Franziskus: Petrus soll die Kirche wachsen lassen

Papst Franziskus wünscht sich mehr Synodalität. Das betont der Pontifex schon seit Langem. Nun hat er erklärt, wie er die Rolle des Papstes in einer synodalen Kirche sieht.

Kirche | Vatikanstadt - 07.12.2016

Papst Franziskus strebt ein gemeinschaftliches Leitungsmodell für die Kirche an. Eine Vielfalt von Schattierungen sei charakteristisch für die Kirche; in ihr bestehe "Einheit in Verschiedenheit", sagte Franziskus in einem Interview der belgischen Zeitschrift "Tertio" (Mittwoch), dessen Text auch der Vatikan veröffentlichte. Nachdrücklich warb der Papst für das Prinzip der sogenannten Synodalität. Dieses verlange, nicht "von oben nach unten" zu regieren, sondern "die Ortskirchen zu hören, sie zu harmonisieren, zu unterscheiden". Die Kirche selbst entstehe "von der Basis, aus den Gemeinden, aus der Taufe".

"Entweder gibt es eine pyramidenförmige Kirche, wo man das macht, was Petrus sagt, oder es gibt eine synodale Kirche, in der Petrus Petrus ist, aber die Kirche begleitet, sie wachsen lässt, sie hört", sagte Franziskus. Die katholische Kirche müsse "in der Synodalität vorangehen; das ist eines der Elemente, die die Orthodoxen bewahrt haben".

"Amoris laetitia" als Vorbild der Synodalität

Als Beispiel für dieses Leitungsprinzip verwies er auf das Dokument "Amoris laetitia" vom April. Es sorgte wegen unterschiedlicher Deutungen im Blick auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen auch unter Kardinälen für eine Kontroverse. Das Schreiben sei "das Ergebnis zweier Synoden, auf denen die ganze Kirche gearbeitet hat, und das der Papst sich angeeignet hat". Die Inhalte von "Amoris laetitia" seien von den Synodenteilnehmern mit Zweidrittelmehrheit gebilligt worden. "Das ist eine Garantie", sagte Franziskus.

Linktipp: "Das dritte Jahrtausend braucht eine synodale Kirche"

Papst Franziskus will eine stärkere Einbindung der Bischöfe in die Entscheidungen für die Weltkirche - und hat das erneut betont. Die Kirche des dritten Jahrtausends müsse eine synodale sein und geprägt vom gegenseitigen Zuhören, sagte er am Samstag. (Artikel von Oktober 2015)

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Im Interview wandte Franziskus sich auch gegen eine Verbannung des Religiösen aus dem öffentlichen Raum. Dies nannte er ein "überholtes Konzept". Zugleich warb er für eine "gesunde Laizität". Ein religionsneutraler Staat sei "eine gute Sache" und "besser als ein religiöser Staat, weil religiöse Staaten schlimm enden", sagte Franziskus.

Franziskus: Transzendenz nicht in die Sakristei verbannen

Hingegen wandte er sich gegen einen strikten Laizismus, der alles Religiöse in die Privatsphäre verbannt. Eine solche Ordnung schließe die Tür zur Transzendenz; Offenheit für das Jenseitige gehöre aber zur Natur des Menschen. "Jeden Akt der Transzendenz in die Sakristei zu verweisen, ist eine Sterilität, die nichts mit der menschlichen Natur zu tun hat, die der menschlichen Natur einen guten Teil des Lebens, die Offenheit, nimmt", sagte der Papst.

Franziskus äußerte sich auch kritisch über die Lehren Europas aus dem Ersten Weltkrieg. Die Forderung "Nie wieder Krieg" sei "nicht ernst genommen worden". Nach einem Zweiten Weltkrieg sei jetzt ein dritter in Gang, der "auf Raten" geführt werde. Der Papst verwies auf die Ukraine, den Nahen Osten, Afrika und Jemen. "Wir sagen 'Nie wieder Krieg', und derweil produzieren wir Waffen und verkaufen sie, verkaufen sie an beide Seiten, die sich bekämpfen", sagte er. Während europäische Gründerväter wie Robert Schuman, Alcide De Gasperi und Konrad Adenauer den Ruf "Nie wieder Krieg" noch ehrlich gemeint hätten, fehle es heute in Europa an Führungsgestalten, so der Papst. (kim/KNA)

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