Standpunkt

Ja zur Debatte, aber nicht mit jedem

Gudrun Lux über den Katholikentag und die AfD

Bonn - 17.02.2016

Der Katholikentag steht für einen offenen, kontroversen, demokratischen Dialog. Demokratie bedeutet aber nicht Beliebigkeit; vielmehr gibt es einen Rahmen, in dem sich der Diskurs bewegt, einen Konsens der Grundwerte. Wer diesen Konsens ablehnt, der verabschiedet sich selbst aus dem demokratischen Diskurs. Beim 100. Katholikentag in Leipzig sollen daher Politikerinnen und Politiker der AfD nicht auftreten.

Denn der Katholikentag will zu Recht nicht allem und jedem ein Forum bieten. Als vor vier Jahren in Mannheim eine Gruppe von Ärzten auf der Kirchenmeile vertreten war, die auch "Homoheilung" propagiert, kam prompt nach der Veranstaltung die Erklärung aus dem Generalsekretariat des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), in dem sich der Veranstalter des Katholikentags davon distanzierte und ankündigte, die Gruppe könne künftig nur dann an Katholikentagen einen Infostand betreiben, wenn entsprechende Schriften nicht mehr verteilt würden. Weil es eben auch Positionen gibt, die nicht mehr in das Spektrum dessen passen, was der Katholikentag, der sich ja durchaus diskussionsfreudig zeigt, unter seinem Dach haben will.

Blöd nur, dass die, die der AfD Glauben schenken, in ihrem selbstmitleidigem Weltbild bestärkt werden, wenn die AfD explizit nicht eingeladen wird - Mimimi, keiner diskutiert mit uns, wir werden nicht gehört, und überhaupt: Nix darf man mehr sagen in Deutschland! Und: Die AfD ist ja nicht nur momentan in den Umfragen gut dabei (das alleine wäre sicherlich kein Grund, der Partei ein Forum zu bieten), sondern in drei deutschen Landtagen vertreten, auch in Sachsen - dem Bundesland, in dem der Katholikentag dieses Jahr stattfindet. Das mag unerträglich sein, ist aber demokratische Realität, der sich der Katholikentag in der Auseinandersetzung stellen könnte.

Wie soll man damit umgehen? Zwar will man die selbsternannten Verteidiger eines vermeintlich christlichen Abendlandes ja nicht durch Einladung adeln, aber man kann durch eine offene Auseinandersetzung Extremisten stellen - und entlarven. Das gilt auch für die AfD. Ein gangbarer Weg wäre gewesen, die AfD nicht kategorisch auszuschließen, sondern auf den einzelnen Politiker, die einzelne Politikerin zu schauen. Da gibt es die, deren unsägliche Aussagen mindestens am Rande der Volksverhetzung sind – dass man denen kein Forum bietet, ist richtig. Und es gibt vereinzelt auch die, die zwar kein bisschen meiner Meinung sind, sich aber doch noch in einem Rahmen des demokratischen Diskurses bewegen, intellektuell satisfaktionsfähig und gesellschaftlich erträglich sind. Sollen diese Wenigen sich doch stellen und erklären, wo die AfD steht - die Gegenseite dürfte sich sicher sein, die besseren Argumente zu haben, also bitte: Keine Scheu vor der Debatte!

Die Autorin

Gudrun Lux ist freie Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin in München.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Gudrun Lux

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