"Westerwelle leidenschaftlicher Bekenner"

Als "verlässlichen und positiv denkenden" Menschen hat Prälat Karl Jüsten den verstorbenen FDP-Politiker Guido Westerwelle gewürdigt. Westerwelle sei stets ein "leidenschaftlicher Bekenner" gewesen, so Jüsten bei der Trauerfeier in Köln.

Politik | Köln - 02.04.2016

Als "verlässlichen, sich sorgenden und positiv denkenden" Menschen hat der katholische Prälat Karl Jüsten den verstorbenen FDP-Politiker Guido Westerwelle gewürdigt. Er habe Westerwelle stets als "leidenschaftlichen Bekenner" erlebt, sagte Jüsten am Samstag bei der ökumenischen Trauerfeier in der katholischen Kirche St. Aposteln in Köln.

Prälat Martin Dutzmann, der Bevollmächtigte des Rats der Evangelischen Kirche bei der Bundesregierung, bezeichnete den früheren Bundesaußenminister als "Kämpfer für die Freiheit". In das Gedenken schloss Dutzmann Westerwelles politischen Förderer und Amtsvorgänger Hans-Dietrich Genscher (FDP) ein, der in der Nacht zu Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben war.

Seinen christlichen Glauben habe Westerwelle nicht öffentlich zur Schau getragen, sagte Jüsten, der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin. "Aber er stand immer zu den grundlegenden Werten des Christentums und dazu, evangelischer Christ zu sein. Auch wenn er mit den Kirchen bisweilen haderte, blieb er dem Glauben und seiner Kirche immer treu", betonte der Prälat, der mit der Familie Westerwelle seit seiner Kindheit in Bonn befreundet ist.

Guido Westerwelle
Guido Westerwelle sei als Schwerstkranker und durch sein Buch "Zwischen zwei Leben" vielen Menschen nahe gekommen, so der katholische Prälat Karl Jüsten.
 dpa

Westerwelle habe "Krieg verabscheut" und fest gestanden "zu den humanitären Verpflichtungen der Europäischen Union für die Menschen, die aus welchen Gründen auch immer ihre Heimat verlassen müssen", sagte Jüsten in seiner Predigt. Als Partei- und Außenpolitiker sei Westerwelle für die Ideale des Liberalismus und der freiheitlich demokratischen Ordnung eingetreten, ebenso wie für den Vorrang der Menschenrechte und der Diplomatie.

"Diskriminierung nicht im Einklang mit unserem Menschenbild"

Jüsten hob hervor, Westerwelle sei es mit seinem Lebenspartner Michael Mronz ein Anliegen gewesen deutlich zu machen, "dass Diskriminierung und Ausgrenzung aus welchen Gründen auch immer mit unserem Menschenbild nicht in Einklang zu bringen sind". Für viele sei der Verstorbene eine "Identifikationsfigur und für so manche genau das Gegenteil" gewesen. Als Schwerstkranker und durch sein Buch "Zwischen zwei Leben" sei er sehr vielen Menschen nahe gekommen, und "mancher hat sein Bild von Guido Westerwelle erneuert".

An dem Trauergottesdienst nahmen Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil, ferner zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. Im Anschluss wurde Westerwelle, der am 18. März im Alter von 54 Jahren seinem Krebsleiden erlag, auf dem Kölner Melaten-Friedhof beigesetzt. Er war von 2001 bis 2011 FDP-Bundesvorsitzender und von 2009 bis 2013 Außenminister und Vizekanzler im zweiten Kabinett von Merkel. (KNA)

Linktipp: Kirche würdigt Westerwelles Eintreten für Menschenrechte

Der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle ist tot. Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, würdigte Westerwelles Einsatz für die Bundesrepublik und für Europa und sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

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