"Der sogenannte Konzilsgeist"

Die Kardinäle Raymond Leo Burke und Robert Sarah haben bei einer Buchpräsentation die "Banalisierung" der Eucharistiefeier und "mangelnde Ehrfurcht" beklagt. Unterdessen leistete sich Sarah in der Synodenaula einige geschmacklose Vergleiche.

Liturgie | Rom - 15.10.2015

Der frühere Kurienkardinal Raymond Leo Burke hat eine "Banalisierung" der Eucharistiefeier seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil kritisiert. Mit der Liturgie-Reform "im sogenannten Konzilsgeist" habe im Kirchenvolk der Niedergang des Eucharistieglaubens eingesetzt, sagte er am Mittwochabend bei der Präsentation seines neuen Buches in der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom.

Gleichzeitig sei die Zahl der Gottesdienstbesucher ständig zurückgegangen, so der Kardinal, der von 2008 bis 2014 Präfekt der Apostolischen Signatur, des höchsten Gerichts der römischen Kurie, war. Immer weniger Gläubige verstünden die Eucharistie als das größte Geschenk der Liebe Gottes zu den Menschen. Das Messopfer behalte jedoch seine "organische Kontinuität", die bis zu den Anfängen, dem Opfertod Jesu am Kreuz, zurückreiche. Burkes neues Buch "Divino Amore incarnato" ("Fleischgewordene Liebe Gottes") handelt von der Bedeutung der Eucharistie für die Christen und soll auch auf Deutsch erscheinen.

Auch der afrikanische Kurienkardinal Robert Sarah war bei der Präsentation des Buches anwesend. Er beklagte eine mangelnde Ehrfurcht von Katholiken vor der Eucharistie. Ohne das Bewusstsein für die Bedeutung des Messopfers als Mittelpunkt des Glaubens, blieben Taten der Nächstenliebe nur weltliche Philanthropie, sagte der Präfekt der Gottesdienstkongregation. Die Eucharistiefeier sei kein Spektakel, sondern ein Geheimnis und Zeichen der Liebe Gottes. Ihn habe es beispielsweise abgestoßen, bei der Messfeier mit Papst Franziskus beim Weltfamilientreffen in Philadelphia Priester zu sehen, die während der Wandlungsfeier fotografierten, anstatt andächtig dem Geschehen zu folgen.

Kardinal Sarah schockt die Synodalen

Unterdessen wurde im Internet ein Redebeitrag Sarahs von der im Vatikan tagenden Bischofssynode über die Familie veröffentlicht, in dem er mit geschmacklosen Vergleichen schockt. "Was im 20. Jahrhundert Nazi-Faschismus und Kommunismus waren, das sind heute westliche Ideologien über Homosexualität und Abtreibung sowie der Islamistische Fanatismus", sagte Sarah in der Rede, die vom "National Catholic Register" in den USA veröffentlicht wurde.

Die Kirche befinde sich zwischen dem Götzendienst westlicher Freiheit und dem islamischen Fundamentalismus, beides seien "apokalyptische Bestien", ergänzte Sarah. "Wir befinden uns, um einen Slogan zu benutzen, zwischen 'Gender-Ideologie und IS'", sagte Sarah mit Blick auf die Terrormiliz IS. Der Theologe aus Guinea gilt als Speerspitze der Konservativen und ist für seine radikalen Aussagen bekannt.

Die größten Bedrohungen für die Kirche seien auf der einen Seite schnelle und leichte Scheidungen, Abtreibungen und die Homo-Ehe. Auf der anderen Seite stünde "die Pseudofamilie im ideologisierten Islam, die Polygamie, eine Abwertung der Frau, sexuelle Sklaverei, und die Kinderheirat legitimiert". Sarahs Aussagen stammen bereits aus der vergangenen Woche, wurden aber jetzt erst veröffentlicht. (bod/KNA/dpa)

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