Feuerwerk und Friedensappell

Mit lautem Knallen und hellen Blitzen wird das neue Jahr begrüßt. Durch den Brauch, Feuerwerkskörper in den Himmel zu schießen und in den Straßen Böller zu zünden, erinnert Silvester an heidnische Feste. Allerdings hat das Fest auch eine kirchliche Komponente.

31. Dezember: Silvester | Bonn - 01.03.2015

Krawumm! Mit lautem Knallen und hellen Blitzen wird landauf, landab das neue Jahr begrüßt. Durch den Brauch, Feuerwerkskörper in den Himmel zu schießen und Böller zu zünden, erinnert Silvester an heidnische Feste. Und tatsächlich stammt die Tradition der Feuer-Feiern am Jahresende aus dem Zeitalter der Germanen. Sie verstanden das Feuerwerk als Abwehrzauber, der böse Geister vom neuen Jahr fernhalten sollte.

Allerdings hat das Fest auch eine bedeutende kirchliche Komponente: Der Name Silvester geht auf den römischen Papst Silvester I. zurück, der am 31. Dezember 335 starb und dessen die Kirche an diesem Tag in ihrem Heiligenkalender gedenkt – einem Tag, der ursprünglich gar nicht der Letzte des Jahres war.

Erst durch die Kalenderreform von Julius Cäsar 45 v. Chr. wurde der Jahresanfang vom 1. März auf den 1. Januar verlegt. Gleichzeitig wurde den einzelnen Monaten eine bestimmte Zahl von Tagen zugeordnet und für jeweils vier Jahre ein Schalttag eingefügt. Der heutige Kalender geht im Wesentlichen auf diese Einteilung zurück, die ihrerseits auf Berechnungen der Ägypter und Babylonier beruht.

Die durchschnittliche Dauer eines Jahres nach diesem sogenannten julianischen Kalender war allerdings mehr als elf Minuten länger als das Sonnenjahr. Nach 128 Jahren betrug die Differenz zwischen Sonnen- und Kalenderjahr einen vollen Tag. Dieses Manko glich Papst Gregor XIII. aus, der auf Anregung von Nikolaus Kopernikus den Kalender überarbeiten ließ. Wichtigste Änderung der 1582 verkündeten gregorianischen Kalenderreform war die Neuordnung der Schalttage, die seitdem innerhalb von 400 Jahren dreimal entfallen – nämlich jeweils zum vollen Jahrhundert, außer das Jahrhundert lässt sich durch 400 teilen. Damit der Kalender von Beginn an stimmte, wurden 1582 zehn Tage übersprungen. Daher folgte in denjenigen katholischen Ländern, die diese Reform sofort annahmen, auf Donnerstag, den 4. Oktober, gleich Freitag, der 15. Oktober.

Heilige mit Glückssymbolen

Erst allmählich setzte sich der gregorianische Kalender auch in den nicht katholischen Ländern durch. Lange Zeit galten in Europa noch fünf andere Daten und sieben verschiedene Möglichkeiten für die Festlegung des Neujahrsdatums. In anderen Religionen und Kulturkreisen gibt es noch heute weitere Termine für den Beginn eines Jahres.

Für viele Menschen ist die Silvesterfeier mit guten Wünschen fürs neue Jahr, Ritualen wie Bleigießen oder dem Verschenken von Glückssymbolen verbunden. Nach Ansicht von Benediktinerpater Anselm Grün werde dadurch ein menschliches Bedürfnis gestillt. "Rituale schaffen eine heilige Zeit, die mir gehört - und wenn ich das genießen kann, dann bin ich durchaus glücklich", sagt er. Doch der Autor vieler Bücher zum Thema Glück warnt zugleich: "Wenn ich meine, ich werde Glück haben, wenn ich das Ritual mache, ist das ein magisches Denken."

Immerhin: Christen können guten Gewissens auf die durchaus prominente Schar von Heiligen verweisen, die mit Glückssymbolen in Verbindung gebracht werden. Beispielsweise der heilige Patrick. Der Missionar der Iren soll seinen Zuhörern im fünften Jahrhundert mit dreiblättrigen Kleeblättern die Dreifaltigkeit erklärt haben.

Das seltenere vierblättrige Kleeblatt, biologisch gesehen eine simple Mutation, galt späterhin sogar als Symbol des Kreuzes. Über Bischof Dunstan von Canterbury (909-988), der auch ein talentierter Schmied gewesen sein soll, berichten mittelalterliche Legenden, dass dieser dem Teufel ein Hufeisen so heftig an den Fuß genagelt habe, dass der Leibhaftige versprach, künftig alle zu verschonen, die ein solches Eisen tragen.

Beten für den Planeten

Für die Kirche ist die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar übrigens nicht Anfang und Ende. Sie feiert den Beginn des Kirchenjahres bereits am ersten Advent. Dennoch hat der erste Tag des Januar in kirchlichen Kreisen eine Bedeutung. Angesichts des atomaren Wettrüstens rief Papst Paul VI. erstmals zum 1. Januar 1968 die Menschheit zum Frieden auf.

Zwar stellte er die Initiative unter das Patronat der Gottesmutter Maria, deren Hochfest an diesem Tag gefeiert wird. Allerdings wollte er sie ausdrücklich als nicht exklusiv religiös, geschweige denn katholisch verstanden wissen.

Mit dem Weltfriedenstag bekundete die katholische Kirche ihre neu empfundene Verantwortung für die Welt: Christen teilten, wie es im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) hieß, "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst" aller Menschen. (meu)

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