Theologe: Kirche hat Pillen-Verbot als Irrweg erkannt

1968 sorgte ein Aspekt von "Humanae vitae" für weltweite Kritik: Der Papst verbot Katholiken den Gebrauch von Verhütungsmitteln. Laut einem Theologen hat sich in der Kirche inzwischen aber ein Wandel vollzogen.

Kirche | Wien - 12.07.2018

Der Papst und viele Bischöfe haben nach Ansicht des Moraltheologen Eberhard Schockenhoff das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung "als Irrweg erkannt". Benedikt XVI. und erst recht Papst Franziskus seien bei diesem Thema weit zurückhaltender als ihre Vorgänger, sagte Schockenhoff der Wiener Presseagentur Kathpress (Donnerstag). "Ein Papst kann nicht einfach seine Vorgänger korrigieren und sagen, der hat sich geirrt, sondern er versucht einfach, das nicht mehr mit der gleichen Lautstärke und Verbindlichkeit einzufordern."

In seiner am 25. Juli 1968 veröffentlichten Enzyklika "Humanae vitae" zur Würde des menschlichen Lebens betonte Papst Paul VI. (1963-1978) unter anderem das Nein zu künstlichen Verhütungsmitteln wie der Pille und zog damit viel Kritik auf sich. Er warnte vor Folgen wie einer Degradierung der Frau zum Lustobjekt, Missbrauch für staatlich gelenkte Bevölkerungspolitik und der Förderung sexueller Untreue. Johannes Paul II. (1978-2005) bekräftigte das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung.

Schockenhoff: Lehramtlicher Akzent liegt heute auf Werthaltungen

Laut Schockenhoff liegt dagegen heute der lehramtliche Akzent von Papst und Bischöfen stärker auf Werthaltungen wie ehelicher Treue, Respekt und Rücksichtnahme. Dieser "eigentliche Sinn" von "Humanae vitae" werde hochgehalten, ohne bis ins Einzelne "der Schöpfungsordnung entsprechende" Methoden der Familienplanung abzuleiten.

Papst Paul VI. zog mit dem Verbot von Verhütungsmitteln wie Pille und Kondom viel Kritik auf sich. Der Kern der Enzyklika, die Betonung von ehelicher Treue und einer Liebe, die Körper und Geist umfasst, wurde lange Zeit wenig rezipiert.
 KNA

Im Kern richtet sich das Schreiben mit dem Untertitel "Über die Weitergabe des Lebens" gegen eine Reduzierung von Liebe auf den körperlichen Aspekt und ihre Herabwürdigung zum Konsumgut. Sexualität, Ehe und Fortpflanzung dürfen nach Ansicht von Paul VI. nicht grundsätzlich voneinander getrennt werden.

Rund um den 50. Jahrestag von "Humanae vitae" widmen sich Theologen und katholische Medien der Entstehungsgeschichte der Enzyklika und ihrer Rezeption. Gilfredo Marengo, Vorsitzender einer von Papst Franziskus eingesetzten Kommission, die die Entstehung von "Humanae vitae" untersuchen sollte, veröffentlichte in dieser Woche ein Buch, das neue Details über die Entstehung berichtet. Demnach habe Papst Paul VI. während der ersten Bischofssynode im Herbst 1967 die anwesenden rund 200 Bischöfe um ihre Meinung zur hormonellen Empfängnisregelung befragen lassen. (luk/KNA)

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