Papstreise

Millionen Mexikaner erwarten Franziskus

Mexikanische Bischöfe geben Details zur Reise bekannt

Bonn/Mexiko-Stadt - 12.01.2016

Mexiko bereitet sich zum Papstbesuch auf mehrere Millionen Pilger und Schaulustige vor. Die Zahl der kostenlosen Platzkarten zu den Papstmessen, die Anfang Februar an die 93 Diözesen geschickt und dort verteilt werden, wurde zuletzt noch ausgeweitet, wie der Generalsekretär der Mexikanischen Bischofskonferenz, Eugenio Lira Rugarcia, am Sonntag (Ortszeit) mitteilte.

Viele werden den Papst wohl trotzdem nur an jenen Wegstrecken zu Gesicht bekommen, die Franziskus im Papamobil zurücklegt - das Fassungsvermögen der meisten Veranstaltungsorte ist beschränkt. Für Mexiko-Stadt rechnen die Behörden mit rund 2,3 Millionen Besuchern. Jeweils mehr als zwei Millionen Pilger werden auch zu den beiden größten Ereignissen erwartet, den Gottesdiensten im Hauptstadtvorort Ecatepec und in der Grenzstadt zu den USA, Ciudad Juarez. Die Hauptstadt des Bundesstaates Michoacan, Morelia, rechnet mit 1,5 Millionen Besuchern; in San Cristobal de Las Casas werden rund 100.000 indigene Gottesdienstteilnehmer aus Mexiko und dem nahe gelegenen Guatemala erwartet.

Der Papst kommt nicht als Problemlöser

Inhaltlich soll die Papstreise vom 12. bis 17. Februar vor allem eine Glaubensveranstaltung sein, sagte Generalsekretär Lira am Montag in einer Pressekonferenz mit dem päpstlichen Nuntius in Mexiko, Erzbischof Christophe Pierre. Der Papst komme nicht mit der Absicht, "Mexikos Probleme zu lösen" oder sich in die Politik einzumischen, sondern um zu trösten, zu teilen und den Menschen zu helfen, aus dem Glauben mit ihrer Situation zurechtzukommen, so der Nuntius.

Auf ein informelles Treffen mit dem Papst dürfen laut Angaben des Vatikanbotschafters die Familienangehörigen der 43 seit September 2014 vermissten und vermutlich ermordeten Studenten aus Iguala hoffen. Gelegenheit für eine kurze Begegnung werde es am 17. Februar in Ciudad Juarez geben; dort seien Migration und Gewalt die zentralen Themen des Gottesdienstes. Zwar gebe es keine konkreten Pläne für ein offizielles Treffen; Franziskus sei jedoch für seine Improvisationen bekannt.

Schon früh stand fest, dass Franziskus auch die Grenze zwischen Mexiko und den USA besuchen würde. Die Vereinigten Staaten versuchen dort seit Jahren, durch einen Grenzzaun und massiven Einsatz von Polizeikräften gegen illegale Einwanderung aus dem Süden vorzugehen.  Escher / Adveniat

Mit einem Hungerstreik ab 7. Februar wollen während des Papstbesuchs rund 100 Häftlinge auf die katastrophalen Haftbedingungen in Mexiko aufmerksam machen und ein Treffen mit Franziskus erzwingen. Das sagte ein Sprecher der Häftlinge der Tageszeitung "Proceso". Viele Gefangene seien ohne Gerichtsurteil inhaftiert und fühlten sich deshalb als politische Gefangene. Zeitgleich mit dem Hungerstreik wollen Familienangehörige vor der Vatikanbotschaft in der Hauptstadt demonstrieren. Der Papst will laut offiziellem Reiseprogramm in Ciudad Juarez ein Gefängnis besuchen.

Franziskus trifft wiederverheiratete Geschiedene

Als einen zentralen Moment der Papstreise nannten Mexikos Bischöfe auch die Begegnung mit Familien in der Stadt Tuxtla Gutierrez im Bundesstaat Chiapas. Der Papst werde hier Familien und Paare in verschiedenen Lebenssituationen anhören, darunter auch wiederverheiratete Geschiedene treffen. Wie der italienische bischöfliche Pressedienst SIR (Montag) unter Berufung auf die Mexikanische Bischofskonferenz meldet, sollen an der Begegnung auch zwei Eltern teilnehmen, die nach dem Scheitern einer Ehe in einer neuen Partnerschaft leben.

Ort und Zeit einer Begegnung mit Missbrauchsopfern sind noch unbekannt. Ein solches Treffen wird von Zuständigen für die Priesterausbildung bei der Mexikanischen Bischofskonferenz koordiniert. Mit einer eigenen Botschaft werde sich der Papst an die Opfer von Missbrauch durch Kleriker wenden und Leitlinien für den Umgang der Kirche mit diesen Vergehen benennen, erklärte der Erzbischof von San Luis Potosi, Jesus Carlos Cabrero Romero, laut lateinamerikanischen Medien in der vergangenen Woche.

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Die weiteren Informationen zur Papstreise gab die Mexikanische Bischofskonferenz bei einer Pressekonferenz zum Abschluss eines dreitägigen Vorbereitungsbesuches des päpstlichen Reisemarschalls Alberto Gasbarri. Er hatte unter anderem mit Vertretern der Bischöfe und der Regierung Mexikos noch offene Sicherheitsaspekte besprochen. Gasbarri, der Reiseorganisator und -begleiter dreier Päpste war, wird im Februar 70 Jahre alt und geht gleich nach der Rückkehr aus Mexiko in den Ruhestand.

Die Mexiko-Reise von Franziskus ist sein vierter Besuch auf dem amerikanischen Kontinent - nach Brasilien (2013), Ecuador, Paraguay und Bolivien (2015) sowie Kuba und den USA (2015). Sechs mexikanische Großstädte will der Papst besuchen, darunter die Hauptstadt Mexiko-Stadt, deren Vorstadt Ecatepec, die Städte Tuxtla Gutierrez und San Cristobal de Las Casas im südlich gelegenen Bundesstaat Chiapas, die Drogenkartell-Hochburg Morelia sowie die nördliche Grenzstadt Ciudad Juarez. Der Besuch steht unter dem Motto "Missionar der Barmherzigkeit und des Friedens". (kim/KNA)

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