einer kleinen Lektion bedachte: Wir sollten lernen, wie sich Menschen fühlen, die ihr Leben lang in Slums leben müssen.

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Erzbischof Zollitsch besucht Glaubensgemeinschaft "Taizé" zum 70-jährigen Jubiläum.
 KNA

Es wurde alles gut. Und als wir wieder zu Hause waren, konnten wir befreundete Familien mit der Einsicht konfrontieren: "Taizé ist vielleicht der einzige Ort auf der Welt, an dem es unmöglich ist, Kinder vom Kirchgang abzuhalten." Die Mutmaßungen unserer Zuhörer, da müsse wohl eine einzigartige Kompetenz in kind- und jugendgerechter Ansprache vorliegen, mussten wir zurückweisen. Animation? Zielgruppenansprache? Didaktik? Nun ja, in Olinda, dem Familiendorf der Gemeinschaft, hatten sich die jugendlichen Helfer einiges für die Katechese einfallen lassen. Um Kindern den Glauben sinnenfällig zu machen, stellten zwölf herrliche Marionetten mal die Apostelcrew, mal den FC Bayern dar. Aber im Gottesdienst selbst gab es buchstäblich nichts, um Kindern und Jugendlichen einen schönen Empfang zu bereiten oder ihnen Brücken in die heiligen Geheimnisse zu bauen. Nichts.

Das Rätsel Taizé

Nur Stille. Schönheit. Licht. Die weißen Kleider der Brüder in der Mitte. Gebet. Musikalisches Gotteslob. Und tausend Leute – vom Kleinkind bis zum Greis –sitzen auf dem Boden und sind irgendwie glücklich in der Gegenwart Gottes. Das Gegenteil einer italienischen Raststätte, wo dich grässliche Sounds bis auf die Toilette verfolgen. Wort Gottes – und dann fünf Minuten nichts. Das geht doch nicht! Doch, es geht. Und wenn die Menschen am Ende des Gottesdienstes nach draußen strömen, freuen sie sich, dass bald wieder die Glocke zum Gebet ruft. Anders als die Leute, die nach dem Konzil fragten: "Müssen wir jetzt noch jeden Sonntag in die Kirche gehen?" Im Sommer findet man selbst in den Nächten die Kirche niemals leer. Wir haben Taizé immer als Ort der Bekehrung und Transformation erlebt. Man fuhr hin und wusste – im Guten verhärtet – wie es geht. Natürlich wussten wir es nicht, hielten unsere Routine für Glaubenspraxis, unsere Ängste für unabänderlich und unsere spirituellen Einsichten für final. Gott überraschte uns jedes Mal. Manchmal fühlten wir uns wie neugeboren.

Taizé vereinigt scheinbar unvereinbare Momente in sich. Da ist einerseits eine große Weite und Freiheit, eine nicht endende Bereitschaft zu empfangen, zuzuhören und den anderen in seiner Einzigartigkeit anzunehmen und willkommen zu heißen. Gleichzeitig ist Taizé keineswegs konturlos. Je tiefer man sich auf den Ort einlässt, desto verbindlicher und anfordernder wird man in eine Bewegung auf Gott hineingenommen.

Taizé ist für mich wie ein Delta. Im Delta, dem Ort, wo der Strom ins Meer übergeht, erreicht er nicht selten eine Breite, von deren Mitte aus man die Ufer kaum mehr erkennen kann. Der Übergang vom Süßwasser ins Salzwasser ist nur zu vermuten; die Wasser vermischen sich. So weit, denke ich, muss die Kirche an ihren Rändern sein, dass man in sie, die das lebendige Wasser spendet, nahezu übergangslos hineinkommt. In Taizé wird niemand gefragt: Was glaubst ’du? Welcher Konfession gehörst du an? Aus welchem Land kommst du? Wie viel Geld hast du? Hast du ein korrektes Leben vorzuweisen? Hast du ernste Absichten oder willst du hier nur Ferien machen? Denkbar verschiedene Menschen fühlen sich angezogen und strömen in die Kirche.

Zeitlose Gebundenheit

Ebenfalls in der Herder Korrespondenz: Frère Roger wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden, im August vor 75 Jahren hat er in Taizé im Burgund eine ökumenische Brüdergemeinschaft gegründet. Vor genau zehn Jahren schließlich wurde er Opfer eines Messerangriffs. Wo stehen die Gemeinschaft und die von ihr veranstalteten Jugendtreffen heute?

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Die Kirche, die kein Delta mehr ist, die Autofokus-Kirche, die selbstreferenzielle Kirche, die Kirche, die sich verschanzt, die sich in ihren Mauern einigelt und mehr auf ihren Status, ihre Privilegien, ihren Bestand an Gütern und eingetragenen Mitgliedern bedacht ist, als darauf, die Tore weit für die Menschen aufzureißen, verfällt nicht nur der Kritik des derzeitigen Papstes. Sie schafft sich ab. Papst Franziskus spricht davon, dass es "zwei Arten von Logik des Denkens und des Glaubens (gibt): die Angst, die Geretteten zu verlieren, und der Wunsch, die Verlorenen zu retten" (Predigt vor den neuen Kardinälen, 15. Februar 2015). So weit und so off en muss also die Kirche sein, dass sie die Arme ganz weit aufmacht und nach dem Modell Jesu schlicht und einfach alle einlädt.

In Taizé ist der Übergang vom Salzwasser der "Welt"-Meere in die Süßwasser Gottes durch eine einzige, leichte Anforderung markiert: Am Eingang der Kirche stehen junge Leute mit Schildern, auf denen ein einfaches Wort in verschiedenen Sprachen geschrieben steht: Stille, Silenzio, Silence. Sei still! Sei neugierig! Achte auf alles! Du betrittst jetzt einen Raum, in dem nichts gemacht, nichts veranstaltet wird. Die Aufforderung ist essenziell. Die Stille in Taizé ist der Türöffner für die Ehrfurcht. Und die Ehrfurcht ist die Voraussetzung, dass sich etwas mitteilen kann, was wir nicht machen. Zu Schweigen ist notwendig, damit Gott in seiner Transzendenz aufscheinen kann.

Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, "Gott" zu etwas Mitgemeintem, einer Alltagsgröße zu machen, ihn (dessen wir selber nicht ansichtig werden) beständig anderen Leuten, besonders Kindern, zu erklären. Dass in Taizé nicht gepredigt wird, nicht erklärt, nicht pädagogisiert wird, dass da keiner beständig neben den Dingen steht (und gerade aus diesem Grund nicht in ihnen und bei der Sache ist), macht die Unmittelbarkeit des geistlichen Tuns aus: Schriftworte, die wie kostbare Perlen in die Stille tropfen. Kurze Gebete, in die man aus der Tiefe des eigenen Herzens heraus einschwingt. Gesänge, die tiefer und tiefer und tiefer in die Aufmerksamkeit führen …

Frere Roger hat immer wieder von der Quelle oder den Quellen gesprochen: Neben dem Gebet ist die Heilige Schrift die fundamentale Quelle. Sie wird einem lieb in Taizé. Nicht nur, weil die Brüder sie frisch und klug auslegen, sondern weil man in Taizé auf natürliche Weise lernen kann, sich mit anderen über die Bibel auszutauschen. Für viele Katholiken ist das leider noch immer ein Neuheitserlebnis. Ich selbst muss bekennen, dass ich erst in Taizé gelernt habe, das Wort der Heiligen Schrift wirklich in mein Leben zu integrieren. Bis dahin habe ich nicht geglaubt, dass in einem kleinen Wort aus dem Evangelium wirklich eine konkrete Mitteilung an mich enthalten ist. Ich wusste schlicht nicht, dass Gott führt. Denen ich die Lektion zu verdanken habe, waren evangelische Christen. Sie haben mich den Fluss hinauf geführt. Und wenn ich heute an meine Freunde denke, so sind einige der besten evangelische Christen. Ich habe sie nicht gesucht. Sie wurden mir geschenkt.

Auf dem Weg zur Jüngerschaft

Wie es mir ergangen ist, so erging es vielen: So off en sich das Delta Taizé am Anfang darbot, umso klarer und bestimmter, auch anfordernder wurde mein Weg den Fluss hinauf. Wenn man sich bewusst entscheidet, ein Leben als Christ zu führen, kommt eine eigene Dynamik in die Biografie. Von Sehnsucht bewegt, begibt man sich in Taizé – aber nicht nur in Taizé – in "eine Schule für den Dienst des Herrn", wie sie schon in der Benediktsregel beschrieben wird.

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Der Jugendkatechismus "Youcat" wurde von Bernhard Meuser mitinitiiert.
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Von Taizé oder von anderen Gemeinschaft en, die es mit dem Glauben ernst meinen, angesteckt, bekommt man Mut, sich eine neue Rolle zu suchen. Man entdeckt die Leute, die im Neuen Testament "Jünger" hießen. Jünger – man hat immer so drüber hinweggelesen. Aber das ist ja spannend! Da waren Leute, die sich bewegt und verändert haben. Die mit Jesus mitgezogen sind. Die ihm auf die Hände und den Mund geschaut haben. Man sitzt da auf dem gelben Teppich und es rattert einem im Kopf: Wäre es möglich, noch einmal einen ganz neuen Anfang zu machen? Könnte man sich von konventionellen Mustern der Kirchenzugehörigkeit verabschieden, aus einer konkreten Beziehung mit Jesus leben? Ginge das?

Freundschaft mit Jesus! Was das heißt! Ihm nahe sein! Seine Intentionen übernehmen! Alles tun, was ER will. Konkrete Verantwortung übernehmen. Teil einer Bewegung sein, nicht Mitglied eines Vereins. Es raubt einem den Atem.

Der Neutestamentler Gerhard Lohfink wird seit seinem phänomenalen Eye-Opener "Braucht Gott die Kirche?" (1998) nicht müde, auf den Systemfehler schlechthin hinzuweisen, der die Kirche unserer Tage lähmt, ja geradezu zur Dysfunktionalität verurteilt. Die Kirche Jesu hatte eine Dreierstruktur – nämlich Volk, Jünger, Amt. Die Kirche in Deutschland hat eine Zweierstruktur. Die Jünger fehlen – sie sind der "missing link". Die Folgen müsste man ausführlich darlegen; dazu ist hier nicht der Raum. Nur so viel: Wo die Jünger fehlen, teilt sich die Kirche in Oben und Unten, Rechts und Links, in Aktive und Passive, in eine Behörde, die im Besitz des Heilswissens und der Heilsmittel ist und solche, die betreut, geführt und belehrt werden. Die Kirchensteuer befördert das duale System noch zusätzlich; was Jünger bewegen könnten oder müssten, wird funktionalisiert und zur Planstelle.

Was finden Menschen in Taizé, was sie zu Hause nicht finden? Ich glaube, es in einem Wort sagen zu können: Jünger. Kein Bild bleibt tiefer haften bei denen, die in Taizé waren, als die Schar der Weißgekleideten, die mitten unter dem Volk Gottes sitzen, nicht abgesondert von ihm, nicht ihm gegenüber. Es sind diese Jünger, die faszinieren, die mitreißen, die ein Bild von dem geben, was Zukunft der Kirche sein könnte: viele Jüngerkirchen in der großen Kirche, Gemeinden aus Jüngergemeinschaften. Irgendwo muss es in der Kirche die "Freunde Jesu" geben. Sie wollen keine Superchristen sein, wollen sich nicht über das gemeine Volk erheben. Wenn sie nicht demütig sind, taugen sie nichts. Es muss sie aber geben, die "Freunde Jesu", Leute, die einen Ruf verspüren, sich mit Jesus in der Mitte und von ihm her zu bewegen.

Taizé ist gut. Ich kenne eine Menge Leute, die in Taizé den Kick bekommen haben. Viele von ihnen sind Sauerteig in einer Volkskirche, die als jüngerfreie Zone und zu herabgesetzten Preisen nicht mehr verkäuflich ist.

Der Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der Herder Korrespondenz.

Zur Person

Bernhard Meuser (geb. 1953) ist katholischer Publizist und Autor zahlreicher Bücher zu christlicher Spiritualität. Er war bis 2011 Leiter des Pattloch Verlags und im Anschluss bis August 2013 Geschäftsführer beim Sankt Ulrich Verlag. Meuser ist Mitinitiator und Mitautor des Jugendkatechismus "Youcat" und Geschäftsführer der gemeinnützigen "Youcat"-Foundation.

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Von Bernhard Meuser

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