Kippa und Davidstern
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Kleine Symbole gegen Antisemitismus

Orthodoxe Rabbiner fordern Kippa-Emoji

Für fast alles gibt es Emojis, die kleinen Symbole für Chat und Messenger: Nahrungsmittel, Flaggen, Tiere – sogar für Menschen mit Kopftuch und Turban. Jüdische Kopfbedeckungen sucht man bislang allerdings vergeblich. Das soll sich ändern.

Bonn/Antwerpen - 09.06.2019

Die Europäische Rabbinerkonferenz (CER) fordert mehr jüdische Emojis. Nach dem Willen der orthodoxen Organisation soll es künftig Emojis geben, die eine Torah-Rolle darstellen sowie Männer und Frauen mit jüdischen Kopfbedeckungen. "Es gibt Emojis mit Frauen im Hidschab und arabische Kleriker – aber die Juden wurden vergessen", so der Generalsekretär der Konferenz, Gadi Gronich. Wenn es legitim sei, Familien mit zwei Vätern oder zwei Müttern und islamische religiöse Bekleidung zu zeigen, sollte es auch Platz für jüdische Symbole geben, heißt es in einem Brief der Konferenz an das Unicode-Konsortium, das den internationalen Standard für Schriftzeichen "Unicode" verwaltet und über die Aufnahme neuer Symbole entscheidet.

Emojis für Gotteshäuser

Eine Synagoge gibt es schon als Emoji – so wie Gotteshäuser anderer Religionen.

Im Unicode-Standard gibt es bereits einige religiöse Symbole, darunter eine Synagoge, den Davidsstern und einen neunarmigen Leuchter. In der jüngsten Version wurden Symbole aus der hinduistischen Kultur ergänzt. Figuren mit Kopftuch und Turban sind bisher die einzigen religiös konnotierten Personendarstellungen, die als standardisierte Emojis existieren. Die CER fordert nun auch Männer mit Kippa und Frauen mit traditioneller Kopfbedeckung im Unicode-Standard zur Verfügung zu stellen. Üblich sind bei verheirateten orthodoxen Jüdinnen je nach Tradition Kopftücher (Tichel, Mitpachat oder Sphitzel) und Perücken (Sheitel).

Die Forderung nach Sichtbarkeit im Emoji-Standard sieht die CER als Teil einer Kampagne für mehr Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. "Das beginnt mit kleinen Dingen, die in diesem Fall vielleicht allzu klein scheinen", heißt es im Brief. Solche symbolischen Gesten hätten aber enorme Bedeutung und Langzeitwirkungen: "Unser täglicher Kampf gegen Antisemitismus beginnt mit kleinen Gesten, mit denen die jüdische Religion auf vielen Plattformen aufgenommen wird."

Der Unicode-Standard wird durch das Unicode-Konsortium regelmäßig um neue Emojis ergänzt. Viele der Ergänzungen gehen dabei auf Eingaben von Einzelpersonen und Organisationen zurück. Das Kopftuch-Emoji etwa geht auf die Initiative einer damals 15-jährigen saudischen Jugendlichen zurück und wurde 2017 in den Standard aufgenommen. (fxn)