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"Es ist vollbracht!"

Der Karfreitag steht im Zeichen des Leides und erinnert an die Kreuzigung Jesu. In dem Begriff "Karfreitag" steckt das althochdeutsche Wort für Trauer. Die Liturgie an Karfreitag ist in ihrer Form im Kirchenjahr einmalig.

Karfreitag | Bonn - 01.02.2015

Der Karfreitag steht im Zeichen des Leidens und des Kreuzestodes Christi. In dem Begriff "Karfreitag" steckt das althochdeutsche "kara", was übersetzt wird mit Wehklage oder Trauer. An diesem Tag der Trauer kommen die Katholiken gegen 15 Uhr – also zur Todesstunde Christi – zu einem Wortgottesdienst zusammen, der Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu Christi.

Der Karfreitagsgottesdienst ist in seiner Form im Kirchenjahr einmalig. Er besteht aus drei Teilen: dem Wortgottesdienst, der Kreuzverehrung und der Kommunionfeier. Der Wortgottesdienst wird still eröffnet. Nach dem katholischen Gesang- und Gebetbuch folgen nun "Worte des Propheten, des Apostels und des Evangelisten". Die Passion wird verlesen und das Sterben Jesu als Erlösungssieg gefeiert. "In den abschließenden großen Fürbitten betet die Kirche, dass das Leiden des Herrn fruchtbar werde für die Welt."

Zur Kreuzverehrung wird das Kreuz mit dem Ruf "Ecce lignum crucis" herbeigebracht – "Seht das Holz des Kreuzes". Das Kreuz wird dreimal feierlich erhoben. Die Christen antworten jeweils "Venite adoremus" ("Kommt, lasset uns anbeten"), sie knien nieder und verehren das Kreuz still.

24 Stunden bis zur Kreuzigung

Durch das Knien und die Kniebeugen huldigen Priester und Gemeinde dem leidenden Jesus Christus als König und Sieger, der durch seinen Tod am Kreuz der Welt das Leben bringt. Abschließend beten die Gläubigen das Vaterunser und empfangen die heilige Kommunion. Gebet und Segen beschließen die Feier. Das Kreuz wird zur weiteren Verehrung in der Kirche aufgestellt.

Die Kreuzwegstationen erzählen die Leidensgeschichte Jesu

1. Jesus wird zum Tode verurteilt. 2. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern. 3. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz. 4. Jesus begegnet seiner Mutter. 5. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. 6. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch. 7. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz. 8. Jesus begegnet den weinenden Frauen. 9. Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz. 10. Jesus wird seiner Kleider beraubt. 11. Jesus wird an das Kreuz genagelt. 12. Jesus stirbt am Kreuz. 13. Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß der Mutter gelegt. 14. Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.

Das Letzte Abendmahl am Gründonnerstag, der Verrat durch Judas und die Gefangennahme Jesu, die Verurteilung durch Pilatus und die Kreuzigung auf Golgotha – all das vollzieht sich innerhalb von 24 Stunden. In den Kreuzwegandachten an Karfreitag gedenken die Christen des beschwerlichen Weges, den Jesus nach der Geißelung und Verurteilung durch Pilatus auf den Berg Golgotha nehmen musste. "Dort kreuzigten sie ihn, und mit ihm zwei andere links und rechts, in der Mitte Jesus", heißt es in der Passion des Johannesevangeliums (Joh 19,18).

Nachdem sie ihn gekreuzigt haben, spielen die Soldaten um seine Kleider. Seine Mutter Maria, Maria Magdalena und der mysteriöse, namentlich nicht benannte "Jünger, den er liebte", erleben Jesu Tod am Kreuz mit (Joh 19,26). Weil er Durst hat, bekommt Jesus einen Schwamm mit Essig gereicht. Dann sagt er den berühmten Satz: "Es ist vollbracht!", neigt das Haupt und gibt den Geist auf (Joh 19,30). Josef von Arimathäa bittet Pilatus, den Leichnam Jesu fortbringen zu dürfen. Mit Erfolg: Der Jünger lässt Jesu Leichnam salben und in Leinen binden und begräbt ihn in einem neuen Grab in einem Garten (Joh 19,38-42).

Der Weg des Leidens

Das Kreuz in der Kirche ist am Karfreitag mit einem violetten Tuch bedeckt und wird zur Verehrung enthüllt. Zudem werden in vielen Gemeinden an diesem Tag Kreuzwegandachten gehalten. Bilder und Stationen an den Kirchenwänden zeichnen das Geschehen nach.

An einigen Orten in Deutschland finden sich sogar Nachbauten der römischen Scala Santa, der "Heiligen Treppe" aus der Lateranbasilika. Sie ist angeblich ein Original aus dem Palast des Pilatus, Jesus soll sie während seines Leidens bestiegen haben. In Erinnerung daran gehen die Gläubigen die Scala Santa noch heute nur auf Knien hinauf – und so wird es auch bei den Nachbildungen gehandhabt. Die Gläubigen tun damit Buße und zeigen gleichzeitig ihre Verehrung für Jesu Christi Tod am Kreuz und die damit verbundene Erlösung der Christenheit. (sst)

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