Kämpfer für Frieden, Ökumene und Lebensschutz

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen feiert heute seinen 75. Geburtstag. Das bedeutet auch: Die Emeritierung naht. Für die Themen, die ihm am Herzen liegen, brennt Algermissen aber weiterhin.

Bischöfe | Fulda/Bonn - 15.02.2018

Vom Bischofshaus direkt am Fuldaer Paulustor muss Heinz Josef Algermissen nur eine von Kastanien gesäumte Promenade hinunter laufen, dann noch vorbei am barocken Stadtschloss und dem Bonifatius-Denkmal und schon beginnt die Fußgängerzone. Fünf Minuten berechnet Google Maps Fußgängern für diese Strecke. Wenn es die Termine zulassen, sagt der Fuldaer Bischof, läuft er diese Strecke fast täglich – einerseits um spazieren zu gehen, andererseits aber auch, um das Gespräch mit den Gläubigen zu suchen. Diese Begegnungen seien für ihn ein "wichtiger Schatz".

Da trifft es sich gut, dass sich Algermissens neues Zuhause ebenfalls in Laufweite der Innenstadt befindet – ein bistumseigenes Gebäude nur wenige Meter vom Bischofshaus entfernt wird dafür gerade aufwändig umgebaut. Gedacht ist es für die Zeit nach seinem baldigen Rücktritt. Heute feiert Algermissen seinen 75. Geburtstag und erreicht damit die für Bischöfe übliche Altersgrenze. Sein Rücktrittsgesuch liegt schon seit vergangenem Herbst in Rom – wann genau es Papst Franziskus annimmt, ist allerdings unklar. Bis Ostern wird es wohl noch mindestens dauern.

17 Mal Gastgeber der Bischofs-Vollversammlungen

Die nächste Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) werde aber "sicher" schon ohne ihn stattfinden, vermutete Algermissen im vergangenen Herbst gegenüber katholisch.de. Die deutschen Bischöfe treffen sich traditionell jedes Jahr im September in Fulda am Grab des heiligen Bonifatius, der als Apostel der Deutschen im 8. Jahrhundert das heidnische Germanien christianisierte. 17 Mal war Algermissen seit seinem Amtsantritt 2001 ihr Gastgeber.

Aufgaben über das eigene Bistum hinaus hat Algermissen auch seit 2002 in der Friedensbewegung Pax Christi, als deren Vorsitzender er sich immer wieder in aktuelle Debatten einmischt. So habe er sich "von Anfang an klar gegen den Irakkrieg von 2003 positioniert und vor den Folgen gewarnt, die leider auch eingetreten sind", wie sich der Fuldaer Weihbischof Karlheinz Dietz, ein langjähriger Wegbegleiter, erinnert. Algermissen selbst fasste sein Engagement einmal so zusammen: "Das Schlimme ist, dass der Krieg in den Herzen der Menschen bereits stattfindet, bevor er ausbricht. Daran müssen wir arbeiten."

Der Fuldaer Dom im Sonnenlicht.
Der Fuldaer Dom: Seit 2001 ist Bischof Heinz Josef Algermissen hier "Hausherr".
 vom/Fotolia.com

Dass er auch vor eher konservativen Kirchenkreisen keine Berührungsängste hat, zeigt ein ganz anderes Engagement: Algermissen ist Mitglied im Kuratorium des "Forums der deutschen Katholiken". Das Laien-Gremium versteht sich als Alternative zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken und beschreibt sich selbst als "lockeren Verband papst- und kirchentreuer Katholiken". Es hat seinen Sitz in München, wurde aber wenige Monate vor Algermissens Amtsantritt in Fulda gegründet und veranstaltet dort einmal jährlich den Kongress "Freude am Glauben". Auf sein dortiges Engagement angesprochen, sagte Algermissen schon zu seinem 65. Geburtstag vor zehn Jahren gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), wenn dort "die Ultrarechten tonangebend wären, dann wäre ich da nicht drin". Solange eine gewisse Grenze nicht überschritten sei, sei er ein "Bischof für alle, von rechts bis links".

Im Bistum Fulda selbst musste er nach seinem Amtsantritt wegen gesunkener Priester- und Gläubigenzahlen eine Strukturreform starten – so wie viele seiner deutschen Amtsbrüder auch. 2002 leitete er einen Pastoralen Prozess ein, der die ehemals 250 Pfarreien zu 43 Pastoralverbünden zusammenfasste. In einem 2016 initiierten Bistumsprozess sind die strategischen Ziele bis 2030 vorgegeben. Er umfasst Überlegungen zur territorialen Neuordnung der Seelsorge, aber auch zur Zukunft von Kindertageseinrichtungen, der Caritas, Finanzen und Immobilien. Dazu plädierte Algermissen für eine neue Sichtweise und Organisation seelsorgerischer Arbeit. Anstelle von flächendeckender Omnipräsenz brauche es geistliche Angebote, die wie Leuchttürme aus der Fläche hinaus ragten.

Die anhaltende Kirchenspaltung ist "ein Skandal"

Ob nun auf Bistumsebene oder darüber hinaus: Einige Themen liegen dem Bischof besonders am Herzen. Da ist einerseits die Ökumene, für die er sich auch als stellvertretender Vorsitzender der Ökumene-Kommission der DBK engagiert. Die anhaltende Kirchenspaltung sei ein Skandal, den "wir nicht mehr lange durchhalten", sagte Algermissen kürzlich der KNA. Mit dem Status einer "versöhnten Verschiedenheit" der beiden Konfessionen will er sich nicht zufrieden geben; das könne bestenfalls eine "erste Halbzeit" sein. "Wenn es das Ende des Spiels wäre, wäre es für mich wie eine Bankrotterklärung", so der Fuldaer Oberhirte.

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Seit 17 Jahren ist er Gastgeber der deutschen Bischöfe bei ihren Herbst-Vollversammlungen. Doch bald ist Schluss für Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen. Wie er sich bei dem Gedanken fühlt? Wir haben ihn gefragt.
 katholisch.de

Auch das Thema Lebensschutz spricht er in seinen Predigten immer wieder an. Das Leben liege Algermissen "besonders da am Herzen, wo es am schwächsten ist: beim ungeborenen Leben und in Krankheit und Alter", hat Weihbischof Diez beobachtet. Wortgewaltig wendet sich Algermissen auch gegen die allgemeine Abkehr vom Glauben. Kürzlich erklärte er in einem Pressestatement: "Wenn viele heute einen immer dichteren Vorhang vor den Himmel ziehen und die Emanzipation von Gott zum Programm erklären, sind wir dringend zur Gegenbewegung aufgerufen". Dass Menschen ohne Glauben an die Auferstehung Jesu wirklichen Frieden finden, ist für ihn nur schwer vorstellbar. Eine Aussage aus der Osterpredigt 2016 brachte dem Fuldaer Bischof von Seiten des Humanistischen Verbands Deutschlands gar den Vorwurf einer "katholischen Hasspredigt" ein: Der Mensch ohne Auferstehungsglauben werde zu einem "großen Sicherheitsrisiko" für die Mitwelt. Er gehe über Leichen, bevor er selbst zu Leiche werde, hatte Algermissen da erklärt.

Es ist also zu vermuten, dass sich der Geistliche auch nach seiner Emeritierung noch aktiv für Kirche und Glaube einsetzt. Dass er gern weiter seine Dienste und seine Kraft anbietet, hat er bereits angekündigt. Umsetzen wird er diese Vorhaben wahrscheinlich vor allem im Bistum Fulda. Die Entscheidung, in der Barockstadt zu bleiben und nicht in sein Heimatbistum Paderborn zurück zu gehen, ist schon vor über einem Jahr gefallen. "In Paderborn bin ich zwar zu Hause, aber in Fulda habe ich Heimat gefunden", erklärt Algermissen, der seine Bischofsweihe 1996 im Paderborner Dom empfing. Wie wohl er sich in der neuen Heimat fühlt, dass betont der Oberhirte auch zu seinem heutigen Geburtstag: Nicht an einem einzigen Tag seiner Amtszeit sei auch "nur die Spur von Langeweile" aufgekommen.

Wunsch nach einer kleineren Wohnung

Zumindest mit dem barocken Bischofshaus an der Pauluspromenade schien er zeitweilig aber doch zu fremdeln. Zum Höhepunkt des Finanzskandals im Nachbarbistum Limburg erklärte Algermissen, er würde eigentlich lieber in einer kleineren Wohnung leben. "Wenn ich im Schlafzimmer bin und etwas vergessen habe, muss ich 50 Meter gehen." Das sei "natürlich nicht zeitgemäß", sondern vielmehr eine Zumutung.

Dieser Wunsch dürfte sich in der neuen, wesentlich kleineren Wohnung erfüllen. Wenn Algermissen dort eingezogen ist, will er die gewonnene Zeit seines Ruhestandes auch nutzen, um mehr gute Bücher zu lesen und die Reisen zu planen, die er sich noch vorgenommen hat. Ansonsten sieht er seinem Lebensabend gelassen entgegen: "Wir sind alle Pilger und so lange auf dem Weg, bis wir unser endgültiges Zuhause gefunden haben. Das ist die Hoffnung. Gott wird mir sicher zeigen, wie meine nächsten Schritte aussehen. Da bin ich voller Vertrauen." Vielleicht gehört zu diesen Schritten auch der eine oder andere Spaziergang in die Fußgängerzone.

Von Gabriele Höfling

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