Hans-Reinhard Koch war von 1994 bis 2004 Weihbischof im Bistum Erfurt. 2018 ist er gestorben.
Bild: © Bistum Erfurt
Nach einem Sturz nicht mehr aus dem Koma erwacht

Erfurts Altweihbischof Hans-Reinhard Koch gestorben

Das Bistum Erfurt trauert um seinen Altweihbischof: Am frühen Morgen ist Hans-Reinhard Koch gestorben. Der 88-jährige emeritierte Weihbischof hatte sich von einem Sturz nicht mehr erholt.

Erfurt - 25.04.2018

Erfurts emeritierter Weihbischof Hans-Reinhard Koch ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Er sei am Mittwoch in den frühen Morgenstunden friedlich entschlafen, teilte das Bistum mit. Koch hatte nach einem Sturz am vergangenen Samstag Hirnblutungen erlitten und war nicht mehr zu Bewusstsein gekommen. Von 1985 bis 2004 unterstützte er als Weihbischof den damaligen Erfurter Bischof Joachim Wanke bei der Leitung des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen, aus dem 1994 das Bistum Erfurt hervorging.

Neymeyr betont Kochs "frohes und gläubiges Auftreten"

Am Montag hatte Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr zu Gebeten um eine gute Sterbestunde für den Altweihbischof aufgerufen. Nach dessen Tod würdigte Neymeyr Koch als einen "Seelsorger, der gemäß seinem Wahlspruch immer Jesus Christus die größere Ehre gegeben hat und in Selbstlosigkeit seinen priesterlichen und bischöflichen Dienst versah." Neymeyr betonte zudem die Verbundenheit des Verstorbenen mit der katholischen Tradition des Eichsfelds und seine mütterlicherseits vererbte "rheinische Fröhlichkeit", die in seiner Person eine angenehme Verbindung gefunden hätten. "Allen, die ihn kannten, wird sein frohes und gläubiges Auftreten in Erinnerung bleiben", so der Bischof.

In einem persönlichen Nachruf schrieb Erfurts Altbischof Joachim Wanke, dass das Bistum mit Hans-Reinhard Koch keinen Kirchenfunktionär, sondern einen Seelsorger und Hirten verloren habe. "Es gibt wenige priesterliche Persönlichkeiten, die mich so nachhaltig geistlich und menschlich geprägt haben wie unser Weihbischof", so Wanke. Besonders hob der Altbischof das seelsorgliche Wirken Kochs hervor, insbesondere seine "Zuwendung zu einzelnen Personen und Familien, sei es in der seelsorglichen Begleitung, sei es in der konkreten Lebenshilfe in schwierigen Wegabschnitten".

Erster Weihbischof des Bistums Erfurt

Hans-Reinhard Koch wurde 1929 im thüringischen Leinefelde geboren. Nach dem Theologiestudium in Fulda, Erfurt und Kloster Neuzelle wurde er 1955 zum Priester geweiht. Anschließend war Koch in Nordhausen und Kölleda tätig, bevor er 1965 zum Subregens des Erfurter Priesterseminars berufen wurde. 1969 wurde er Ordinariatsrat und arbeitete in Erfurt als Personalreferent im Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen, ab 1983 wirkte er zusätzlich als Dompfarrer am Erfurter Dom. 

1985 ernannte Papst Johannes Paul II. (1978-2005) Koch zum Weihbischof des Apostolischen Administrators in Erfurt und Meiningen. Mit der Erhebung des Bischöflichen Amtes zum Bistum Erfurt im Jahr 1994 wurde Koch der erste Weihbischof der neu gegründeten Diözese. 2004 ging er mit Erreichen der für Bischöfe vorgesehenen Altersgrenze von 75 Jahren in den Ruhestand. (stz)

25.04.2018, 10:15 Uhr: ergänzt um Reaktionen der Bischöfe Neymeyr und Wanke

25.04.2018, 10.30 Uhr: ergänzt um den Wortlaut des Nachrufs von Bischof Wanke

Bild: © KNA

Der Erfurter Altbischof Joachim Wanke hat sich in einem persönlichen Nachruf zum Tod von Hans-Reinhard Koch geäußert.

Wortlaut: Persönlicher Nachruf von Altbischof Joachim Wanke

Von Weihbischof Hans-Reinhard Abschied nehmen zu müssen, fällt mir schwer. Es gibt wenige priesterliche Persönlichkeiten, die mich so nachhaltig geistlich und menschlich geprägt haben wie unser Weihbischof.

Oder darf ich sagen: "mein" Weihbischof? Im fünften Jahr meines bischöflichen Dienstes, das war 1985, wurde er von Papst Johannes Paul II. zu "meinem" Weihbischof ernannt. Da damals das Bistum Erfurt noch nicht existierte, war er kirchenrechtlich gesehen dem Apostolischen Administrator Wanke zugeordnet. Doch bekenne ich gern: In der mitbrüderlichen Zusammenarbeit mit ihm habe ich mehr empfangen als ich zurückgeben konnte.

In dieser Stunde des Abschieds darf ich es sagen und ich verrate dabei kein Geheimnis: Er war damals mein Wunschkandidat als Weihbischof. Ich kannte Hans-Reinhard Koch schon länger als bewährten Mitarbeiter von Bischof Hugo Aufderbeck, den wir beide als Seelsorger und Theologen schätzten. Gerade in meinen Anfangsjahren als Nachfolger von Bischof Aufderbeck hat Hans-Reinhard Koch mir bei meinen Anfangsschritten im Bischofsdienst sehr geholfen. Seine Erfahrungen, sein diskreter Rat und sein umsichtiger Einsatz in verschiedenen Aufgaben innerhalb des Ordinariates, besonders im Personalbereich, waren mir wichtige Hilfen.

Bis zum Jahr 2004 war Weihbischof Hans-Reinhard im aktiven Dienst. Aber auch danach hat er nach Maßgabe des Möglichen im Bistum seelsorglich mitgeholfen. Für seinen treuen und verlässlichen Einsatz danke ich ihm – und mit mir viele andere.

In dieser Stunde des Abschieds möchte ich gern auch einen Aspekt seines Wirkens hervorheben, den man öffentlich kaum bemerkte: Seine Zuwendung zu einzelnen Personen und Familien, sei es in der seelsorglichen Begleitung, sei es in der konkreten Lebenshilfe in schwierigen Wegabschnitten. Weihbischof Koch verkörperte für mich die gelungene Synthese von nüchterner Wahrnehmung der Fakten und dem Bemühen, das eigene Herz in die Beurteilung einer Situation mit einzubringen. Sein durchaus kritisches Urteil und die vom Evangelium her motivierte barmherzige Zuwendung gerade zu jenen, die sich mit dem Leben schwer tun – das hat mich und viele andere von ihm überzeugt. Nein: Wir haben keinen "Kirchenfunktionär" verloren, sondern einen Seelsorger und Hirten, der an der barmherzigen Zuwendung unseres Herrn zu den "Kleinen und Geringen" Maß nahm. Möge diese Barmherzigkeit "von oben", die uns alle trägt, ihn nun für immer umfangen. R.i.p.

Erfurt, den 25. April 2018

Bischof em. Joachim Wanke