Synode will klaren Perspektivwechsel

Am Samstagabend ist die sechste Vollversammlung der Trierer Synode zu Ende gegangen. Sie stellte erste Weichen für den künftigen Kurs der Diözese: Mehr Orientierung am Einzelnen, größere Pfarreinheiten und andere Empfehlungen.

Bistum Trier | Trier - 13.12.2015

Es ist schon die sechste Vollversammlung der 2013 gestarteten Trierer Bistumssynode, doch es geht recht abstrakt zu am Freitag. Die rund 280 Teilnehmer diskutieren über die Charismen der Gläubigen, über "Individualisierung und Pluralisierung der Gesellschaft", über den Niedergang der volkskirchlichen Strukturen - keine leichte Kost. Da entschließt sich Pfarrer Volker Malburg, ein anschaulicheres Bild zu verwenden. "Es fehlt an Sternsingern, es fehlt an Freiwilligen für die Altkleidersammlung, es fehlt, es fehlt, es fehlt", das sei die übliche Klage vieler Gläubigen.

Malburg vergleicht das mit dem Kochen: Man könne perfekt vorbereitet einkaufen gehen, um dann schließlich am Herd festzustellen, dass man eine entscheidende Zutat doch vergessen habe. Oder aber man schaue einfach in den Kühlschrank, was dort noch so drin sei, und mache dann mit etwas Kreativität das Beste aus den vorhandenen Zutaten. Auch für die Gläubigen komme es darauf an, das Beste aus dem Rückgang der alten Volkskirche zu machen, verdeutlicht Malburg.

Die Küchenmetaphorik wird bald zu einem der beliebtesten Sprachbilder der Vollversammlung. Nur die Formulierung "wie schon Papst Franziskus sagt" ist noch häufiger zu hören. Dieser hatte erst vor wenigen Wochen mit den Bischöfen aus aller Welt um den Kurs in Ehe- und Familienfragen gerungen. Die Frage nach dem richtigen Umgang etwa mit wiederverheirateten Geschiedenen oder Homosexuellen und nach der Rolle von Frauen bewegt auch die Trierer Synode.

Einige Vorbehalte von Bischof Ackermann bei Antragstexten

Da wird mitunter Frust geäußert, wenn etwa eine Teilnehmerin sagt: "Ich habe einen vollen Kühlschrank, ich kann gut kochen - ich darf aber nicht." Oder wenn eine Pastoralreferentin einen deutlichen Paradigmenwechsel fordert: "Was sage ich dem einzelnen schwulen oder lesbischen Paar, das den Segen von der Kirche haben will? Das ist für mich die Bewährung hier bei der Synode."

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann spricht bei der sechsten Vollversammlung der Bistumssynode.
 KNA

Doch bei aller Kritik: Die Stimmung während dieser vorletzten Vollversammlung der Synode ist konstruktiv. Bischof Stephan Ackermann macht deutlich, wo sein Handlungsspielraum endet: Gemäß dem Kirchenrecht kann die Trierer Synode keine Veränderungen bei Glaubens- und Lehrfragen herbeiführen. Bei den zahlreichen Antragstexten äußert Ackermann daher einige Vorbehalte gegenüber einzelnen Formulierungen, die jedoch nach Debatten mit pragmatischen Kompromissen ausgeräumt werden können.

Im Dezember 2013 begann die Synode. Nach genau zwei Jahren Beratung hätte das Trierer Treffen eigentlich die Abschlussveranstaltung werden sollen. Doch wegen des hohen Beratungsbedarfs geht die Synode nun in die Verlängerung; im April 2016 soll ein Abschlussdokument verabschiedet werden. Der Bischof und viele Teilnehmer sind jedoch erkennbar daran interessiert, bereits bei diesem Plenum wichtige Pflöcke einzurammen.

Laien sollen mehr Mitsprache erhalten

Mit großer Mehrheit von über 80 Prozent verabschieden die Synodalen mehrere Beschlussempfehlungen, die sich "Perspektivwechsel" nennen. Die Laien sollen demnach mehr Mitsprache erhalten. Die Kirche solle nicht mehr "rein aufgabenorientiert", sondern künftig "vom Einzelnen her denken", sein Charisma entdecken. Es gehe darum, "nicht mehr zu fragen: Passen die Menschen in die Kirche - und wenn sie nicht passen, werden sie passend gemacht -, sondern stärker auf den Einzelnen zu schauen, seine Würde, seine Fragen, sein Engagement, seine Brüche", erklärt der Bischof.

Linktipp: Synode will Abschied von Kleinstpfarreien

Die Synode im Bistum Trier hat sich für einen Abschied von der bestehenden kleinteiligen Pfarreienstruktur ausgesprochen. Damit werden die knapp 900 Pfarreien der Diözese mittelfristig wohl zu weniger als 100 Seelsorgeeinheiten zusammengelegt.

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Auch wenn es um spürbare Einschnitte geht, werden die Synodalen deutlich. Für die bestehende kleinteilige Pfarreienstruktur, für "eine gleichmäßige, flächendeckende seelsorgliche Versorgung" sehen sie keine Zukunft. Aus fast 900 Pfarreien im Bistum sollen, so eine erste Orientierungsgröße, unter hundert Großpfarreien werden.

Ob und wie diese und andere bisweilen radikal klingenden Ideen konkret umgesetzt werden, ist noch offen. Trotz des sich abzeichnenden hohen Konsenses gilt: Alle verabschiedeten Anträge stehen unter dem Vorbehalt eines endgültigen Beschlusses im April. Eine neu gewählte Redaktionskommission soll bis dahin ein Abschlussdokument formulieren.

Von Michael Merten (KNA)

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