Synode setzt auf Arbeit im kleinen Kreis

Die Spannung, mit der in der Kirche die Familiensynode erwartet wurde, ist an den ersten Tagen auch bei den Teilnehmern spürbar. Zunächst verlief die Debatte daher noch zurückhaltend. Intensiver dürfte es in der deutschsprachigen Kleingruppe zugehen.

Familiensynode | Vatikanstadt - 07.10.2015

Schon die ersten Beratungsrunden machen deutlich, dass bei dieser Synode vieles anders ist als bei früheren Weltbischofstreffen. Die gründliche Vorbereitung durch zwei weltweite Umfragen, durch eine kleine Synode im Herbst 2014 und ein ganzes Jahr der Reflexionen haben die Erwartungen gesteigert. Am Ende der drei Wochen müssen die 270 Synodalen dem Papst einen Katalog mit Empfehlungen zur "Berufung und Mission der Familie in der Kirche in der heutigen Welt" übergeben. Und Franziskus muss auf dieser Grundlage eine der wichtigsten Entscheidungen seines Pontifikats treffen.

Entsprechend angespannt wirkten die ersten Sitzungen. Teilnehmer sprachen von einem abwartenden Abtasten. Das Einführungsreferat habe den Akzent besonders auf die Kontinuität der geltenden Lehre zu Ehe und Familie gelegt. In der folgenden Aussprache seien dann freilich sehr unterschiedliche Positionen, Erfahrungen und pastorale Anregungen eingebracht worden. Und Kardinal Reinhard Marx soll italienischen Medien zufolge bemängelt haben, das Grundlagenreferat habe die Diskussionen der vergangenen zwölf Monate zu wenig berücksichtigt.

Die ersten 72 Wortmeldungen der Synodalen deckten ein breites Spektrum von Themen ab. Besonders häufig tauchte die Forderung nach einer zeitgemäßeren Sprache der Kirche auf. Ihre Aussagen zu Ehe und Familie erreichten die Menschen heute allein wegen der verwendeten Begriffe oft nicht mehr. Ein zweiter Schwerpunkt war die Belastung der Familien durch Migration, Flucht und Vertreibung. Wobei es nicht nur um die Kriegsgebiete im Nahen Osten, sondern auch um Probleme in Europa ging.

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Vom 4. bis 25. Oktober 2015 tritt die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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Die Plenardebatten sind diesmal freilich weniger wichtig als früher. Denn die neuen Spiegelregeln der Synode verlagern den Schwerpunkt aus der Aula in die 13 kleinen Sprachgruppen. Dort können sich nicht nur die Mitglieder zu Wort melden, dort haben auch die Berater und Experten Rederecht. Und die Redezeit ist hier nicht von vorneherein beschränkt.

Deutsche Sprachgruppe lässt interessante Debatten erwarten

13 Mal - und für insgesamt fast 40 Stunden - treten diese Sprachgruppen zusammen: Vier diskutieren auf Englisch, je drei auf Französisch und Spanisch, zwei auf Italienisch und eine auf Deutsch. Gerade dieser Zirkel lässt eine intensive und interessante Sachdiskussion erwarten. Denn aus dem deutschen Sprachraum gehören der Synode neben den drei Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz - Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof Heiner Koch und Bischof Franz-Josef Bode - auch die römischen Kardinäle Walter Kasper, Gerhard Ludwig Müller und Kurt Koch teil. Als theologisches Schwergewicht mit internationalem Einfluss ist weiter der Wiener Kardinal Christoph Schönborn Mitglied der Synode. Die Regie der Synode wollte es, dass die meisten von ihnen - die dank guter Fremdsprachenkenntnisse früher durchaus auch andere Zirkel auswählten - diesmal dem deutschen zugewiesen wurden.

Prominent besetzte deutsche Gruppe

Bei der Bischofssynode in Rom haben die deutschsprachigen Kardinäle und Bischöfe eine von der Zusammensetzung her besonders stark beachtete Gruppe gebildet. Wie am Dienstag im Vatikan bekannt wurde, nehmen am "deutschsprachigen Kreis" mindestens sechs Kardinäle von internationalem Rang teil. Im Einzelnen sind dies dem Vernehmen nach die Kurienkardinäle Walter Kasper (82), Kurt Koch (65) und Gerhard Ludwig Müller (67), die Kardinäle Reinhard Marx (62) und Christoph Schönborn (70) sowie der litauische Kardinal Audrys Backis (78). Beobachter erwarten innerhalb der deutschsprachigen Gruppe ein intensives theologisches Ringen. Absehbar ist ein Kontrast zwischen Kasper und Marx auf der einen Seite, die sich als Befürworter eines "Wegs der Barmherzigkeit" für wiederverheiratete Geschiedene profiliert haben, und Müller, der als Präfekt der Römischen Glaubenskongregation die traditionelle Ehelehre mit einer strikten Anwendung des Unauflöslichkeitsprinzips verteidigt, auf der anderen. (KNA)

Wöchentliche Berichte für das Plenum

Auch wenn die deutschsprachigen Kardinäle, die unbestritten unterschiedliche theologische und pastorale Akzente setzen, durchaus und regelmäßig miteinander im Gespräch sind, dürfte ein so langer und intensiver Meinungsaustausch eine Premiere sein. Wie alle Sprachgruppen müssen sie jede Woche einen gemeinsamen Bericht im Plenum präsentieren. Vermutlich wird dieser dort aufgrund der besonderen Zusammensetzung eine ganz eigene Aufmerksamkeit finden.

Und er dürfte auch angemessen in die Zusammenfassungen eingehen, aus denen das zehnköpfige Redaktionskomitee die drei Wochenberichte und dann den Endbericht der Synode erstellt. Der geht zum Abschluss der dreiwöchigen Beratungen an den Papst. Ihm bleibt es überlassen, wie er damit weiter verfährt: ob und wann er daraus ein Dokument für die Weltkirche erstellt. Und ob er den Bericht selbst vielleicht schon vorab veröffentlichen lässt - wie er es nach der Synode 2014 spontan veranlasste.

Papst betont Kontinuität

Mit einer ungewöhnlichen Intervention hat Franziskus in die Debatte eingegriffen und die Kontinuität zwischen der Vorgänger-Synode und der jetzigen Bischofsversammlung betont. Die offiziellen Texte von 2014 seien seine Reden zur Eröffnung und zum Abschluss sowie das Schlussdokument (relatio finalis). Die kirchliche Ehelehre sei durch die damalige Synode nicht verändert worden, wies er anderslautende Interpretationen zurück.

Von Johannes Schidelko (KNA)

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