Mal wieder erwägt das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) seinen Umzug an die Spree. Knapp 30 Jahre nach der Wiedervereinigung...
Auf der Tagesordnung der Vollversammlung in gut zwei Wochen steht "Diskussion und Beschluss zur Konzeption der zukünftigen Arbeit des ZdK und zur Standortfrage des Generalsekretariats". Soll das Büro des Laiengremiums in Bonn bleiben oder ins ach so heidnische Berlin übersiedeln? Kulturkampf-Stimmung. Die Bonner Lokalpresse listet Argumente auf. Und übersieht gerne, dass viele der Bonner, Kölner oder Aachener Kontaktstellen des ZdK, Hilfswerke zum Beispiel, auch in Berlin Büros oder Kontaktpersonen haben.
Auf seiner Homepage führt das ZdK in sechs Punkten knapp seine Aufgaben an. Gleich im ersten Punkt steht da: "Es beobachtet die Entwicklungen im gesellschaftlichen, staatlichen und kirchlichen Leben und vertritt die Anliegen der Katholiken in der Öffentlichkeit." Das gesellschaftliche und staatliche Leben in Deutschland ist geprägt von der Hauptstadt her. Ja - Berlin ist nicht alles. Weiß ich als Rheinländer an der Spree.
Ich kenne das - ZdK-Vertreter, die bei kirchlichen Empfängen in Berlin oder vielleicht auch Anhörungen auftauchen und verwegen Flugverbindungen oder Bahnverspätungen schildern. Schön. Aber Öffentlichkeit in Berlin - das sind so viel mehr Termine oder Gelegenheiten, das sind informelle und zufällige Begegnungen. Nur ein Beispiel, aber ein typisches: Wenn das Bundesjustizministerium zum Neujahrsempfang lädt, folgen dem neben vielen Juristen - vollkommen zu recht - auch jeweils mehrere Vertreter der EKD, der jüdischen und muslimischen Verbände, weltanschaulicher Organisationen. Da wird geklönt und geplaudert, vereinbart und kennengelernt. Öffentlichkeit. Netzwerk. Nur der Bus mit der ZdK-Delegation scheint irgendwo im Stau geblieben zu sein... Das gilt für so viele andere Anlässe. Von der Fronleichnamsprozession des Erzbistums bis zu Sommerfesten der Landesvertretungen oder akademischen Veranstaltungen der zahlreichen Stiftungen. All das ist Politik und Gemeinwesen. Über Gesetzentwürfe wird nicht primär in Anhörungen entschieden, die sind nur der verfahrenstechnisch vorgeschriebene, ritualisierte Rahmen.
Es geht um Vernetzung und Präsenz in der Hauptstadt. Wenn man diesen Anspruch nicht hat, kann man auch nach Neviges, Himmerod oder Mariawald gehen. Freie Immobilien in, wie man so schön sagt, gut katholischem Milieu. Und gewiss günstige Mieten.
Der Autor
Christoph Strack ist Leiter des Bereichs Religionen der Deutschen Welle.
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