Ewiger Konflikt zwischen Staat und Kirche?

Die Ehe ist eine komplizierte Einrichtung zwischen religiösem Anspruch und staatlichem Regelungsbedürfnis. Schon häufiger sorgte das unterschiedliche Verständnis von Ehe für Konflikte zwischen Staat und Kirche. Katholisch.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Ehe | Bonn - 27.05.2015

Die Ehe ist eine komplizierte Einrichtung zwischen religiösem Anspruch und staatlichem Regelungsbedürfnis. Nachdem 62 Prozent der Iren für eine volle rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare votiert hatten, meldete sich auch der Kardinalstaatsekretär aus dem Vatikan zu Wort. Schon häufiger sorgte das unterschiedliche Verständnis von Ehe für Konflikte zwischen Staat und Kirche. Katholisch.de beantwortet Fragen zum Thema Zivil-, Homo- und sakramentaler Ehe.

Was ist die Zivilehe?

Lange Zeit konnten nur in Synagogen und Kirchen der beiden großen Konfessionen rechtlich gültige Ehen geschlossen werden. Als Folge des Kulturkampfs wurden 1876 in Deutschland staatliche Standesämter eingeführt, in denen Ehen unabhängig von einem weltanschaulichen Bekenntnis geschlossen werden. Die Zivilehe wird als eine Art bürgerlicher Vertrag gesehen und ist in Deutschland vor einer kirchlichen Trauung obligatorisch. Seit 2009 können Paare auch ausschließlich kirchlich heiraten, allerdings zieht das keine rechtlichen Konsequenzen etwa bei der Steuerklasse und dem Unterhaltsrecht nach sich.

Linktipp: Deutliche Kritik aus dem Vatikan

Das irische Ja zu einer Ehe für Homosexuelle bewegt die Gemüter. Deutliche Kritik an der Entscheidung kommt vor allem von der katholischen Kirche. So hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin das Ergebnis als "Niederlage für die Menschheit" bezeichnet.

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Was ist das Ehesakrament?

Die Ehe zwischen einer getauften Frau und einem getauften Mann ist für die römisch-katholische Kirche eines der sieben Sakramente. Die christliche Ehe bildet zugleich auch die Liebe Christi zur Kirche ab. Das Eheverständnis geht davon aus, dass die beiden Partner zueinander "Ja" sagen, sich lebenslange Unterstützung und Treue versprechen und offen für gemeinsamen Nachwuchs sind. Bekunden die Brautleute vor ihrem Geistlichen in Anwesenheit von zwei Zeugen ihren Willen zur Ehe, ist der "Bund für das Leben" geschlossen – und unauflöslich. Denn Jesus sagte: "Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen" (Matthäus 19,4-6).

Wie ist das in der evangelischen Kirche?

Die Protestanten kennen mit Taufe und Abendmahl nur zwei Sakramente. Für Reformator Martin Luther war die Ehe ein "weltlich Ding". Somit ist eine Ehe schon auf dem Standesamt gültig geschlossen, der oder die evangelische Geistliche segnet die Verbindung dann nur noch ein. Daraus folgt, dass eine Scheidung für Protestanten kein größeres theologisches Problem darstellt.

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Mit Blick auf das Referendum der Iren über die "Homo-Ehe" ist auch in Deutschland eine Debatte zum Thema entbrannt. Für die katholische Kirche hat die Ehe eine besondere Bedeutung. "Katholisch für Anfänger" erklärt, was sich dahinter verbirgt.
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Warum gibt es einen Konflikt zwischen Kirche und Staat?

Der katholischen Kirche ist das sakramentale Verständnis von der Einmaligkeit der Ehe wichtig. Zivile Scheidungen, Lebenspartnerschaften von Personen gleichen Geschlechts und auch "wilde Ehen" ohne Trauschein stellen deshalb ein Problem dar. Die christliche Identität der Ehe sei mit einer Gleichstellung homosexueller Partnerschaften unvereinbar, sagte am Mittwoch der in Rom lebende deutsche Kardinal Walter Kasper. Mit Bezug auf das Ehepaar, das auch Elternpaar werden könne, lehnte auch die Deutsche Bischofskonferenz  einen Verzicht auf das verfassungsrechtlich geltende Merkmal der "Verschiedengeschlechtlichkeit der Ehepartner" ab. Andererseits muss festgestellt werden, dass viele der gesellschaftlich und politisch diskutierten Lebensformen das katholische Sakramentenverständnis ohnehin nicht berühren: So gilt etwa eine von zwei Katholiken geschlossene Zivilehe für die Kirche nicht als Sakrament.

Wie wird es weiter gehen?

Die Bundesregierung brachte am Mittwoch einen Gesetzesentwurf auf den Weg, der gleichgeschlechtlichen Paaren mehr Rechte zugestehen soll. Demnach sollen mit knapp zwei Dutzend Änderungen Vorschriften für die Ehe auf die eingetragene Lebenspartnerschaft ausgedehnt werden. Über die deutsche Regelung hinaus gehen bislang weltweit 18 Staaten und erlauben gleichgeschlechtliche Eheschließungen. Es ist möglich, dass Ehe in der Gesellschaft künftig nur noch ein Oberbegriff für unterschiedliche Bindungsformen wie Zivilehen, "Homo-Ehen" und kirchliche Ehen sein wird.

Nach dem Referendum in Irland betonte Kardinal Kasper, dass der Umgang mit schwulen und lesbischen Paaren ein Thema bei der Weltbischofssynode im Herbst über die Familie sein müsse. Die irische Abstimmung mache es der Kirche allerdings schwerer, ihre Position zu vermitteln. Kasper betonte, dass die Kirche zwar nicht ihre grundsätzliche Ablehnung gleichgeschlechtlicher Ehen ändern könne, wohl aber die Diskriminierung überwinden müsse. (mit Material von KNA)

Von Agathe Lukassek

Trauen Sie sich!

Der Flyer "Trauen Sie sich! Zehn gute Gründe für die Ehe" von der Deutschen Bischofskonferenz will einen Eindruck davon vermitteln, welche Tragweite dieser Bund fürs Leben hat. Als kurze Thesen erläutert er das katholische Verständnis der Ehe als Sakrament. Die "Zehn Gründe" wollen diejenigen neugierig machen, die so noch nie über die Ehe nachgedacht haben und diejenigen bestärken, die den Weg der Ehe schon gemeinsam gehen.

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Aktuell: Mehr Rechte für homosexuelle Lebenspartnerschaften

Schwule und lesbische Paare sollen künftig mehr Rechte bekommen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf brachte das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg. So sollen homosexuelle Paare die Möglichkeit erhalten, eine Bescheinigung zu beantragen, wenn sie im Ausland eine Partnerschaft begründen wollen.

Nach Angaben von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) werden in dem Gesetzentwurf in insgesamt 23 verschiedenen Gesetzen und Verordnungen die Vorschriften für die Ehe auf die Lebenspartnerschaft ausgedehnt. Die Reform gehe auf Vereinbarungen im Koalitionsvertrag zurück.

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, mit dem Entwurf sei ein "sehr guter Zustand" im Abbau der Diskriminierung von homosexuellen Lebenspartnerschaften erreicht. Eine Gleichsetzung mit der Ehe sei nicht Ziel der Regierung. Demgegenüber betonte eine Sprecherin des Justizministeriums, der Beschluss sei ein weiterer Schritt zu einer umfassenden Gleichstellung von Ehe und homosexuellen Lebenspartnerschaften. (KNA)

Von Agathe Lukassek

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