Pell: Ich wurde getäuscht

In der Nacht zum Dienstag hat Kurienkardinal George Pell seine Aussage vor der australischen Missbrauchskommission fortgesetzt. In der Video-Befragung belastete er den damaligen Bischof seines Heimatbistums Ballarat schwer.

Missbrauch | Rom/Sydney - 01.03.2016

Kurienkardinal George Pell hat in einem Missbrauchsskandal seinen früheren Vorgesetzten belastet. Der damalige Bischof seines Heimatbistums Ballarat, Ronald Mulkearns, habe ihn über die wahren Gründe für die Versetzung eines übergriffigen Priesters getäuscht, sagte Pell am Dienstag in einer Video-Befragung durch die australischen Missbrauchskommission. Pell gehörte 1982 als Priester zu einem Beraterkreis von Bischof Mulkearns zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs.

Drei von vier Mitgliedern der Gruppe seien über die Vorwürfe gegen den später wegen Missbrauchs verurteilten Priester Gerald Ridsdale informiert gewesen, nicht jedoch er selbst, sagte Pell. Als Grund für die häufigen Versetzungen Ridsdales habe der Bischof Vorwürfe sexueller Übergriffe nie erwähnt.

"Eine traurige Geschichte"

Zu dem Einwand, Anschuldigungen gegen Ridsdale seien seit Mitte der 70er Jahre in Umlauf gewesen, sagte Pell: "Ich wusste nicht, ob das allgemein bekannt war oder nicht. Es ist eine traurige Geschichte, und sie hat mich nicht besonders interessiert."

Kurienkardinal George Pell während der Weltbischofssynode zu Ehe und Familie am 6. Oktober 2014 im Vatikan.
Kurienkardinal George Pell sagt in dieser Woche vor australischen Missbrauchskommission aus.
 KNA

Pell, inzwischen Leiter der zentralen Finanz- und Wirtschaftsbehörde im Vatikan, äußerte sich den zweiten Tag in Folge vor der Missbrauchskommission in Sydney. In der Nacht zu Montag hatte er "enorme Fehler" der Kirche eingeräumt und erklärt, er sei nicht angetreten, um "das Unhaltbare zu verteidigen". Mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand darf der 74-jährige Kardinal seine Aussage per Videoschaltung aus Rom machen.

Nach einer Audienz bei Papst Franziskus sagte Pell am Montagabend, er setze mit Blick auf seine Aussage auf das Vertrauen von Franziskus. "Ich habe die volle Unterstützung des Papstes", zitierten ihn italienische Medien. Pell sei auch zu einem Treffen mit Missbrauchsopfern bereit.

Die australische Missbrauchskommission war 2013 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingesetzt worden, um den Umgang von Kirchen, Religionsgemeinschaften und weltlichen Institutionen mit Missbrauchsfällen zu untersuchen. Der Abschlussbericht wird für Dezember 2017 erwartet. (gho/KNA)

01.03.2016, 14.15 Uhr: Um die Aussagen Pells zu Papst Franziskus ergänzt

Linktipp: Pell räumt "enorme Fehler" ein

Er sei sehr geneigt gewesen, einem Priester, der Missbrauchs-Vorwüfe dementierte, zu glauben: Das gab Kurienkardinal Pell vor der australischen Missbrauchskommission zu. Ihm wird vorgeworfen, Missbrauch vertuscht zu haben.

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