Orden beraten über Zukunft der Pastoral

In der Kirche zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab, sagt Schwester Regina Pröls. Mit der Deutschen Ordensobernkonferenz hat sie die Zukunft der Seelsorge beraten - mit besonderem Blick auf die Laien.

Orden | Bonn - 23.06.2017

Vor rund zwei Jahren haben die Deutschen Bischöfe ein Wort zur Erneuerung der Pastoral herausgegeben. "Gemeinsam Kirche sein" wirkt bis heute nach: Jedenfalls hat die Deutsche Ordensobernkonferenz es für Wert gefunden, ihre Mitgliederversammlung in dieser Woche in Vallendar genau unter dieses Motto zu stellen. "Hier handelt es sich um ein Papier von hoher Qualität, in dem sich ein Paradigmenwechsel andeutet", erklärt Schwester Regina Pröls, die stellvertretende Vorsitzende der Ordensobernkonferenz gegenüber katholisch.de. Bisher sei die Kirche sehr stark von den Priestern her gedacht worden. Aber "das ändert sich gerade. Das Papier betont, dass jeder Christ berufen ist, die Kirche mitzugestalten", so Pröls. Bei ihrer beschäftigten sich die Oberinnen und Obern der Ordensgemeinschaften unter anderem in einem einen Grundsatzreferat mit dem Bischofswort.

Ein tägliches Gebet für verfolgte Christen

Außerdem brachten sie eine Gebetsinitiative für bedrängte Christen auf den Weg. Ab dem 2. Juli, dem Fest der Heimsuchung Mariens, bis zum 26. Dezember diesen Jahres – dem Fest des heiligen Stephanus als erstem christlichen Märtyrer – wird täglich eine Ordensgemeinschaft die Christen in Not besonders ins Gebet nehmen. "Wir folgen damit einem Aufruf von Papst Franziskus", erläutert Pröls, die auch Generaloberin der Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen ist. Ordensleute seien weltweit vernetzt und hätten auch Kontakte zu Mitbrüdern und Schwester in Ländern, in denen die Christen bedrängt seien. "Wir erfahren, welche Nöte sie haben, welche Existenzängste, aber auch welche Zeugnisse des Glaubens sie abgeben", so Pröls. "Da wollen wir uns solidarisch zeigen". Wie genau die einzelnen Gemeinschaften den Tag gestalten, bleibt ist ihnen überlassen. Vom reinen Fürbittengebet bis hin zu Spendenaktionen reichen die Ideen.

Unsere Orden

Das Leben von Mönchen und Nonnen ist so vielfältig wie die Anzahl der vorhandenen Ordensgemeinschaften. Zudem sind Klöster kulturelle und spirituelle Anziehungspunkte.

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Im kommenden Jahr steht außerdem ein weiterer "Tag der offenen Klöster" an – der Termin ist diesmal Samstag, der 21. April 2018. "Wir hatten 2014 eine sehr gute Resonanz, so dass wir jetzt schon wieder voll in der Vorbereitungen sind", erläutert Pröls. Am ersten bundesweiten Tag der offenen Klöster im Mai 2014 hatten sich rund 300 Klöster beteiligt.

Wie stehen die Orden zu den Ortskirchen?

Über das Verhältnis der Orden zu den Diözesen sprachen die Mitglieder der Ordensobernkonferenz  mit dem Osnabrücker Generalvikar Theo Paul. Ihre Aufgabe sei es "nicht in erster Linie, pastorale Pläne oder personelle Engpässe zu füllen", gab Paul den Ordensleuten mit auf den Weg. Die Kirche brauche Vielfalt, um in die Gesellschaft hinein zu wirken – und dazu seien auch die Ordensgemeinschaften in ihrer jeweils eigenen Ausprägung notwendig. Paul ermutigte die Orden dazu, nicht an starren Strukturen "zu kleben", sondern mehr das "Provisorische und Experimentelle" zu wagen.

Das Dauerthema der Orden in Deutschland sind ihre massiven Nachwuchsprobleme  – und so wurde in Vallendar auch die Frage diskutiert, wo in Zukunft ihr Ort innerhalb  von Kirche und Gesellschaft zu finden sei. "Die Situation ist, dass wir rückläufige Zahlen haben und Klöster schließen müssen, gleichzeitig erleben wir aber sehr viele Aufbrüche, etwa wenn junge Leute sich für einen Weg im Orden entscheiden", erklärt Schwester Regina.

Die Deutsche Ordensoberkonferenz mit Sitz in Bonn ist die Interessensvertreterin der Ordensgemeinschaften in Deutschland und steht damit nach eigenen Angaben für knapp 16.000 Ordensfrauen und rund 4.000 Ordensmänner. Ihre Aufgaben sind unter anderem der Austausch von Informationen, die Beratung der Ordensgemeinschaften und die Koordination gemeinsamer Projekte. So bietet sie ihren Mitgliedern unter anderem Begleitung an, wenn es um Fragen des Alterns im Orden geht.

Von Gabriele Höfling

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