Papst Franziskus in der Kathedrale von Rabat
Schlussmesse von Marokko-Reise

Franziskus: Christen und Muslime müssen sich die Hand reichen

Zum Abschluss seiner zweitätigen Reise nach Marokko hat Papst Franziskus erneut für den Dialog zwischen Christentum und Islam geworben. Dabei nahm er ausdrücklich Bezug auf eine islamische Gebetstradition.

Rabat - 31.03.2019

Papst Franziskus hat am Wochenende in Marokko für Brüderlichkeit zwischen Christen und Muslimen geworben und zum gemeinsamen Einsatz gegen Fanatismus und Fundamentalismus gemahnt. Für Migranten verlangte er während des zweitägigen Besuchs in Rabat mehr legale Einwanderungswege und eine großzügige Aufnahme.

Franziskus: Seid "Oasen der Barmherzigkeit"

Bei seiner Schlussmesse in einem Stadion in Rabat rief Franziskus die christlichen Gemeinden in dem islamisch geprägten Land auf, "Oasen der Barmherzigkeit" zu sein. Mit ausdrücklichem Bezug auf die islamische Gebetstradition nannte er Gott "den Erbarmer, den Barmherzigen". Nach Vatikanangaben sind 23.000 der 35 Millionen Einwohner Marokkos katholisch.

Nachdem er am Samstag in dem islamische geprägten Land von Tausenden Menschen herzlich willkommen heißen worden war, setzte Franziskus am Sonntag sein Programm bei verschiedenen christlichen Gruppen fort. In der Kathedrale von Rabat sprach er zu Klerikern, Ordensleuten und Vertretern anderer Kirchen. Dabei begrüßte er auch den letzten Überlebenden des Massakers von Tibhirine, den Trappistenmönch Jean-Pierre Schumacher (95).

Umjubeltes Papa-Mobil

Tausende säumen die Straßen bei der Ankunft von Papst Franziskus im marokkanischen Rabat.

Immer wieder beschwor der Papst den Dialog zwischen Christen und Muslimen. Der Mut, sich die Hand zu reichen, sei ein Weg des Friedens, wo Extremismus und Hass für Spaltung und Zerstörung sorgten, sagte er unter Verweis auf die historische Begegnung zwischen Franz von Assisi und Sultan al-Kamil während eines Kreuzzugs 1219.

Die geringe Zahl der Christen im Land relativierte der Papst. Das Problem sei nicht, "wenige zu sein, sondern unbedeutend, so wie das Salz, das den Geschmack des Evangeliums verloren hat". Einer aktiven Abwerbung von muslimischen Gläubigen erteilte er eine Absage.

Gegenüber Migranten beklagte Franziskus das Schicksal der Millionen Menschen auf der Flucht als "Wunde, die zum Himmel schreit", und sicherte ihnen die Solidarität der Kirche zu. Das Migrationsphänomen finde "niemals eine Lösung in der Konstruktion von Barrieren, dem Schüren von Angst vor dem anderen oder der Verweigerung von Hilfe für die, die nach einer legitimen Verbesserung für sich und ihre Familien streben".

UN-Migrationspakt als "wichtiger Schritt"

Den im Dezember in Marokko verabschiedeten UN-Migrationspakt nannte er einen "wichtigen Schritt nach vorne". Das Menschsein eines Migranten hänge "nicht davon ab, ob er sich diesseits oder jenseits einer Grenze aufhält", zitierte Franziskus seinen Gastgeber. Zugleich mahnte er Marokko, ein "Vorbild der Menschlichkeit gegenüber Migranten und Flüchtlingen" zu geben, damit sie "hier wie andernorts mit Menschlichkeit aufgenommen und geschützt" würden. (KNA)

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In Marokko ist Franziskus zunächst mit König Mohammed VI. zusammengetroffen. Obwohl in dem Land nur wenige Katholiken wohnen, säumten tausende Menschen bei Franziskus' Ankunft die Straßen.