Planen statt verhüten

Die Praxis der "Natürlichen Familienplanung" (NFP) entspricht der Lehre der katholischen Kirche, die in Sachen Sexualität sehr eindeutig ist: künstliche Verhütung ist verboten. Die NFP ist hingegen erlaubt und viele Bistümer bieten dazu Informationen an.

Familie | Bonn - 24.03.2015

Manch einer hat die Bücher noch im Regal – oder in einer Kiste auf dem Dachboden: Bücher zur "Natürlichen Familienplanung" (NFP), die einem wohlmeinende Großeltern geschenkt haben. Denn diese Praxis entspricht der Lehre der katholischen Kirche, die in Sachen Sexualität sehr eindeutig ist: künstliche Verhütung ist verboten. Die NFP ist hingegen erlaubt und viele Bistümer bieten dazu Informationen an.

Eines davon ist das Erzbistum Köln. Zuständig für die Beratung ist Elena Werner, die die Methode selbst seit 30 Jahren anwendet. "Die Natürliche Familienplanung ist ein großes Plus für die Partnerschaft", sagt sie. Im Gegensatz zu einer hormonellen Empfängnisverhütung stehe bei der NFP die Beobachtung des weiblichen Zyklus im Mittelpunkt. So misst die Frau beispielsweise regelmäßig ihre Temperatur, um die Zeit ihres Eisprungs – also die fruchtbare Phase des Zyklus – zu bestimmen.

Dies habe zur Folge, dass das Paar mehr über das Thema Sexualität und seine eigenen Bedürfnisse sprechen müsse, ergänzt Werner. Gerade darin liegt für sie ein Vorteil der Methode begründet, da sowohl die Frau als auch der Mann in die Verantwortung genommen würden. Außerdem würde die Frau ein stärkeres Körperbewusstsein als bei einer hormonellen Empfängnisregelung entwickeln.

Die natürliche Familienplanung kommt ohne hormonelle Zusatzmittel aus, sondern nimmt stattdessen den Zyklus der Frau in den Blick.
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"Erlaubte Inanspruchnahme unfruchtbarer Perioden"

Der NFP liegt in vielen Fällen die sogenannte Methode "Sensiplan" zugrunde (siehe Infokasten). Sie wurde 1981 an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf entwickelt und wird seit 1987 durch die Arbeitsgruppe NFP der Malteser gelehrt. Die wissenschaftliche Betreuung ist heute an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg angesiedelt. Der Begriff "Planung" ist dabei nicht zufällig gewählt: So wird die Methode in vielen Fällen auch angewandt, um eine Schwangerschaft zu erreichen. "Zudem hat das Wort 'Verhütung' oft einen negativen Beigeschmack", ergänzt Werner. Dennoch: Wer eine Schwangerschaft vermeiden möchte, kann nach Angaben der Malteser auf die NFP vertrauen. Bei richtigem Gebrauch liegt die Methode im selben Sicherheitsbereich wie die Pille, heißt es auf der Homepage der Arbeitsgruppe NFP.

Wer die natürliche Methode bei der Familienplanung anwendet, handelt entsprechend der Lehre der katholischen Kirche. Ehe und eheliche Liebe sind "in ihrem Wesen nach auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft ausgerichtet", heißt es in den Prinzipien der kirchliche Lehre in der Enzyklika "Humanae Vitae" von Papst Paul VI. (1963-1978). Wer mit Pille oder Kondom verhütet, widersetzt sich demnach dieser Aussage, denn: "Ebenso ist jede Handlung verwerflich, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzugs des ehelichen Aktes oder im Anschluss an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern, sei es als Ziel, sei als Mittel zum Ziel", heißt es weiter. Stattdessen gilt die "erlaubte Inanspruchnahme unfruchtbarer Perioden".

Nicht wie die Karnickel

Genau auf diesen Satz spielte auch Papst Franziskus an, als er bei seiner fliegenden Pressekonferenz im Anschluss an die Asienreise im Januar mahnte, Katholiken müssten sich nicht wie die Karnickel vermehren. Er plädierte vielmehr für eine "verantwortete Elternschaft". Damit erlaubte er nicht etwa künstliche Verhütung, wie mancher zu hören glaubte, sondern führte vielmehr das fort, was eben auch schon Paul VI. in Humanae Vitae schrieb: "Wenn also gerechte Gründe dafür sprechen, Abstände einzuhalten in der Reihenfolge der Geburten – Gründe, die sich aus der körperlichen oder seelischen Situation der Gatten oder aus äußeren Verhältnissen ergeben –, ist es nach kirchlicher Lehre den Gatten erlaubt, dem natürlichen Zyklus der Zeugungsfunktion zu folgen (…)".

Den Anteil der Frauen, die heute natürlich verhüten, schätzt Elena Werner in Deutschland auf etwa sechs Prozent. Das ist nicht viel. Doch diese Problematik beschäftigt nicht nur die deutsche Kirche – weltweit sorgt das Thema Verhütung in kirchlichen Kreisen für Gesprächsstoff. Nicht umsonst stand das Thema auch auf der Agenda der Weltbischofssynode, die im vergangenen Oktober im Vatikan stattfand und im kommenden Herbst mit einer ordentlichen Bischofssynode fortgeführt wird. Mehrmals sprachen die Bischöfe und die eingeladenen Laien über das Thema .

So lobte beispielsweise ein US-amerikanisches Ehepaar die Effizienz der kirchlich erlaubten Verhütungsmethode. Ein brasilianisches Paar , das in einer Laienorganisation aktiv ist, berichtete hingegen von seinen Zweifeln am kirchlichen Verbot künstlicher Verhütungsmittel. Die kirchlich erlaubten natürlichen Methoden seien "gut, aber uns scheinen sie nicht praktikabel", hieß es in dem vom Vatikan veröffentlichten Redetext. Denn auch wenn die Methode bei richtiger Anwendung sicher ist, erfordert sie doch ein großes Maß an Disziplin: "Die Sicherheit ist in hohem Maße vom Verhalten des Paares abhängig", heißt es auf der Seite der Malteser. Zudem müsse die Methode "erlernt werden" – drei Zyklen Lernphase geben die Malteser als Richtlinie an.

Positive Resonanz auf Hochzeitsmessen

Bei der Synode im kommenden Herbst wird das Thema eine weniger prominente Rolle spielen. In dem vom Vatikan veröffentlichten Fragebogen klingen die Fragen nach Familienplanung und Verhütung nur noch am Rande an. So wurde beispielsweise gefragt, welche Schritte geholfen haben, "das Leben und die Schönheit und menschliche Würde des Mutter- und Vaterwerdens, zum Beispiel im Licht von Humanae Vitae des seligen Paul VI. zu verkünden und zu fördern". Und wie könne die Pastoral darauf reagieren, dass viele die Ehe nicht mehr zwingend dahingehend begreifen, dass sie für Zeugung offen ist?

Auch wenn nur ein Bruchteil der Paare auf eine natürliche Verhütung setzt - die Resonanz auf das Angebot beschreibt Beraterin Elena Werner dennoch als positiv. Seit einiger Zeit sind sie und ihre Kolleginnen auch mit einem Stand auf Hochzeitsmessen im Erzbistum Köln unterwegs, um so auf das Thema aufmerksam zu machen. Auch wenn viele die NFP aus gesundheitlichen Gründen, wie beispielsweise einer hormonfreien Verhütung, praktizieren würden, ergäben sich trotzdem "tiefe Gespräche", so Werner. Dass die Methode dabei auf den kommerziellen Ausstellungen auch als Angebot des Erzbistums Köln beworben werde, störe die wenigsten. Im Gegenteil: "Viele finden das toll", sagt sie.

Von Sophia Michalzik

Weitere Informationen

Die "Natürliche Familienplanung" steht für mehrere Methoden der Empfängnisregelung. Neben der Methode Sensiplan gibt es beispielsweise auch die Natürliche Empfängnisregelung nach Josef Rötzer, der diese Methode im Auftrag der österreichischen Bischofskonferenz entwickelte. Die Malteser Arbeitsgruppe NFP, die die Methode Sensiplan lehrt, besteht seit 1981. Zu den Aufgaben der Arbeitsgruppe gehören unter anderem die wissenschaftliche Begleitung und Entwicklung von Konzepten und Perspektiven sowie das Informieren von Ärzten, Hebammen und Krankenschwestern. Zudem finden regelmäßig Ausbildungskurse für NFP-Berater statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Malteser sowie auf der Seite des Erzbistums Köln . (som)

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