So kommt Ihr Name zu Weihnachten nach Bethlehem

Jedes Jahr ziehen in der Heiligen Nacht zehntausende Menschen von Jerusalem nach Betlehem, zum Ort der Geburt Christi. Die Mönche der Jerusalemer Dormitio-Abtei machen es möglich.

Heiliges Land | Bonn - 10.12.2016

Jedes Jahr zu Weihnachten verbringen die Benediktiner-Mönche der Dormitio-Abtei in Jerusalem eine schlaflose Nacht. Sie wandern nach Bethlehem, den Ort, an dem vor 2.000 Jahren Jesus geboren wurde. Mit dabei auf dem rund zehn Kilometer langen Weg ist nun schon zum zehnten Mal eine dicke Schriftrolle mit besonderem Inhalt. Sie ist bedruckt mit den Namen zehntausender Menschen, die darum gebeten haben, von den Mönchen symbolisch an den Geburtsort Jesu mitgenommen zu werden. Die Benediktiner legen die Rolle auf den silbernen Stern in der Geburtsgrotte, genau da, wo die Krippe des Gottessohns gestanden haben soll.

"Offensichtlich gibt es da ein Bedürfnis"

"Ich trage Deinen Namen in der Heiligen Nacht nach Bethlehem" heißt die Aktion, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Mit mehr als 65.000 Namen war die Rolle im vergangenen Jahr mehrere Kilo schwer, die begleitende Spendenaktion brachte gut 100.000 Euro. "Dass wir nach Bethlehem wandern, ist ein uralter Brauch. Und es gab schon immer Menschen, die sagten, bittet doch für mich auf diesem Weg. Über die Jahre gab es mehr und mehr Anfragen. Uns wurde klar: Offensichtlich gibt es da ein Bedürfnis, also machen wir doch ein Angebot für alle daraus", erklärt Pater Nikodemus Schnabel, Prior-Administrator der Abtei.

In einer Kirche liegt eine Papierrolle über Altar und Ambo.
Segnungsfeier in der Dormitio-Abtei, kurz bevor die Rolle mit den Namen nach Bethlehem getragen wird.
 Dormitio-Abtei

Heute gibt es auf der Homepage der Abtei einen eigenen Bereich, auf dem sich Interessierte informieren können. Sie können ihren Namen und den ihrer Lieben in ein Online-Formular eintragen und an die Mönche schicken. Auch per E-Mail, Fax oder sogar Brief ist eine Anmeldung möglich. Wer bis 20. Dezember eine Nachricht an die Dormitio-Abtei gesendet hat, dessen Name wandert in der Weihnachtsnacht mit  – dabei sollte allerdings beachtet werden, dass Post nach Israel in der Regel etwas länger unterwegs ist. Noch während der Weihnachtsfeiertage verschickt die Abtei dann an alle elektronisch Angemeldeten eine E-Mail, in der sie berichtet, wie die jeweilige Aktion verlaufen ist. Auch einige Fotos werden angehängt.

Wie Pater Nikodemus erklärt, ist die Aktion inzwischen so gewachsen, dass der zuständige Bruder Natanael im November und Dezember damit voll ausgelastet ist. Zu seinen Aufgaben gehört neben der Namenssammlung auch, die Spendenkampagne zu organisieren, die das zweite Standbein der Aktion ist. "Zu Beginn haben uns Menschen angefragt, wie sie sich dafür bedanken können, dass wir ihre Namen nach Bethlehem tragen. Und so ist die Idee einer Spendenaktion entstanden", sagt Pater Nikodemus.

Der Erlös geht unter anderem an soziale Projekte im Heiligen Land. In diesem Jahr sind das die Schule des "Holy Child Program", die besonders Kinder mit Lernschwierigkeiten aufnimmt, eine Begegnungsstätte für behinderte und nicht behinderte Kinder namens "Ma’an lil-Hayat" und "Lifegate", eine Einrichtung im Stadtteil Beit Jala in Bethlehem, in der behinderte Menschen zu Handwerkern ausgebildet werden. Rund die Hälfte der Spendengelder geht an die Dormitio-Abtei für ihre unterschiedlichen Aufgaben, so etwa für die Sozialarbeit des Klosters, allen voran die Begegnungsstätte Beit Noah in Tabgha am See Genezareth.

Wenn die Emotionen blank liegen

Dass so viele Menschen ihre Namen nach Bethlehem getragen wissen wollen, erklärt sich Pater Nikodemus vor allem mit dem besonderen Charakter von Weihnachten. In diesen Tagen werde den Menschen bewusst, in welchen Lebensumbrüchen sie gerade steckten. Das könne ein Berufswechsel sein, ein Schulabschluss oder eine bevorstehende Operation im Krankenhaus. Auch das erste Fest ohne den verstorbenen Partner oder die gerade ausgezogenen Kinder sei nicht leicht: "Oft liegen die Emotionen der Menschen blank. Da freuen sie sich über eine Unterstützung im Gebet", ist die Erfahrung des Paters.

Neben ihren Namen können die Menschen auch Gebetsanliegen an die Mönche schicken. Sie werden wegen der schieren Menge zwar nicht mit nach Bethlehem getragen, aber unter anderem in die Fürbitten der Segnungsfeier vor Beginn der Wanderung mit aufgenommen. Auf ihrer Homepage hat die Dormitio-Abtei einige Anliegen und Rückmeldungen der vergangenen Jahre aufgeführt. "Ich habe heute erfahren, dass der liebe Freund schwer krank ist. Bitte nehmen sie ihn auf in ihr Gebet", steht da. Oder "Lieber Gott, wir danken Dir für die Gesundheit unserer Kinder und dass Du uns nach 29 Jahren wieder zusammengeführt hast." Viele sehen die Teilnahme aber auch schlicht als Geschenk: "Sie hat es sich zu Weihnachten gewünscht!!!", hat jemand an die Mönche geschrieben.

Weihnachten: Gott wird Mensch

"Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude": So beginnt der Bericht des Evangelisten Lukas über die Geburt Jesu, die Christen alljährlich am 25. Dezember feiern. Das Dossier informiert über die Bedeutung von Weihnachten, bekannte Bräuche sowie spannende Hintergründe rund um das Fest.

Zum Dossier

Mancherorts wird aus der Aktion sogar ein richtiges Event: Die Abtei bekommt von Kindergartengruppen bunt gestaltete Plakate mit Namen, Lehrer lassen ihre Schüler teilnehmen, um ihnen das Weihnachtsgeschehen zu vergegenwärtigen, Pfarreien gestalten ganze Adventsabende, um Spenden zu akquirieren. Post aus der ganzen Welt erreicht die Abtei. Die meisten Nachrichten kommen jedoch aus dem deutschsprachigen Raum, gefolgt von mehr als 10.000 Zuschriften aus Bosnien und Kroatien, auch asiatische Schriftzeichen entziffern die Mönche.

Weihnachten in Stille

Alle Teilnehmer sind symbolisch bei einem Weihnachtsgeschehen dabei, das nach Ansicht von Pater Nikodemus etwas ganz Besonderes ist – und im größtmöglichen Kontrast zum hektischen Weihnachtstrubel hierzulande steht: Denn die Christen bildeten im Heiligen Land nur eine kleine Minderheit von zwei Prozent der Bevölkerung. Da gehe Weihnachten quasi unter: "Wenn wir — wie vor 2.000 Jahren die Hirten — in Bethlehem ankommen, begrüßt uns am Ortsrand der Muezzin. Aber die Geburtskirche, der zentrale Ort des Weihnachtsgeschehens, ist um diese Zeit leer. Wir haben sie ganz für uns allein. Da fühle ich mich an das Weihnachtsgeschehen im Stall erinnert, von dem auch erstmal keiner etwas mitbekommen hat, das in Stille vor sich ging."

Von Gabriele Höfling

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