Verurteilter empfing vor Hinrichtung die Kommunion

24 Jahre wartete Lendell Lee auf die Vollstreckung seines Todesurteils. Nun wurde er durch eine Giftspritze hingerichtet. Statt einer Henkersmahlzeit hatte er zuvor einen anderen Wunsch.

USA | Grady - 21.04.2017

Der verurteilte Mörder Ledell Lee hat vor seiner Hinrichtung im US-Bundesstaat Arkansas die Kommunion empfangen. Salomon Graves, der Sprecher der Gefängnisverwaltung, teilte mit, der Todeskandidat habe vor der Vollstreckung seiner Todesstrafe auf eine letzte Mahlzeit verzichtet. Die Hinrichtung war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (Ortszeit) durch eine Giftspritze im Gefängnis des Bundesstaates in Grady vollzogen worden. Welcher Religion Lee angehörte und von welcher Konfession er die Kommunion erhielt, ist nicht bekannt.

Lee war für den Mord an einer 26-jährigen Frau im Jahr 1993 zum Tod verurteilt worden, hatte aber bis zuletzt seine Unschuld beteuert. Die Hinrichtung Lees war die erste seit zwölf Jahren in Arkansas. Er war einer von acht Häftlingen, deren Todesurteil der US-Bundesstaat innerhalb von elf Tagen nach Ostern vollstrecken wollte. Der Grund für die zeitnahen Exekutionen ist das nahende Ablaufdatum einer Substanz der Giftspritze, die zur Hinrichtung verwendet wird. Verschiedene Gerichtsurteile erwirkten eine vorläufige Aussetzung der anderen sieben Hinrichtungen. Auch Lees Exekution war noch bis wenige Stunden vor seinem Tod Gegenstand von Gerichtsverhandlungen gewesen.

Anthony B. Taylor, der Bischof der Diözese Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas, hatte bereits im März die Aussetzung der Todesurteile gefordert. In einem Brief an den Gouverneur Asa Hutchingson hatte Taylor an die Menschenwürde der Todeskandidaten erinnert. Helen Prejean, US-Ordensschwester und Aktivistin gegen die Todesstrafe, verurteilte die Hinrichtung durch die Giftspritze. Sie rief zum Gebet für die Familien Lees und des Opfers auf. Prejean wurde international durch ihr Buch "Dead Man Walking" über den Insassen einer Todeszelle bekannt. (rom)

Linktipp: Katholiken protestieren gegen Exekutions-Offensive

Weil die Haltbarkeit des Gifts abläuft, will der US-Bundesstaat Arkansas acht Männer innerhalb von zehn Tagen hinrichten. Die Kirche protestiert - unter anderem mit einem besonderen Gebet.

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