Kirche über Maduro: Illegitim und moralisch inakzeptabel
Venezuelas Bischöfe stellen sich gegen den umstrittenen Präsidenten

Kirche über Maduro: Illegitim und moralisch inakzeptabel

Unmittelbar vor der Vereidigung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro für eine zweite Amtszeit erhebt die katholische Kirche in dem lateinamerikanischen Land schwere Vorwürfe gegen den Machthaber und fordert einen radikalen Kurswechsel.

Von Tobias Käufer (KNA) |  Caracas - 10.01.2019

Für die katholische Kirche in Venezuela ist die Lage klar: So kann es nicht weitergehen, sagt Maracaibos Erzbischof Jose Luis Azuaje, der amtierende Vorsitzende der Venezolanischen Bischofskonferenz. "Das Land hat keine Zukunft, wenn es den bisherigen Weg weiter beschreitet". Und Azuaje legt nach: Wenn Präsident Nicolas Maduro am Donnerstag für sechs weitere Jahre seinen Amtseid leiste, dann sei diese neue Amtsperiode illegitim und moralisch inakzeptabel.

Venezuelas Bischöfe haben deswegen ihre Entscheidung schon getroffen: Sie bleiben der Zeremonie am Donnerstag fern. Neben den Bischöfen hat auch die Nationalversammlung dem Präsidenten die Anerkennung verweigert. Das von Maduro entmachtete und durch eine Verfassunggebende Versammlung ersetzte Parlament ist zahnlos, der klare Wahlsieg der Opposition von 2015 inzwischen politisch wertlos.

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Mit einer neuen Arbeitshilfe will die Deutsche Bischofskonferenz auf die präkere Lage der Christen in Kuba und Venezuela aufmerksam machen. Die Einschränkung der Religionsfreiheit sei dort inzwischen an der Tagesordnung, so Weltkirche-Bischof Ludwig Schick. (Artikel von November 2018)

Venezuela wird seit Jahren von einer heftigen innenpolitischen Krise erschüttert. Was 2014, im Jahr nach dem Krebstod von Revolutionsführer Hugo Chavez und dem anschließend bereits umstrittenen Wahlsieg von Maduro mit Massenprotesten im ganzen Land begann, hat seine Fortführung in einem riesigen Massenexodus gefunden. Bislang haben rund drei Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen – wegen der anhaltenden Versorgungskrise, der hohen Kriminalitätsrate, der grassierenden Inflation und der staatlichen Repression.

Amnesty International wirft der Regierung Maduro eine Mitschuld für Tausende außergerichtliche Hinrichtungen im Land vor; Human Rights Watch spricht von Folter und Gewalt auf Geheiß der Sozialisten in Caracas. Die Vereinten Nationen entwerfen für das gerade erst begonnene Jahr ein düsteres Szenario: Bis Ende 2019 könnten noch einmal weitere zwei bis drei Millionen Flüchtlinge aus Venezuela hinzukommen. Schon jetzt kommen die Nachbarländer Kolumbien und Brasilien sowie im weiteren Umfeld Ecuador, Peru, Argentinien und Chile mit ihren humanitären Anstrengungen kaum hinterher.

Besonders heftig ist die Kritik an Maduro im Nachbarland Kolumbien. Das traditionell eher konservativ regierte Land und das seit 20 Jahren sozialistisch geführte Venezuela trennt eine tiefe politische Rivalität. Kolumbiens Präsident Ivan Duque, selbst erst seit einigen Monaten im Amt, verweigert ebenso wie viele andere lateinamerikanische Länder Maduro die Anerkennung. Der reagiert in Richtung Bogota mit Spott und nennt Duque einen Söldner der USA. "Ivan Duque geht in Kolumbien nicht einmal auf die Toilette, ohne vorher den Botschafter der Gringos zu fragen", so Maduro.

Die Flagge Venezuelas weht im Wind.

Unmittelbar vor der Vereidigung meldete sich auch noch einmal Papst Franziskus zu Wort. Das Kirchenoberhaupt aus Argentinien rief dazu auf, in Venezuela und im unter ähnlichen Problemen leidenden Nicaragua die Suche nach institutionellen, pazifistischen Wegen zur Lösung der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise nicht aufzugeben. Etwas deutlicher drückt es der emeritierte Erzbischof von Coro, Roberto Lückert Leon, aus: "Der Papst fürchtet sich vor einer Diktatur in Venezuela", sagte Lückert dem kolumbianischen Sender W-Radio.

Venezuelas Sozialisten glauben derweil an eine Wiederaufnahme des trotz vatikanischer Bemühungen gescheiterten Dialogs. Diosdado Cabello, die Nummer zwei im Machtgefüge hinter Nicolas Maduro, ist überzeugt: "Die Opposition ist bereit, mit uns zu sprechen." Alle bisherigen Versuche, die tief zerstrittenen Lager an einen Tisch zu bringen, auch jener des Vatikan, sind allerdings bislang erfolglos verlaufen.

Von Tobias Käufer (KNA)