"Meerstern ich dich grüße": Die Marien-Litanei
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Vom Stundengebet zur Marienverehrung deluxe

"Meerstern ich dich grüße": Die Marien-Litanei

Einst hatte es nur im Stundengebet einen festen Platz, doch das "Ave Maris Stella" ist spätestens im 19. Jahrhundert bei den Volkskirchen angekommen. Ein Lied für den "Mainstream"? Vielleicht.

Von Julia Martin |  Bonn - 11.05.2018

Erst seit 2013 ist "Meerstern ich dich grüße" in den Stammteil des Gotteslobes aufgenommen worden. Davor war es zumindest im Großteil der deutschen Bistümer (23 von 27) im Eigenteil vertreten – allerdings in acht verschiedenen Textfassungen. Doch erst der (gleiche) Refrain kennzeichnete dieses Lied: ein Bittlied an Maria. Kein schönes Grußlied, sondern eher ein flehender Hilferuf.

Umso erstaunlicher, dass gerade dieses fast verzweifelte Lied für mich eine solch große und besondere Bedeutung hat. Früher, während meiner Ministrantenzeit, gehörte dieses Lied einfach zum festen Gesangs-Repertoire in der Pfarrei. Es beschreibt, neben den Marien-Anrufen, die unterschiedlichen Attribute der Gottesmutter – die Rose ohne Dornen, die Lilie ohnegleichen. Diese Symbolik macht die Gottesmutter greifbar, diese Bildhaftigkeit mochte ich. Gerade als Kind hat mir dieses auswendig gesungene Lied den Glauben nähergebracht.  Irgendwie.

Maria und das Stundengebet

Das abstrakte "Irgendwie" lässt sich wohl aber erst mit den Worten des "Erwachsenenglaubens" richtig definieren – und ob des Hintergrundwissens über die Ursprünge. Im Stundengebet haben die Marianischen Antiphonen einen festen Platz, an Marienfesten wird der lateinische Hymnus "Ave Maris Stella" wird bei der Vesper gesungen und geht auf das 8. oder 9. Jahrhundert zurück. Erst im 19. Jahrhundert dichtete August von Haxthausen den Hymnus das heute bekannte Volkslied.

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gesungen vom A-Chor des Paderborner Domchores im Hohen Dom zu Paderborn.

Den Originaltext

"Sei gegrüßt, Stern des Meeres,
erhabene Mutter Gottes
und stets Jungfrau,
glückliches Himmelstor."

setzte er mit dem Motiv der Litanei um:

"Meerstern, ich dich grüße, o Maria hilf!
Gottesmutter süße, o Maria hilf!
Maria, hilf uns allen aus dieser tiefen Not."

Anders als etwa in der Allerheiligenlitanei wird nur die Gottesmutter verehrt und angerufen. Während ich als Kind das "Oh Maria hilf" noch einfach mitgesungen habe, steckt nun der tatsächliche Hilferuf nach Fürsprache der Gottesmutter in jeder einzelnen Strophe, sei es beim Stundengebet oder bei der Maiandacht. Kein anderes Lied ruft Maria mehr an als dieses. Doch nicht nur Marienverehrung, sondern auch der Weg durch sie und mit ihr zu Jesus kennzeichnet dieses Lied. Die letzte Strophe ("Hilf uns Christum flehen") macht klar: Maria hilft jedem, zu Jesus zu finden, "Per Mariam ad Jesum".

Vielleicht bin ich als Bayerin per Definitionem schon ganz anders mit Maria sozialisiert worden. Schon allein, weil Marienfeste dort Feiertage sind. Übertriebene Marienfrömmigkeit? Gibt es "bei uns daheim" nicht, Maiandachten werden fest in die Woche eingeplant und in meiner Heimat "pilgert" man bei Anliegen und/oder Dank "auf'm Mariahilfberg". Übrigens für mich bis heute eine feste Anlaufstelle.

Von Julia Martin

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