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Beichte

Wann, wo und wie kann man beichten? Was ist Reue und was das Beichtgeheimnis? Katholisch.de beantwortet häufige Fragen rund um das Bußsakrament.

Beichte | Bonn - 01.01.2015

Wann, wo und wie kann man beichten? Was ist Reue und was das Beichtgeheimnis? Katholisch.de beantwortet häufige Fragen rund um das Bußsakrament.

Wann sollte ich zur Beichte gehen?

Jeder Mensch erfährt auf seinem Lebensweg, dass er nicht nur Gutes tut, sondern häufig auch seine eigenen Ansprüche verfehlt. Vor Verfehlungen und Unbarmherzigkeiten ist auch ein getaufter Christ nicht geschützt, egal wie hoch er seine eigenen Ansprüche gesetzt hat. Wenn Sie sich also darüber bewusst sind, dass Sie eine schwere Sünde begangen haben, sollten Sie mindestens einmal im Jahr, in jedem Fall aber vor dem Empfang der Heiligen Kommunion zur Beichte gehen. Hier können Sie nicht nur schwere Verfehlungen, sondern auch die kleinen Dinge ansprechen, bei denen Sie vielleicht unbarmherzig anderen oder sich selbst gegenüber gewesen sind.

Was wird mir eigentlich erlassen, wenn ich beichten gehe?

Durch die sündhafte Tat entscheidet sich der Mensch bewusst gegen Gott und stellt sich somit auch gegen seinen Heilsplan. Durch die Beichte wird der Beichtende wieder mit Gott und der Kirche versöhnt und ihm werden seine Sünden vergeben. Auch die sogenannten ewigen Sündenstrafen und die zeitlichen Sündenstrafen können durch die Beichte erlassen werden. Der Beichtende wird so grundlegend mit sich und seiner Umwelt versöhnt und kann aus diesem Geschenk seinem Leben eine neue und bessere Ausrichtung geben.

Ist man nach der Beichte noch für die Folgen seiner Tat verantwortlich?

Ja, man ist auch nach der Beichte noch für die Folgen seiner Tat verantwortlich. Durch die Beichte wird man zwar mit Gott, mit der Kirche und mit seinen Mitmenschen versöhnt, allerdings muss man für begangene Schuld auch weiterhin geradestehen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn man eine Straftat verübt hat. Die weltlichen Strafgesetze behalten weiterhin ihre Gültigkeit.

Macht es einen Unterschied, ob ich in einem Beichtstuhl oder in einem Beichtzimmer beichte?

Nein, es macht keinen Unterschied, sondern es kommt vor allem auf Ihre persönlichen Bedürfnisse an. Der Beichtstuhl bietet eine gewisse Anonymität, und manchen Menschen fällt es leichter, über ihre Sünden und Verfehlungen zu sprechen, wenn sie ihrem Gegenüber nicht direkt in die Augen schauen müssen. Andere hingegen möchten ihren Gesprächspartner sehen und schätzen daher die Atmosphäre eines Beichtzimmers. Sie sollten daher überlegen, welche Gesprächssituation Ihnen mehr liegen könnte und in welcher Umgebung Sie ungezwungener über Ihren Glaubens- und Lebensweg sprechen können. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie den Priester auch im Vorfeld ansprechen und Ihn um Rat bitten.

Gibt es Sünden, die in der Beichte nicht erlassen werden können?

Man kann alle Sünden und Verfehlungen beichten, denen man sich bewusst ist. Allerdings gibt es besonders schwere Sünden, die zum Beispiel die Exkommunikation der betreffenden Person nach sich ziehen. Solche Sünden können nicht einfach in der Beichte vergeben werden. Hierzu sind nur der Apostolische Stuhl, der Ortsbischof oder speziell hierfür ermächtigte Priester in der Lage. Lediglich wenn Sie sich in Todesgefahr befinden, kann Sie jeder Priester von jeder Sünde und Exkommunikation lossprechen.

Was ist der Unterschied zwischen der Beichte und einer geistlichen Begleitung?

Beichte und geistliche Begleitung bezeichnen zwei unterschiedliche Formen von seelsorglicher Begleitung. Die Beichte ist eines der sieben Sakramente, bei dem der Beichtende von seinen Sünden losgesprochen wird. Beichten kann jeder katholische Christ bei jedem Priester und in jeder Pfarrei, auch außerhalb der eigenen Heimatgemeinde. Die geistliche Begleitung hingegen ist kein Sakrament, sondern wie der Name schon sagt, die Begleitung eines Menschen durch einen Seelsorger. Hier kann man in regelmäßigen Abständen über seinen Lebens- und Glaubensweg sprechen und lernt sich im Laufe der Zeit immer besser kennen. Ist der geistliche Begleiter ein Priester, kann man mit ihm vereinbaren, dass am Ende jedes Gesprächs die Beichte abgelegt wird. Das hat den Vorteil, dass man die Inhalte des Gesprächs vor Gott bringt und bei Verfehlungen Vergebung erlangen kann. Ein geistlicher Begleiter ist in der Lage, die Stärken und Schwächen seines Gegenübers einzuschätzen und auf Dinge hinzuweisen, die dem Betreffenden vorher vielleicht noch gar nicht bewusst waren.

Sollte ich eher bei einem fremden oder bei einem mir bekannten Priester beichten gehen?

Das können Sie völlig frei entscheiden. Generell können Sie bei jedem Priester in jeder Pfarrei die Beichte ablegen. Das heißt, dass Sie den Priester nicht kennen müssen, um bei ihm die Beichte abzulegen. Häufig kann es aber besser sein, einen Priester zu wählen, der Ihren Lebensweg kennt und daher viel individueller auf Sie eingehen kann. Je kontinuierlicher Sie mit derselben Person über Ihren Lebens- und Glaubensweg sprechen, desto besser lernt er Ihre Stärken und Schwächen kennen und kann Sie auf Dinge hinweisen, die Sie selbst vielleicht noch gar nicht gesehen haben.

Muss ich vor der Taufe beichten gehen, damit ich in die Kirche aufgenommen werden kann?

Nein, denn die Beichte können Sie nur empfangen, wenn Sie bereits getauft sind. Das ist aber kein Problem, denn die Taufe hat von sich aus eine sündenvergebende Wirkung. Das bedeutet, dass Sie durch die Taufe von jeglicher Sünde und Schuld befreit werden. Man spricht in diesem Zusammenhang sogar davon, dass man durch die Taufe ein "neuer Mensch" wird, der völlig befreit vor Gott treten kann.

Muss ich die Verfehlungen auch bereuen, die ich im Beichtgespräch anspreche?

Damit Ihnen in der Beichte Vergebung zugesprochen werden kann, müssen Sie Ihre Fehler und Sünden vorher auch bereuen und den ehrlichen Vorsatz fassen, nach der Beichte nicht mehr zu sündigen. Das ist sozusagen der Beitrag, den ein Christ vor der Beichte leisten muss. Dennoch sollten Sie nicht mit Angst in das Beichtgespräch gehen. Vielmehr können Sie Ihr Hadern mit den eigenen Verfehlungen offen ansprechen und es so zu einem Teil des Beichtgesprächs werden lassen. Häufig wird auch erst während des Gesprächs mit dem Priester deutlich, wo die eigenen Verfehlungen liegen, sodass man gestärkt aus dem Gespräch gehen kann.

Ich habe auf meinem Lebensweg schon viele Fehler begangen. Einige davon sind mir bis heute peinlich. Kann ich einen Priester überhaupt mit so etwas belasten?

Die Beichte ist genau der Ort, wo Sie Ihre Vergangenheit zur Sprache bringen können und offen über Brüche in Ihrem Lebensweg reden können. Für viele Menschen ist das Aussprechen der eigenen Fehler ein wichtiger Schritt, um mit ihnen fertig zu werden und mit sich selbst Frieden zu schließen. Priester sind auf solche Beichtgespräche gut vorbereitet und können mit viel Erfahrung zur Seite stehen.

Was ist das Beichtgeheimnis?

Das Beichtgeheimnis ist eines der schwerwiegendsten Pflichten eines Priesters und darf nicht gebrochen werden. Das Beichtgeheimnis umfasst alle Sünden, die Sie während der Beichte dem Priester anvertrauen. Er ist zum absoluten Stillschweigen verpflichtet und darf sich weder mit anderen Priestern über das Beichtgespräch unterhalten noch weltlichen Gerichten oder der Polizei Auskünfte über das Gespräch erteilen.

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