Von Alleinerziehenden und Spätgebärenden

In der Bibel kommen besonders Mütter immer wieder vor. Zum Muttertag bietet sich ein Blick in die fünf ungewöhnlichsten Geschichten der Bibel an.

Muttertag | Bonn - 14.05.2017

In der Bibel spielen Mütter eine wichtige Rolle. Beinahe 300 Mal wird das Wort "Mutter" erwähnt. Die Großmutter hingegen nur einmal. Die Bibel malt vielfältige Bilder von Müttern - von der alleinerziehenden Mutter bis zur Spätgebärenden. katholisch.de hat sich fünf Mütter der Bibel näher angesehen.

Ein Ölgemälde der biblischen Szene des Sündenfalls.
Im Paradies reicht Eva dem Adam eine Frucht vom verbotenen Baum.
 katholisch.de

Eva, die Mutter alles Lebendigen

"Der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, Leben, denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen." (Genesis 3,20)

Eva, die erste Mutter. Sie wird im Alten Testament im zweiten Schöpfungsbericht genannt: Als Frau, die Gott aus einer Rippe des Mannes formte. Eva gilt daher als Stamm- oder Urmutter der Menschheitsgeschichte. Nach dem sogenannten Sündenfall gibt der Mann ihr den Namen Eva, was "die Leben Schenkende" oder "Mutter des Lebens" bedeutet. Eva wird damit zur Mutter aller Menschen. Weil Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen haben und aus dem Paradies vertrieben wurden, soll Eva unter Schmerzen Kinder gebären. In Genesis 3,16 spricht Gott zu ihr: "Viel Mühsal bereite ich dir und häufig wirst du schwanger werden. Unter Schmerzen gebärst du Kinder."  Daran erinnert auch eine andere Stelle in der Bibel in Jesus Sirach 7,27: "Mit ganzem Herzen ehre deinen Vater und vergiss nicht der Mutter Wehen."

Nach der Vertreibung aus dem Paradies wird Eva namentlich nur noch bei der Geburt ihrer drei Söhne erwähnt. Ihnen gibt sie die Namen Kain, Abel und Set. Dass einer ihrer Söhne den anderen erschlug, dürfte wohl ihr Mutterherz gebrochen haben, doch dazu sagt die Bibel nichts. Danach wurde Eva noch einmal schwanger und gebar den Nachzügler Set, was übersetzt so viel "Setzling" bedeutet. Für Eva ist die erneute Schwangerschaft wie ein Neuanfang. "Denn sie sagte: Gott setzt mir einen anderen Nachkommen anstelle Abels, weil Kain ihn getötet hatte (Genesis 4, 25)."  Die Geburt ihres Sohnes Set scheint Eva als besondere Zuwendung Gottes zu erfahren. Ein Hoffnungszeichen des Lebens.

 

Abraham schickt Hagar und Ismael in die Wüste. Sara und Isaak sehen im Hintergrund zu.
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Sara, die späte Mutter

"Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch Liebeslust erfahren?" (Genesis 18,12)

Sara war die Frau von Abraham und auch die Mutter von Isaak. Bis ins hohe Alter war sie unfruchtbar und rechnete nicht mehr damit, dass sie noch einen Sohn auf die Welt bringen würde. Sara erging es nicht mehr, wie es Frauen zu ergehen pflegt, so beschreibt es die biblische Erzählung in Genesis 18,11. Sara, zu Beginn noch Sarai genannt, gilt als eine der "Erzmütter Israels". Sie zieht mit ihrem 75-jährigen Mann Abraham und seinem Neffen Lot in das Land, das Gott Abraham verheißen hat und muss es schon bald wieder wegen einer Hungersnot nach Ägypten verlassen. Dort gibt Abraham seine schöne Frau als Schwester aus, damit der Pharao ihn nicht tötet. Tatsächlich nimmt der Pharao Sara zur Frau und beschenkt den vermeintlichen Bruder mit Reichtümern. Nach einem Eingreifen Gottes wird der Betrug jedoch entdeckt und das Ehepaar kehrt ins verheißene Land zurück. Die kinderlose Sara veranlasst Abraham, mit ihrer Magd Hagar ein Kind zu zeugen, um "durch sie zu einem Sohn" zu kommen. Eine Form der Leihmutterschaft also. Als Hagar schwanger wird, kommt es allerdings zum Konflikt zwischen den Frauen.

Eines Tages besuchen drei Männer unangekündigt das Ehepaar. Am Eingang des Zeltes hört Sara, wie Gott durch die drei Männer ihr die Geburt eines Sohnes verheißt. Sara lachte still in sich hinein und dachte: "Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch Liebeslust erfahren?" (Genesis 18,12) Tatsächlich ist Sara laut biblischem Bericht schon 90 Jahre alt, als sie ihren Sohn zur Welt bringt. Sie nennt ihn Isaak, "der Lachende" (Genesis 21,3). So erklärt Sara in Genesis 21, 6 den Namen so: "Gott ließ mich lachen; jeder, der davon hört, wird mir zulachen". Die Geburt eines Sohnes im hohen Alter erlebte Sara bestimmt wie ein Wunder und einen besonderen Gnadenerweis Gottes. Im Hebräerbrief 11,11 wird dieses Geschenk der späten Schwangerschaft folgendermaßen erklärt: "Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden." Hier wird Saras starker Glaube als Zeichen für ihre Schwangerschaft gewertet. Als Sara Konflikte Isaaks mit Hagars Sohn Ismael befürchtet, lässt sie die Magd wegschicken. Das Dreiecksverhältnis scheint in der Bibel nicht zu funktionieren. Sara stirbt mit 127 Jahren.

 

Mose wird von der Tochter des Pharao aus dem Nil gerettet und von ihr aufgezogen.
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Jochebed, die Mutter von Mose

"Als sie ihn nicht mehr verborgen halten konnte, nahm sie ein Binsenkästchen, dichtete es mit Pech und Teer ab, legte das Kind hinein und setzte es am Nilufer im Schilf aus." (Exodus 2,3)

In der Bibel ist Jochebed die Frau Amrams und die Mutter von drei Kindern, Mose, Aaron und Mirjam. Nach biblischem Bericht hat sie ihren ersten Sohn ausgesetzt, "weil sie sah, das er schön war" (Exodus 2,2) und aus Angst, dass er getötet werden würde. Zuerst versteckte sie ihr Kind drei Monate lang, weil der Pharao angeordnet hatte, alle hebräischen männlichen Neugeborenen töten zu wollen. Jochebed will ihr Kind schützen und es vor dem sicheren Tod bewahren. Also setzte sie ihren Sohn in einem Binsenkästchen, das sie mit Pech und Teer abgedichtet hatte, auf dem Nil aus, wo es von der Tochter des Pharao gefunden wurde. Diese hatte Mitleid mit dem Kind, rettete es und gab ihm später den Namen Mose. Moses Schwester schlug vor, eine hebräische Amme zu holen, die das Kind stillen könne. Die Tochter des Pharao willigte ein und daraufhin holte sie Jochebed herbei. Somit konnte Jochebed ihren eigenen Sohn stillen und großziehen. Als das Kind größer war, brachte sie ihn der Tochter des Pharao. Mose wird als Adoptivkind am Hof des Pharao großgezogen und rettet später das Volk Israel aus der Gefangenschaft.

Die Geschichte von der Aussetzung ihres Sohnes Mose ist eine Notlösung für Jochebed. Bestimmt war es nicht einfach für sie, ihren Sohn loszulassen. Doch ihre Klugheit hat ihr Kind gerettet. Aaron, der zweite Sohn, wurde ein bedeutender Priester, der Mose unterstützte und ihre Tochter Mirjam war eine Prophetin, die die Tamburin-Trommel spielen konnte und den Reigentanz anführte (Exodus 15,20): "Alle Frauen zogen mit Paukenschlag und Tanz hinter ihr her". Alle drei Kinder waren bedeutende Persönlichkeiten im Volk Israel. Die Geschichte von Jochebed erzählt vom Mut einer Mutter, ihrer Weisheit, das eigene Kind unter gefährlichen Umständen retten zu wollen, und einer großen mütterlichen Liebe zu ihren Kindern.

Die mit Jesus schwangere Maria besucht die hochbetagte und ebenfalls schwangere Elisabeth.
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Elisabeth, die Mutter Johannes des Täufers

"Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib." (Lukas 1,41)

Elisabeth ist die Mutter von Johannes dem Täufer. Nach dem biblischen Bericht im Lukasevangelium stammte sie aus dem Priestergeschlecht Aarons. Sie war mit dem Priester Zacharias verheiratet. Die Ehe blieb lange kinderlos, da Elisabeth als unfruchtbar galt und beide Eheleute "schon in vorgerücktem Alter waren" (Lukas 1,7). Der Engel Gabriel allerdings sagte ihrem Mann Zacharias die Geburt eines Sohnes voraus (Lukas 1,13), den er Johannes nennen sollte. Bald darauf wurde Elisabeth schwanger. Für sie war die späte Schwangerschaft bestimmt wie ein Wunder. Elisabeth war verwandt mit Maria, der Mutter Jesu. Als Elisabeth im sechsten Monat schwanger war, trafen sich die beiden Frauen. Während sie einander begrüßten, konnte Elisabeth spüren, wie das Kind in ihrem Bauch vor Freude hüpfte. In der Bibel steht, sie wurde vom Heiligen Geist erfüllt. Elisabeth rief daraufhin nach der Erzählung in Lukas 1,42 laut aus: "Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes" und nennt Maria "die Mutter meines Herrn". Maria blieb laut der Bibel drei Monate bei Elisabeth bis zur Geburt ihres Kindes. Dies war allgemein annehmbar, vor allem auch deshalb, weil die älteren Frauen in der Verwandtschaft sich um die jüngeren kümmerten und ihnen beistanden.

Für Elisabeth war die Geburt ihres Sohnes ein Geschenk Gottes. Die Bibel erzählt davon, dass Johannes heranwuchs und "stark im Geist wurde". Diese Muttergeschichte macht deutlich, welche Kraft der Glaube haben kann. Elisabeth glaubt an das gesprochene Wort und erlebt das Wunder der Geburt am eigenen Leib. Gott erweist sich ihr gegenüber als barmherzig. Die Geburt ihres Sohnes  Johannes markiert für sie einen Neuanfang. Johannes bedeutet übersetzt "Gott ist gnädig" oder "Gott hat Gnade erwiesen". Johannes wird ein Vorläufer Jesu und tauft den Sohn Marias. Die beiden Mütter scheinen ein inniges Verwandtschaftsverhältnis zueinander gehabt zu haben, wie auch die ihre beiden Söhne.

Die Verkündigung Mariens durch den Engel des Herrn.
Die Verkündigung Mariens durch den Engel des Herrn.
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Maria, die Mutter Jesu

"Und sie gebar ihren ersten Sohn, den Erstgeborenen, sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe." (Lukas 2,7)

Maria war die Mutter Jesu. Sie war die Jungfrau von der im Alten Testament prophezeit wurde, dass sie einen Sohn gebären würde mit dem Namen Immanuel (Jesaja 7,14). So ähnlich wie Christus als der "neue Adam" bezeichnet wird, so gilt Maria als die "neue Eva" und damit als das Urbild der Kirche. Im Neuen Testament wird berichtet, dass der Engel Gabriel zu Maria kommt, um ihr die Empfängnis eines Sohnes zu verkünden, dem sie den Namen "Jesus" geben soll, das heißt übersetzt "Gott rettet" (Lukas 1,31). Maria wundert sich und fragt den Engel, wie dies geschehen könne, da sie "doch keinen Mann erkenne" (Lukas 1,34) und jungfräulich sei. Die Antwort des Engels verweist auf das Wirken der Kraft Gottes: "Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden" (Lukas 1,35). Maria vertraut auf Gott und den Worten des Engels, stimmt dem Heilsplan zu und bekennt: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast" (Lukas 1,38). Diese Worte zeugen von einer tiefen Gottesfurcht. Damit wird Maria zur Mutter von Gottes Sohn, des verheißenen Messias.

Im Johannesevangelium wird der Name der Mutter Jesu an keiner Stelle genannt, sie tritt aber zweimal als "Mutter Jesu" auf, bei der Erzählung von der Hochzeit in Kana in Galiläa  (Johannes 2,1-12) und bei der Passionsgeschichte Jesu unter dem Kreuz (Johannes 19,25-27). Beide Bibelstellen erzählen von den Sorgen einer Mutter. Unter dem Kreuz ist Maria zusammen mit anderen Frauen Zeugin der Passion Jesu. Das Bild mit ihrem vom Kreuz abgenommenen toten Sohn in ihrem Schoß ist ein Urbild der Trauer. Diese sogenannte Pietá-Darstellung Marias als trauernde Mutter versinnbildlicht mütterlichen Schmerz. Maria ist allein mit dem Leichnam ihres Sohnes nach der Kreuzabnahme und ihr Gesicht ist schmerzverzerrt. Die sogenannte "Mater Dolorosa", die "schmerzensreiche Mutter", auch Schmerzensmutter genannt, ist eine im Rahmen der Marienverehrung gebrauchte Bezeichnung für die Darstellungen der Schmerzen Mariens und ihre lebenslange Sorge um ihren Sohn Jesus. Ihr Schmerz fühlt sich an, als würde "ein Schwert ihre Seele durchdringen" (Lukas 2,35). Mit ihrer Trauer mag Maria allen Müttern, die großen Schmerz erfahren haben, ein Zeichen für Trost und Hoffnung sein.

Von Madeleine Spendier

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