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"Die Bischöfe haben sich zusammengerauft"

Als Familienseelsorgerin im Erzbistum Berlin wird Ute Eberl das Bischofswort zu "Amoris laetitia" in ihrem Bistum umsetzen. Sie berichtet, warum es nicht schon früher veröffentlicht wurde und was ihr daran gefällt.

Bischofskonferenz | Berlin - 02.02.2017

Frage: Frau Eberl, es war ja lange spekuliert worden, dass es möglicherweise kein eigenes Wort der deutschen Bischöfe zu "Amoris laetitia" geben könnte. Hat Sie die Veröffentlichung nun überrascht?

Eberl: Ich habe mich riesig gefreut. Letztes Jahr im April hat Papst Franziskus Amoris laetitia veröffentlicht und dann war erstmal öffentlich lange nichts zu hören. Das hat etwas damit zu tun, was der Papst bei den Synoden eingefordert hat: dass frei und offen gesprochen wird. Das setzt sich offenbar jetzt auch in den Bischofskonferenzen durch. Aber dann gehen die Prozesse nicht mehr so schnell, sondern es wird zugehört, gerungen und gestritten. Das dauert eben länger. Jetzt bin ich froh, dass die Bischöfe es geschafft haben. Es ist eine große Leistung, dass sie sich jetzt wirklich zusammengerauft und ein gemeinsames Wort veröffentlicht haben.

Frage: Da gab es hinter den Kulissen also harte Diskussionen?

Eberl: Davon muss ich ausgehen, sonst wäre das Wort ja schon früher veröffentlicht worden. Wie gesagt: Es ist gut, sich Zeit zu lassen. Es geht ja nicht darum, wortgenau zu wiederholen, was in Amoris laetitia steht, sondern es geht um eine Vergewisserung der Ortskirchen. Der Papst hat gefordert, die Ortskirchen im jeweiligen kulturellen Kontext anzuschauen: Wie kann Amoris laetitia umgesetzt werden? Und das haben die Bischöfe gemacht. 

Frage: In manchen Augen ist ein Kompromisspapier herausgekommen, das die Verantwortung etwa im Umgang mit Wiederverheirateten an die jeweiligen Seelsorger und Gläubigen übergibt. Sind die damit nicht überfordert?

Eberl: Ich glaube nicht, dass das Bischofswort ein "weichgespülter" Kompromiss ist. Es will im Geist von Franziskus ja gerade wegkommen vom kasuistischen Denken, das bisweilen typisch ist für die Kirche: ein Denken in richtig und falsch, so dass wir alles in Schubladen einordnen können. Im Umgang mit Wiederverheirateten geht es aber um die konkrete Lebenssituation der Menschen. Dass das eine Herausforderung ist, das stimmt, aber das ist Seelsorge immer. Außerdem bleibt abzuwarten, welche Hilfestellung die jeweiligen Ortsbischöfe geben.

Ute Eberl ist Leiterin der Ehe- und Familienseelsorge im Erzbistum Berlin und neben Kardinal Reinhard Marx die einzige deutsche Teilnehmerin bei der Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie im Oktober 2014 im Vatikan.
Ute Eberl ist Leiterin der Ehe- und Familienseelsorge im Erzbistum Berlin. Sie war Teilnehmerin der Bischofssynode 2014 im Vatikan.
 KNA

Frage: Wie könnte die denn aussehen – kommt von den Bischöfen jeweils noch ein eigenes Papier?

Eberl: Ich glaube nicht, dass es jetzt nochmal in jedem Bistum eine Art "Durchführungsverordnung" oder ähnliches gibt. Das Neue ist ja, nicht einfach "die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen" zu stecken, sondern auf die Situation der Menschen zu reagieren und mit ihnen in Kontakt zu sein. Und einige Stichpunkte zu Wiederverheirateten hat der Papst hat ja in Amoris laetitia schon genannt: Wie seid ihr umgegangen mit den Kindern, habt Ihr Euch Hilfe gesucht?

Frage: Nun reden alle darüber, was das Dokument zum Umgang mit den Wiederverheirateten sagt. Doch es gibt noch drei andere Kapitel – unter anderem zu Ehevorbereitung und Begleitung.  Wie bewerten Sie diese Abschnitte?

Eberl: Die Bischöfe haben sich darauf geeinigt, der Ehevorbereitung eine wichtige Rolle zuzuschreiben – und nennen das Stichwort "Ehekatechumenat". Das ist eine spannende Sache. Denn den Katechumenat kennen wir bisher aus der Taufvorbereitung. Es bedeutet, dass die Taufvorbereitung ein längerer Prozess ist. Das wird jetzt auf die Ehevorbereitung übertragen. Und auch die Ehebegleitung wird künftig wichtiger – und das ist gut. Denn mit der Hochzeit ist nicht alles erledigt. Es geht darum, ein ganzes Leben zu gestalten.

Frage: Fehlt Ihnen noch etwas an dem Dokument?

Eberl: Ich bin jetzt ersteinmal zufrieden. Ich finde es ganz wunderbar, dass die Bischöfe die Fußnote "Wiederverheiratete" in den Haupttext geholt und gesagt haben: Die Gewissensentscheidung gilt es zu respektieren. Damit haben die Streitereien jetzt hoffentlich ein Ende. Den Verweis, mit einem Seelsorger Kontakt aufzunehmen, finde ich beispielsweise hervorragend. Das kann neben einem Priester ja erstmal auch ein nahestehender Mensch sein, der jemanden durch die Trennung begleitet, sich aber auch mit über die neue Partnerschaft freut. Das Bischofswort ist also kein Festzurren auf eine neue Verhaltensordnung, sondern atmet eine große Freiheit.

Frage: Welche konkreten Schritte werden im Erzbistum Berlin nun aus dem Bischofswort folgen? Wird es beispielsweise einen Kriterienkatalog für den Umgang mit Wiederverheirateten bei den Sakramenten geben?

Eberl: Wie wir das Bischofswort im Erzbistum umsetzen, dazu machen wir uns schon Gedanken. Ich habe dazu gestern kurz mit dem Erzbischof gesprochen. Von einem Kriterienkatalog warne ich aber. Dieses Wort riecht schon wieder nach Kasuistik. Ich finde, wir sind inzwischen einen Schritt weiter.

Frage: Es wird von Gewissensbildung und Einzelfällen gesprochen – was wäre denn nun für Sie ein Fall, in dem jemand trotz aller wohlwollenden Prüfung nicht zur Kommunion gehen kann?

Eberl: Das kann und will ich so pauschal nicht beantworten. Wie gesagt: Es geht den Bischöfen eben nicht wieder um starre neue Kategorien. Die Menschen sollen sich prüfen und das nicht allein im stillen Kämmerlein, sondern auch mit anderen. Unterscheiden – das wichtige Wort bei Papst Franziskus – haben auch die Bischöfe wieder aufgegriffen. Und das Ergebnis der eigenen Gewissensprüfung gilt es zu akzeptieren. Denken wir mal  nicht zu klein von Gott!

Von Gabriele Höfling

Zur Person

Die Diplom-Theologin Ute Eberl leitet im Seelsorgeamt des Erzbischöflichen Ordinariats Berlin die Familienseelsorge. Sie ist im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung. 2013 war Eberl im Erzbistum Berlin für die vom Papst angeregte Fragebogenaktion zu Ehe und Familie zuständig. Bei der ersten Familiensynode 2014 war sie neben Kardinal Marx die einzige Deutsche und eine der wenigen Frauen. (luk)

Zum Artikel: Eberls Eindrücke von der Synode

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