Ist der Zölibat das Thema der Amazonas-Synode?

Kritiker des Papstes fürchten, dass nicht die Evangelisierung indigener Völker, sondern eine Lockerung des Zölibats Thema der Amazonas-Synode sein könnte. Der Ursprung dieser Spekulation liegt im Jahr 2014.

Vatikan | Bonn - 17.10.2017

Keine Bischofsversammlung zu einer bestimmten Weltregion hat in der jüngeren Vergangenheit bereits vor ihrer offiziellen Ankündigung mehr Spekulationen ausgelöst als diese: die Amazonas-Synode, die Papst Franziskus am Sonntag zum Abschluss des Angelus-Gebets auf dem Petersplatz für 2019 bekanntgab.

Grund für dieses Interesse an einer Amazonas-Synode war allerdings nicht allein die Empörung darüber, dass die indigene Bevölkerung in dem Gebiet diskriminiert und der Regenwald abgeholzt wird; und auch nicht die Sorge um die Seelsorge angesichts eines eklatanten Priestermangels in dieser Region Lateinamerikas.

Besondere Aufmerksamkeit verschafften der Synode vielmehr ultrakonservative Kritiker des Papstes. Sie mutmaßen bereits seit längerem, das Amazonas-Gebiet diene Franziskus' als Experimentierfeld für einen radikalen Umbau der Kirche. Konservative Blogs und Internetportale behaupteten, Franziskus wolle in dieser Region den Zölibat aufheben und plane die Einführung von "viri probati", also die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt. Der Subtext solcher Berichte war stets derselbe: Hier, im abgelegenen Dschungel, verborgen vor den Augen der Rechtgläubigen, übt der Papst heimlich die Revolution.

Der aus Österreich stammende Erwin Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof in Altamira am Fluss Xingu im Amazonas.
 KNA

Ihren Ursprung hatten derartige Spekulationen im April 2014: Damals empfing Franziskus im Vatikan den Amazonas-Bischof Erwin Kräutler. Der für seine unkonventionellen Ansichten bekannte Österreicher sagte anschließend in einem Interview, der Papst habe um "mutige und couragierte" Lösungsvorschläge der Brasilianischen Bischofskonferenz für die Seelsorge der Zukunft gebeten. Ein Vorschlag, so Kräutler weiter, werde gewiss sein, "dass man Zölibat und Eucharistiefeier entkoppelt". Da nutzte es wenig, dass der Bischof kurz darauf Behauptungen zurückwies, er arbeite am Thema Priesterweihe von Verheirateten und das Ganze als "Missverständnis" bezeichnete.

Vatikan dementiert angeblichen Papst-Brief

Anfang 2015 gewannen Spekulationen über eine angebliche Lockerung oder gar Abschaffung des Zölibats in Amazonien eine solche Eigendynamik, dass sich der Vatikan zu einer Klarstellung genötigt sah. Das vatikanische Presseamt dementierte damals Berichte über einen angeblichen Brief des Papstes, in dem sich Franziskus aufgeschlossen für die Einführung von "viri probati" in der Region geäußert haben sollte.

Adressat des Briefes sollte der brasilianische Kardinal Claudio Hummes gewesen sein. Der frühere Chef der vatikanischen Klerus-Kongregation ist ein langjähriger Freund von Franziskus und Vorsitzender der Bischofskommission für Amazonien. Für Ultrakonservative ist auch Hummes ein rotes Tuch. Sie verübeln ihm, dass er 2006 darauf hingewiesen hat, dass der Zölibat nicht zum Wesen des Priestertums gehöre und daher zumindest theoretisch überdacht werden könne.

Linktipp: Papst beruft Synode für Amazonas-Gebiet ein

Papst Franziskus möchte neue Wege der Glaubensverkündigung an indigene Völker im Amazonas-Gebiet in den Blick nehmen. Dazu hat er nun für Oktober 2019 eine Bischofssynode in Rom einberufen.

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Franziskus selbst nahm die Worte "Zölibat" und "viri probati" am Sonntag nicht in den Mund. Hauptziel der Bischofsversammlung, sei es, über "neue Wege der Evangelisierung" in diesem Erdteil zu beraten, die vor allem den indigenen Völkern zugutekommen sollten, sagte er. Das Amazonasgebiet sei eine "Lunge unseres Planeten" und habe "entscheidende Bedeutung" für die globale Zukunft, sagte der Papst. Beobachter schließen nicht aus, dass hierbei die viri probati auch ein Thema sein könnten, aber eben nur eins.

Dass Amazonien ihm besonders am Herzen liegt, zeigte er bereits mit seiner Umweltenzyklika "Laudato si". Darin forderte er bereits 2015 sehr konkret ein Ende der schonungslosen Ausbeutung der Region durch Großkonzerne und mehr Rechte für die indigene Bevölkerung. Mit seiner ersten Sondersynode für eine bestimmte Weltregion könnte Franziskus zudem klären, wie er sich die von ihm geforderte Dezentralisierung der Kirche vorstellt.

Den genauen Termin für die Bischofsversammlung hat der Papst am Sonntag noch nicht bekanntgegeben. Die Amazonas-Synode von Franziskus dürfte jedoch nicht länger als maximal drei Wochen dauern, die in den Köpfen seiner Kritiker wird wohl noch bis zum Ende des Pontifikats gehen.

Von Thomas Jansen

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