Theologinnen fordern Weiheamt für Frauen

Ein ökumenischer Kongress in Osnabrück forderte: In der katholischen Kirche müssen Frauen zu Weiheämtern zugelassen werden. Die Teilnehmerinnen erhielten dabei Unterstützung eines katholischen Bischofs.

Kirche | Osnabrück - 13.12.2017

Katholische und evangelische Theologinnen und Theologen sowie Verbände und Einrichtungen beider Konfessionen haben vor einem Scheitern der Ökumene wegen der Frage des Kirchenamts für Frauen gewarnt. Wie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) am Dienstag mitteilte, beschlossen mehr als 120 Teilnehmer des Kongresses "Frauen in kirchlichen Ämtern. Reformbewegungen in der Ökumene" am Wochenende in Osnabrück sieben Thesen, in denen sie die Präsenz von Frauen in allen kirchlichen Ämtern fordern.

"Die Frage nach der Einheit der Kirchen kann ohne eine Besprechung dieser Frage nicht beantwortet werden", erklärte die Mit-Veranstalterin Dorothea Sattler. Neben der Leiterin des Ökumenischen Instituts der Universität Münster wurden die Thesen von den Professorinnen Margit Eckholt (Osnabrück), Ulrike Link-Wieczorek (Oldenburg) und Andrea Strübind (Oldenburg) unterzeichnet, die den Kongress vorbereitet hatten. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der ebenfalls teilnahm, bezeichnete die Veranstaltung als wichtigen Schritt hin zu einem vertieften und selbstverständlicheren Miteinander von Mann und Frau auf allen Ebenen von Kirche.

Teilnehmer: Katholische Kirche hat Bringschuld

Mit Blick auf die "Osnabrücker Thesen" (siehe unten) verpflichteten sich die Teilnehmer des Kongresses vom 6. bis 9. Dezember dazu, neben der Frage nach der Weihe von Frauen auch andere Formen "einer zu wenig sensiblen Gestaltung der Geschlechtergerechtigkeit" zu überwinden zu versuchen. Je nach konfessioneller Tradition wollen sie "dem kritischen Gespräch mit den verantwortlichen kirchenleitenden Persönlichkeiten" nicht ausweichen und weiterhin theologische Beiträge "zu der erforderlichen Differenzierung zwischen der Öffnung des Diakonats und anderer Ämter für Frauen innerhalb des einen (sakramentalen) Ordo leisten." Jede der Thesen wird in der Erklärung ausführlich erläutert. 

Die Teilnehmer des Ökumenischen Kongresses "Frauen in kirchlichen Ämtern - Reformbewegungen in der Ökumene": Eva-Maria Faber, Andrea Strübind, Bischof Franz-Josef Bode, Margit Eckholt, Dorothea Sattler und Ulrike Link-Wieczorek.
 Universität Osnabrück/Elena Scholz

Aus Sicht der Wissenschaftler hat unter anderem die katholische Kirche eine Bringschuld gegenüber Frauen. Es brauche theologische Gründe, wenn "charismatisch begabte Frauen" heute in der Mehrheit der Kirchen "noch immer von der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums ausgeschlossen bleiben". Vor Gott hätten Mann und Frau die gleiche Würde, so die Kongressteilnehmer. Zudem überwinde die durch Taufe begründete Zugehörigkeit zu Christus soziale und religiöse Grenzen. Somit stelle sich die Frage, "ob es hinreichend Argumente gibt, den Kreis der möglichen Amtsträger auf Männer zu beschränken". Dazu müsse es eine "göttliche Weisung" für die institutionelle Gestalt der Kirche geben.

Ihre kritischen Fragen an die Kirche wollen die Theologen nicht als vom Zeitgeist geleitet verstanden wissen. Vielmehr seien sie ein "Erweis für die Bereitschaft von Frauen, ihre Berufung zum Dienst an der Verkündigung des Evangeliums" wahrzunehmen. Der Kongress befasste sich mit dem Thema aus biblischer, historischer und kirchenrechtlicher Perspektive.

Bischof Bode: Kirche muss sich mit den Ergebnissen auseinandersetzen

Das Weiheamt in der katholischen Kirche ist in drei Stufen gegliedert: Diakonat, Priestertum, Episkopat. Deshalb gilt etwa das Diakonat der Frau nicht nur seinen Gegnern als Einfallstor für die Priesterweihe von Frauen. "Ist es unabdingbar, dass wir diese drei Ämter, die wir jetzt im Ordo haben, genau immer so verstehen, wie wir es bisher tun?", fragte Bischof Bode gegenüber Radio Vatikan. Oder könne man sie angesichts der heutigen Erfordernisse neu denken?

"Denn die Wahrheit gestaltet sich – wie Jesus ja auch sagt: Weg, Wahrheit und Leben – als Weg und als Leben, das heißt, es muss auch ein Dialog geschehen", so Bode, der zugleich in der Deutschen Bischofskonferenz der Vorsitzende der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft ist. Durch Papst Franziskus sei ein Klima in der Kirche entstanden, in dem das Gespräch über die Ämterfrage und die zukünftige Ausgestaltung der Ämter weitergeführt werden könne.

Die Teilnehmerinnen der Tagung hätten "redlich und gewissenhaft diskutiert" und mit den Ergebnissen "muss die Theologie, muss das Amt, muss die Kirche sich auseinandersetzen". Er wolle die Frage des Zugangs von Frauen zu kirchlichen Ämtern und Diensten in Form einer Arbeitsgruppe in die Bischofskonferenz hineintragen, sagte Bode. Auch die römische Glaubenskongregation könne sich durchaus damit befassen, ergänzte der Bischof. (mit Material von KNA)

Von Agathe Lukassek

Wortlaut der "Osnabrücker Thesen"

1) Das erklärte Ziel der ökumenischen Bewegung, die sichtbare Einheit der Kirchen, ist nicht zu erreichen ohne eine Verständigung über die Präsenz von Frauen in allen kirchlichen Ämtern.

2) Frauen in kirchlichen Ämtern verändern das Fremd- und das Selbstbild jeder Glaubensgemeinschaft tiefgreifend.

3) Nicht der Zugang von Frauen zu den kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss.

4) Die Diskussion darüber, ob Gott eine unveränderliche Anweisung gegeben habe, wie oder durch wen Gott durch das kirchliche Amt bezeugt werden soll, kann und muss offen bleiben.

5) Die Unterscheidung von spezifischen Diensten innerhalb des einen (sakramentalen) Amtes (Episkopat, Presbyterat und Diakonat) hat sich geschichtlich entwickelt und kann in ökumenischer Perspektive weiterentwickelt werden. Alle Dienstformen sollen für Frauen geöffnet werden. Dabei ist darauf zu achten, dass keine geschlechtsspezifische Festlegung erfolgt.

6) Die kritischen Anfragen an die kirchliche Lehrbildung im Hinblick auf den Ausschluss von Frauen von kirchlichen Diensten und Ämtern sind ein Erweis für die Bereitschaft von Frauen, ihre Berufung zum Dienst an der Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat wahrzunehmen.

7) Der Geist Jesu Christi verpflichtet uns, uns mit den unterschiedlichen theologischen Überzeugungen in der Frage der kirchlichen Ämter stets mit Wertschätzung und versöhnungsbereit argumentativ im Miteinander zu befassen.

Linktipp: "Die Frauenfrage hat Sprengpotential"

Papst Johannes Paul II. hat die Frage nach der Priesterweihe von Frauen für beendet erklärt. Zu Unrecht, meint die Dogmatikerin Johanna Rahner. Es gebe auch Argumente für das Priestertum der Frau. (Interview vom Mai 2017)

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