Schutzengel sind christliche Figuren
Katholisch.de erklärt das Schutzengelfest

Schutzengel sind christliche Figuren

In Autos, auf Postkarten, in der TV-Werbung: Schutzengel begegnen uns fast überall. Nur in der Theologie nicht. Dabei fehlt es nicht an Quellen – es gibt sogar eigens ein Schutzengel-Fest am 2. Oktober.

Von Thomas Jansen |  Bonn - 02.10.2017

Schutzengel stehen bei den Deutschen höher im Kurs als ihr Auftraggeber. Das zumindest ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Jahr 2005. Demnach glauben 66 Prozent der Deutschen an Schutzengel, aber nur 64 Prozent an die Existenz Gottes. Und ganz offensichtlich ist der Schutzengel die am meisten verbreitete christliche Figur im nichtchristlichen Umfeld: Schutzengel-Bilder, Schutzengel-Anhänger und Schutzengel-Ketten werden längst nicht nur zur Erstkommunion geschenkt. Das Christliche gerät dabei allerdings oft ins Hintertreffen. Schutzengel sind dann häufig nicht mehr Gesandte Gottes, sondern Werbeträger für Autohersteller und Telefonanbieter.

Das Schutzengel-Fest, das die katholische Kirche an diesem Montag feiert, erinnert daran, dass Schutzengel christliche Figuren sind: Gott beschützt die Menschen durch seine Engel, lautet die Botschaft dieses Tages. Die Verehrung von Schutzengeln im Gottesdienst setzte im 15. und 16. Jahrhundert ein. Ursprünglich wurde das Schutzengel-Fest am Tag des Erzengel Michaels mitgefeiert, also am 29. September. Papst Pius X. legte schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts den 2. Oktober als eigenen Gedenktag fest. In der Kunst begegnen Schutzengel oft als Kinder mit Flügeln oder als geflügelte Gestalten, die Kinder schützen.

Kirchenlehrer Basilius erwähnt die "Engel als Beschützer"

Es ist wohl kein Zufall, dass Schutzengel von Werbeindustrie und Esoterik-Jüngern so vereinnahmt werden: Sie sind lehramtlich und theologisch weitgehend Brachland. Eine offizielle kirchliche Lehre von den Schutzengeln gibt es nicht. Der Katechismus zitiert lediglich den heiligen Basilius mit der Aussage: "Jedem Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen". Auch in den einschlägigen Lehrbüchern der katholischen Theologie sucht man das Stichwort Schutzengel vergebens. Das lässt einigen Spielraum für eigene Interpretationen. Und gerade das macht Schutzengel wohl besonders interessant für die Werbebranche. Schutzengel seien ideale Werbeträger, weil man sich mit ihnen "voll und ganz identifizieren" könne, heißt es etwa in einem Ratgeber für Werbeleute.

Auf einem runden Ölbild ist ein Schutzengel eingezeichnet, der hinter zwei kleinen Kindern steht und sie sicher über eine marode Brücke führt.

Ein Ölgemälde, mit einer typischen Darstellung eines Schutzengels, der auf zwei Kinder aufpasst.

Auch wenn das kirchliche Lehramt und die akademische Theologie zu Schutzengeln schweigen: Biblische Aussagen über Schutzengel gibt es sehr wohl. Eine der bekanntesten ist das Wort Jesu über Gottes Schutz für jeden einzelnen Menschen. "Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters", sagte er laut dem Matthäus-Evangelium. Auch Psalm 91 aus dem Alten Testament wird oft als biblischer Beleg für Schutzengel herangezogen. Darin heißt es über Gott: "Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt."

Innerhalb der katholischen Kirche gilt der Schutzengel mittlerweile allerdings bisweilen als veraltet. So sagte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki jüngst mit Blick auf den Kinofilm "Bodyguard": "Ich bin mir übrigens ganz sicher, jeder von uns hat einen Bodyguard. Einen, der da ist, wenn man ihn braucht. Der Schutz und Halt gibt in unsicheren Zeiten. Früher nannte man einen solchen Bodyguard übrigens Schutzengel." Und auf die Frage nach seinem persönlichen Schutzengel antwortete er: "Mein Bodyguard – der heißt Jesus Christus!"

Von Thomas Jansen

Linktipp: Das Erzengel-Fest

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