Tessin: Angriffe auf Madonnenstatuen erschüttern die Gläubigen
Bild: © katholisch.de
Stecken radikale Feministinnen dahinter?

Tessin: Angriffe auf Madonnenstatuen erschüttern die Gläubigen

Ein zerschlagenes Gesicht, die Scherben im Fluss: In der italienischsprachigen Schweiz machen Unbekannte offenbar Jagd auf Heiligenfiguren. Die Gläubigen sind in Sorge, wollen sich aber nicht unterkriegen lassen.

Lugano - 10.10.2018

Die Katholiken im Tessin sind in Aufruhr: Der Schweizer Kanton wird von einer Anschlagsserie auf Heiligenfiguren heimgesucht, berichtete die Boulevardzeitung "Blick" (Mittwoch). Seit Ostern gab es im Tessin acht Attacken auf Statuen in Grotten und Kapellen.

Die jüngste Attacke fand vergangenen Samstag in der Gemeinde Castel San Pietro rund 20 Kilometer südlich von Lugano statt: Ein Unbekannter zerschlug der Madonnenfigur in einer kleinen Brückenkapelle das Gesicht und den rechten Arm. Sie ist dort bereits das dritte Opfer innerhalb weniger Wochen: Anfang August wurde die ursprüngliche Marienfigur gestohlen, die Scherben der ersten Ersatzstatue wurden in einem Graben gefunden.

Madonna soll weiter Trost spenden

Pfarrer Orlando Aguilar hat vor, die geschundene Statue zu restaurieren. Die Madonna habe eine große Bedeutung für die Bevölkerung. "Sie soll weiter Trost spenden", sagt der Geistliche. Immer wieder sprängen Menschen von der Brücke in den Freitod. Zudem solle die Kapelle eine kugelsichere Scheibe und Videoüberwachung erhalten.

Begonnen hat die Zerstörungswelle am 5. April in Melide, 15 Kilometer nördlich von Castel San Pietro. Dort wurde die Figur der heiligen Bernadette aus der Lourdes-Grotte gestohlen. Wenige Tage später traf die dazugehörige Madonnenstatue dasselbe Schicksal. Ein Unbekannter habe die Marienfigur unversehrt zur Grotte zurückgebracht. Die Statue der heiligen Bernadette sei jedoch zertrümmert aus einem nahegelegenen Fluss geborgen worden. Auch hier ließ die Pfarrei eine neue Figur anfertigen. Diese sei bislang unversehrt geblieben.

Die Vorfälle "nicht bagatellisieren"

"Die Polizei sollte die Ermittlungen ernst nehmen, nicht bagatellisieren", fordert Abbondio Adobati, Vizepräsident des Kirchenrats von Melide. Hinter diesen Gewaltakten stecke viel Hass. Das hält er für erschreckend und gefährlich.

Simon Spengler, Sprecher der Katholiken im Kanton Zürich, glaubt, dass radikale Feministinnen hinter den Angriffen stehen könnten. Diese sähen in der Verehrung der Muttergottes nur eine scheinbare Hochachtung der Frau in der Kirche, vermutet er. "Vielleicht wollen sie damit aufzeigen, dass in der realen Welt der katholischen Kirche ausschließlich Männer die Macht haben." (mal)