Terrorismus

"Wir teilen die Angst Tausender Reisender"

Reaktionen von Religionsvertretern auf die Anschläge von Brüssel

Brüssel/Bonn - 22.03.2016

Die katholischen Bischöfe Belgiens haben mit Bestürzung auf die Serie von Detonationen in Brüssel reagiert. Sie teilten "die Angst Tausender Reisender und ihrer Familien, der Flughafenmitarbeiter und der Sicherheitskräfte, die wieder einmal in der Frontlinie stehen", heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Stellungnahme der Belgischen Bischofskonferenz.

Die Bischöfe sprachen von einer "neuen dramatischen Lage". Sie riefen zum Gebet für die Opfer und zu Besonnenheit auf. Am Flughafen Zaventem seien Seelsorger im Einsatz, um allen Hilfsbedürftigen zur Seite zu stehen.

Auch Papst Franziskus verurteilte die Anschläge. In einem Telegramm an den Brüsseler Erzbischof Jozef De Kesel beklagte er "die blinde Gewalt, die so viel Leid hervorbringt". Er flehe Gott "um das Geschenk des Friedens" an, heißt es weiter in der vom Vatikan verbreiteten Botschaft, die von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnet ist.

Franziskus bekundete sein Mitgefühl mit den Opfern. Die Toten empfahl er der Barmherzigkeit Gottes an, den Angehörigen sowie den Verletzten und ihren Familien sagte er sein Gebet zu. Ausdrücklich schloss er auch die Rettungskräfte ein.

Priester war Augenzeuge in U-Bahn

Ein Journalist des katholischen Radiosenders RCF, der das Unglück in der Metro-Station Maelbeek miterlebte, berichtete, bei der Einfahrt seines Zugs habe sich eine Detonation ereignet. "Glasscheiben fallen auf meine Beine, kein Licht, Rauch, Schreie", schilderte der Priester Charles Declercq dem Pressedienst CathoBel.

In Dunkelheit und Qualm hätten die Menschen verzweifelt einen Weg ins Freie gesucht. "Nach zwei Minuten kam der Zugführer mit einer Leuchte und ließ die Passagiere an einer Stelle nach draußen, wo es ein Fenster gab", berichtete Declercq. Vor der Station seien blutende, aber anscheinend nur leicht verletzte Personen zu sehen gewesen.

„In dieser Karwoche werden wir besonders für die Opfer der Gewalt und ihre Angehörigen beten. Diese Ereignisse bewegen mich auch persönlich sehr.“

Kardinal Reinhard Marx

Am Mittag erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dass ihn die Anschläge "traurig und bestürzt" machten. "Meine Gedanken und Empfindungen sind in diesen Stunden bei den Toten, den Verletzten und ihren Angehörigen" so Marx, der zugleich Gebet für die Opfer der Gewalt und ihre Angehörigen zusagte.

"Diese Ereignisse bewegen mich auch persönlich sehr, da ich durch meine europäischen Aufgaben auch immer wieder in Brüssel bin, und auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Sekretariat der Comece in Brüssel bin ich besonders verbunden in dieser Situation," erklärte Marx mit Verweis auf sein Amt als Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (Comece).

Bedford-Strohm: "Terror ist Gotteslästerung"

Anschläge wie die in Belgien sind nach den Worten des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, durch keine Religion zu rechtfertigen. "Terror ist Gotteslästerung", erklärte der evangelische bayerische Landesbischof. Er sei bestürzt über die brutale Gewalt gegen unschuldige Menschen. "Ich bete für die Opfer und ihre Angehörigen. Und ich bin sicher, dass jetzt viele Menschen überall im Gebet für die Opfer vereint sind."

Wir beten für die Opfer der Anschläge

Heute Brüssel, vor wenigen Tagen Anschläge in der Türkei und in weiteren Teilen der Welt. Angesichts des Terrors wollen wir von katholisch.de für die Opfer beten. Wir haben ein kurzes Gebet formuliert; schließen Sie sich uns an.

Zum Gebet

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, forderte eine schnelle Aufklärung der Hintergründe der Anschläge. Die Angst vor Terroranschlägen dürfe nicht den Alltag bestimmen, erklärte er auf Facebook. "Wir müssen wachsam bleiben, aber uns unsere europäischen Werte und unsere Freiheit bewahren."

Der Liberal-Islamische Bund rief die Gesellschaft zum Zusammenhalt auf. "Sollten die Anschläge in Brüssel von Muslimen 'im Namen des Islam' verübt worden sein, so sagen wir mit aller Deutlichkeit: es reicht", betonte der Vorstand in Duisburg. Die Türkisch Islamische Union (Ditib) hat die Terroranschläge in Brüssel aufs Schärfste verurteilt. "In unseren Gemeinden und bei Muslimen in Deutschland haben diese schändlichen Terroranschläge tiefe Trauer ausgelöst", teilte der islamische Dachverband am Dienstag in Köln mit. Die Ereignisse hätten "noch einmal die Notwendigkeit unseres Zusammenwachsens als Gesellschaft gezeigt und damit unsere Entschlossenheit gestärkt, jeglichem Hass, Unrecht und Terror gemeinsam entgegenzutreten."

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) äußerte sich ebenfalls betroffen. "Wir stehen an der Seite der Belgier, beten für Opfer, Sanitäter und Sicherheitskräfte", so das oberste katholische Laiengremium auf Twitter.

Erzbischof Schick betet für Bekehrung, Bischof Overbeck ruft zum Einsatz für den Frieden auf

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick twitterte, dass er für die Bekehrung der Terroristen bete. Gleichzeitig wünschte er der Polizei bei den Ermittlungen Erfolg, den Angehörigen Trost, den Toten das ewige Leben. Der Terror in Brüssel sei unfassbar. "Rückt immer näher", so Schick.

Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck wandte sich an die Öffentlichkeit. In einer Videobotschaft zeigte er sich bestürzt über die Anschläge in Brüssel und rief dazu auf, sich nicht mit einfachen Parolen abspeisen zu lassen, sondern gemeinsam für den Frieden einzustehen.

Gebet und Anteilnahme aus Paderborn und Passau

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat den Opfern seine Anteilnahme und Solidarität bekundet. "Ich bin über diesen terroristischen Akt schockiert und erschüttert", erklärte er am Mittwoch in Paderborn. "Im Gebet bin ich mit ihnen verbunden." Als äußeres Zeichen der Anteilnahme wurde am Erzbischöflichen Generalvikariat die Fahne mit einem Trauerflor versehen.

Auch der Passauer Bischof Stefan Oster für die Opfer, Verletzten, Hinterbliebenen, das belgische Volk und für Europa. "Und wir hören auch nicht auf, für die Täter zu beten", schrieb Oster am späten Mittwochabend auf seiner Facebook-Seite. "Wir kämpfen für den Frieden mit den Mitteln des Friedens - und wollen nicht von der Hoffnung lassen, dass Wahrhaftigkeit und Liebe siegen werden." Dies geschehe in der Kraft des Kreuzes, "die auch Europa mitgeformt hat", heißt es in dem Eintrag mit dem Bild eines Kreuzes.

Am Dienstagmorgen hatten sich am Brüsseler Flughafen zwei Explosionen und eine weitere Detonation in der Metrostation Maelbeek in der Innenstadt ereignet. Belgische Behörden sprechen von Anschlägen. Schätzungen gingen am Mittag von mindestens 23 Todesopfern aus. (luk/KNA)

22.3.2016, 14:22 Uhr: aktualisiert um Reaktionen jüdischer und muslimischer Religionsvertreter sowie von Papst Franziskus

15:44 Uhr: Ergänzt um den Tweet von Erzbischof Ludwig Schick

18:50 Uhr: Ergänzt um Stellungnahme der DITIB und Videobotschaft von Bischof Overbeck.

23. 3. 2016, 17.45 Uhr: Stellungnahmen aus Paderborn und Passau ergänzt

Information: Friedensgebet am Tag der Anschläge

Die katholische Gemeinde Deutscher Sprache in Brüssel lädt am Dienstagabend zu einem Ökumenischen Friedensgebet um 20 Uhr in der Kirche St. Paulus ein (Avenue de Tervuren 221, 1150 Brüssel). Man wolle Zusammenkommen, Schweigen, das Wort Gottes hören, gegen den Hass und für den Frieden beten, heißt es auf der Seite der Gemeinde.

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