Kirche

Mitarbeiter am Evangelium

Der Ständige Diakon als Amt in der katholischen Kirche

Bonn - 06.03.2015

Als "Gottes Mitarbeiter am Evangelium Christi" bezeichnet sie schon der Apostel Paulus in seinem Brief an die Thessalonicher: die Diakone. In der frühen Kirchengeschichte noch ein eigenständiger Teil des kirchlichen Dienstamtes, wurde der Diakonat nach und nach zur bloßen Durchgangsstufe auf dem Weg zum Priesteramt. Doch mittlerweile erfährt der "Ständige Diakon" als dauerhaftes Amt eine Renaissance.

Alle Diakone, ob sie später Priester werden oder ständig Diakone bleiben, haben die gleichen Aufgaben. Ihr Name leitet sich vom griechischen διάκονος ab und bedeutet so viel wie "Diener" oder "Helfer". Der Diakon hat Anteil an dem einen sakramentalen Amt , das sich in seiner dreifachen Ausformung von Diakonat, Presbyterat (Priester) und Episkopat (Bischof) vollzieht. Auch wenn es der Name nahe legt, beschränken sich seine Aufgaben aber nicht auf die Diakonie, also den Dienst am Nächsten. Er ist auch in den beiden anderen kirchlichen Grunddiensten, der Liturgie und der Verkündigung, tätig. "Die Zuwendung zum Nächsten ist und bleibt aber das Herzstück der Arbeit des Diakons", sagt Ullrich Schmaus, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat.

Ullrich Schmaus ist Ständiger Diakon und Diözesanrichter im Offizialat des Bistums Limburg.  Bistum Limburg

Eine Stufe unter den Priestern

In der "alten Kirche" war der Diakon das Bindeglied zwischen Kirchenvolk und Bischof. Er informierte den Oberhirten über die Vorgänge vor Ort und war an der Gemeindeleitung beteiligt. Die Didache – eine frühchristliche Schrift aus dem 2. Jahrhundert – bezeugt den Diakon als Verwalter, Katecheten und Zuständigen für die Armenfürsorge. Doch die Strukturen verschoben sich. Während die Priester mehr und mehr die Feier der Eucharistie und die Leitung der Gemeinden übernahmen, wurden die Diakone zu ihren Gehilfen und unterstanden fortan nicht mehr unmittelbar dem Bischof. Ab dem 5. Jahrhundert verkümmerte der Diakonat und wurde in der Westkirche spätestens im 9. Jahrhundert zu einer bloßen Durchgangsstufe auf dem Weg zum Priestertum.

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil kehrten die Ständigen Diakone jedoch zurück. Auch wenn sie per Definition "in der Hierarchie eine Stufe tiefer stehen" (Konstitution "Lumen gentium", LG 29) als die Priester, haben sie dennoch Teil an der "Sendung und Gnade des Hohenpriesters" (LG 41). Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Assistenz im Gottesdienst und bei der Eheschließung, das Spenden der Taufen und von Sakramentalien wie Beerdigungen. Sie erteilen Religionsunterricht und Katechesen, dürfen predigen und das Evangelium verlesen.

Außerdem tragen die Diakone Sorge für die Mitglieder der Gemeinde, besonders für die Alten, Kranken, Schwachen und Ausgegrenzten. "Und das tue ich genau dort, wo ich bin und eingesetzt werde", so Schmaus, der selbst seit 1995 Ständiger Diakon ist. Das könne in der Begleitung von Trauergruppen der Fall sein, bei der Arbeit mit Obdachlosen oder mit Menschen, deren Ehen gescheitert sind. Damit der Diakon aber nicht als reiner Sozialarbeiter wahrgenommen wird, ist Schmaus die Rückbindung an den Gottesdienst und die Eucharistie besonders wichtig.

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Siegfried Oesterle aus Iffezheim hat viele Aufgaben zu managen. Er ist Familienvater, Feinmechaniker und Ständiger Diakon.  

Brücke von der Welt zur Eucharistie

Die Diakone seien durch ihre Weihe amtlich-sakramental zum Spenden der Taufe oder zum Predigen befähigt, führt Schmaus aus. Er verweist auf das Dekret "Ad gentes" (AG), das auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil formuliert wurde. Dort heißt es, dass die Diakone "durch die von den Aposteln her überlieferte Handauflegung gestärkt und dem Altare enger verbunden werden, damit sie ihren Dienst mit Hilfe der sakramentalen Diakonatsgnade wirksamer erfüllen können" (AG 16). Ganz neu und ein Vorstoß des Konzils sei dann der Beschluss gewesen, dass Diakone nun auch bei der Eheschließung assistieren dürfen, so Schmaus. Bei der Eucharistie bereitet der Diakon zudem die Gaben vor und übergibt sie dem Hauptzelebranten. "Ich deute das so, dass ich dem Priester oder Bischof die Sorgen und Nöte der Menschen dabei mit übergebe", erklärt Schmaus. So werde die Brücke von der Welt zur Eucharistie geschlagen.

Wer heute Ständiger Diakon werden möchte, kann das auf unterschiedliche Weise tun. Es gibt hauptberufliche Diakone und solche mit Zivilberuf, verheiratete und ledige. Wer sich entschließt, unverheiratet Diakon zu werden, muss mindestens 25 Jahre alt sein und nach der Weihe ehelos bleiben, also zölibatär leben. Ein verheirateter Mann wird dagegen erst mit 35 zum Diakonat zugelassen und benötigt die schriftliche Zustimmung seiner Ehefrau (can. 1031/CIC). Auch die Zugänge zum Diakonat sind unterschiedlich: Für hauptberufliche Diakone ist eine abgeschlossene Ausbildung zum Gemeinde- oder Pastoralreferenten wünschenswert. Im Erzbistum Köln qualifiziert das Diakoneninstitut auch eigenständig für den Hauptberuf. Wer "nebenberuflich" Diakon werden möchte, für den ist ein Theologiestudium von Vorteil. Alternativ werden Bewerbern Theologie-Fernkurse der Domschule Würzburg angeboten.

In Zukunft könnte der Ständige Diakonat aufgrund der strukturellen Veränderungen der Kirche – wie sie beispielsweise in Pfarreizusammenschlüssen sichtbar werden – noch einmal an Bedeutung gewinnen. Deshalb wünscht sich Schmaus eine verstärkte theologische Reflexion und kirchenrechtliche Einordnung des Ständigen Diakonats. "Priester, Diakon, Kaplan", zählt er auf und sagt, dass "die Grenzen zwischen diesen einzelnen Ämtern und Diensten bisher in der Wahrnehmung der Gemeinde verschwimmen". Auch deshalb sieht er die neu gegründeten Großpfarreien nicht problematisch, sondern als Chance. "Für die Pastoral, aber auch um die Bedeutung der verschiedenen Dienste und Charismen noch einmal zu betonen."

Es müsse aber auch geklärt werden, in welchem Umfang Leitung zum Dienst des Diakons gehören kann, sagt Schmaus. Denn dass Leitung – etwa von Gruppen und Gemeinschaften - wahrgenommen werden könne, sei unstrittig, sagt Schmaus und verweist auf das Kirchenrecht (can. 129/CIC). Für eine umfassende Seelsorge bedürfe es dagegen der Priesterweihe (can. 150/CIC). "Das zeigt für mich, dass Leitung zwar möglich und erwünscht ist, die Gesamtverantwortung aber die Grenze darstellt."

Diese und andere Fragen will Schmaus als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat beantwortet wissen und deshalb auch die Vernetzungen mit der Deutschen Bischofskonferenz und dem Verband der Diözesen Deutschlands vorantreiben. "Ich denke, es ist bei dem Diakon nicht anders, als bei allen anderen Berufsgruppen", sagt Schmaus. "Es ist wichtig zu wissen, wer man ist. Für sich selbst, aber auch für die gemeinsame Zusammenarbeit und den einen Auftrag."

06.03.2015, 12.05 Uhr: Absatz zur Ausbildung aktualisiert.

Von Björn Odendahl

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