Bode: Aufarbeitung von Missbrauch notfalls im Alleingang
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Kirche der Beteiligung im Bistum Osnabrück

Bode: Aufarbeitung von Missbrauch notfalls im Alleingang

Missbrauch durch Priester und andere Mitarbeiter der Kirche muss aufgeklärt werden, findet Bischof Franz-Josef Bode. Gehen die anderen Bistümer diesen Weg jedoch nicht schnell und umfassend genug mit, kann sich der Osnabrücker Bischof auch einen Alleingang vorstellen.

Osnabrück - 06.01.2019

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat eine umfassende Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in seinem Bistum angekündigt. Neben Fakten zu Opfern und Tätern werde es auch darum gehen, sich grundsätzlich mit Positionen der Moral und Ethik in der Kirche zu befassen, sagte er am Sonntag beim Neujahrsempfang des Bistums in Osnabrück. Das werde auch zu "ganz neuen Handlungsgrundsätzen" führen, so der Bode. Dabei kündigte er an, notfalls auch einen Alleingang zu wagen zusammen mit den Nachbarbistümern Hamburg und Hildesheim, falls nicht alle deutschen Bistümer diesen Weg genauso schnell und umfassend gehen wollten.

Bode nannte vier Blöcke, die eine solche Aufarbeitung umfassen müsse. Zum einen sollte die Präventionsarbeit zur Vermeidung von Missbrauch in kirchlichen Strukturen verstärkt werden. Hier sei man durch Schulungen, Vorschriften und Beratungen bereits auf einem guten Weg. Fortschritte gegeben habe es auch in Sachen Intervention, also beim Eingreifen in konkreten Fällen.

Erstmals hauptamtlicher Laie als Leiter einer Pfarrei

Notwendig sei aber drittens auch eine "Begleitung irritierter Systeme", so der Bischof. Als Beispiele nannte er auseinanderdriftende Gemeinden, in denen es zu Fällen von Missbrauch durch Geistliche gekommen ist, die Spaltung von Familien durch solche Vorkommnisse sowie divergierende Meinungen zum Priesterbild. Als vierten Block nannte Bode die innerkirchliche Befassung mit der Sexualmoral und dem Problem des Klerikalismus sowie dem Umgang mit Macht in der Kirche. "Dem müssen wir uns stellen", sagte er vor rund 200 Gästen aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Kultur.

2019 werde das Bistum Osnabrück zudem weitergehen auf dem Weg einer Kirche der Beteiligung. Angesichts des Priestermangels werde es darauf ankommen, möglichst viele Laien einzubinden. Die ersten Erfahrungen in einer von einem Pfarrbeauftragten geführten Gemeinde mit einem moderierenden Priester an der Seite machten Mut. Bode beteuerte nochmals, es werde keine Fusionen zu Großgemeinden im Bistum Osnabrück geben. Vielmehr werde es bei den derzeitigen 72 Einheiten bleiben.

In Bistum Osnabrück hatte erstmals im November ein hauptamtlicher Laienmitarbeiter die Leitung einer Pfarrgemeinde übernommen. Das Kirchenrecht ermögliche diesen Schritt, wenn es nicht genügend Priester für diese Aufgabe gebe, hieß es. Dem Pfarrbeauftragten Michael Göcking in Wellingholzhausen/Gesmold steht ein moderierender Priester zur Seite, der nicht vor Ort lebt. (rom/KNA)