Unaufgeregt, pragmatisch, gesprächsbereit
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Vor 25 Jahren wurde Franz-Josef Bode zum Bischof geweiht

Unaufgeregt, pragmatisch, gesprächsbereit

Seit einem Vierteljahrhundert ist Franz-Josef Bode nun schon mit Mitra unterwegs. Vor allem in seinem Bistum Osnabrück ist er bekannt als offener, "seelsorgender" Bischof - der auch mal aneckt.

Von Sabine Kleyboldt und Johannes Schönwälder  |  Osnabrück - 01.09.2016

Mindestens zwei gute Gründe hatte Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode in den vergangenen Monaten zum Feiern: im letzten November den 20. Jahrestag seiner Bischofseinführung in Osnabrück und am 16. Februar seinen 65. Geburtstag. Für beide Termine wählte er aber nur einen kleinen Rahmen. Zum kommenden Ereignis wird das anders. Am 1. September begeht Bode sein Silbernes Jubiläum der Bischofsweihe; am 4. September wird richtig gefeiert.

Zum Festgottesdienst im Dom haben sich unter anderen der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sowie der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, angesagt. Im Anschluss ist ein Festakt geplant. Daneben soll viel Platz für persönliche Glückwünsche der Menschen im Bistum Osnabrück sein.

Große Wertschätzung für das Kirchenvolk

Denn ihnen weiß sich Bode verpflichtet. Als "seelsorgender" Bischof geht er auf die Menschen zu, kennt ihre Nöte und Wünsche. Bode ist einer, der einlädt ohne zu vereinnahmen und der die Türen der Kirche weit geöffnet hält für jeden, der Gott oder auch nur ein Stück Geborgenheit sucht. Von Wertschätzung für Laien spricht er nicht nur, er beteiligt sie an wichtigen Entscheidungen. Im Gespräch mit dem "Kirchenvolk" trifft der Bischof ebenso den richtigen Ton wie in Diskussionen mit Theologen oder Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Seine engste Umgebung schätzt Bodes teamorientieren Führungsstil.

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Für die katholisch.de-Serie "Freundebuch" hat uns Franz-Josef Bode einen Einblick in sein Leben gewährt.

Seit über 20 Jahren steht der gebürtige Ostwestfale den rund 570.000 Katholiken im Bistum Osnabrück vor. Als der damalige Paderborner Weihbischof am 26. November 1995 an die Spitze der niedersächsischen Diözese rückte, war er mit 44 Jahren Deutschlands jüngster Ortsbischof. Sein Amt als katholischer "Jugendbischof" übte Bode 14 Jahre lang mit Humor und großer Anziehungskraft aus; bei seiner Zielgruppe war er schlicht "BiBo". Inzwischen ist er Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz und zeigt sich auch hier offen und gesprächsbreit.

Nie ohne Gott

Franz-Josef Bode wurde am 16. Februar 1951 in Paderborn geboren und wuchs im Dorf Etteln auf, zusammen mit vier älteren Schwestern - ein Umstand, den er gerne dankbar hervorhebt. Nach dem Theologiestudium in Paderborn, Regensburg und Münster folgte 1975 die Priesterweihe. Als Präfekt im Paderborner Theologenkonvikt begleitete Bode die Priesteramtskandidaten. Der Titel seiner Dissertation "Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott" ist für ihn bis heute ein gültiges Motto.

Bode ist bei weitem kein "Lautsprecher" innerhalb der Bischofskonferenz. Doch erlangte er auch durch sein beherztes Handeln an entscheidenden Stellen Achtung. So war er maßgeblich am Erfolg des Weltjugendtags 2005 in Köln beteiligt. Als das Bistum Essen vor dem Katholikentag 2008 seine Gastgeberrolle aus finanziellen Gründen zurückzog, sprang er ein. Ebenso arbeitete er mit in der Steuerungsgruppe des Dialogprozesses der Bischofskonferenz.

Deutsche Teilnehmer auf der Familiensynode
Bild: © katholisch.de

Als Teilnehmer der Familiensynode im Vatikan im vergangenen Herbst machte sich Bischof Franz-Josef für ein Eingeständnis von kirchlichen Unbarmherzigkeiten stark. Der Vorschlag kam nicht bei jedem gut an.

Er macht immer wieder mit Vorstößen für eine zeitgemäße, den Menschen zugewandte Kirche von sich reden. Bei manchen Katholiken eckt er damit gelegentlich auch an - etwa wenn er den Diakonat für die Frau ins Gespräch bringt. Auch sein Bedauern darüber, dass das von der deutschen Sprachgruppe bei der Familiensynode in Rom vorgeschlagene "Schuldbekenntnis" keine Mehrheit für den Schlusstext der Familiensynode fand, mag einige irritiert haben. Es ging um ein Schuldeingeständnis der Kirche wegen Unbarmherzigkeiten gegenüber ledigen Müttern, Homosexuellen, Geschiedenen und Wiederverheirateten.

Terror und Konflikte der letzten Monate erschüttern den Bischof, und das zeigt er offen. Die Welt scheine aus den Fugen geraten, sagte er nach den jüngsten Vorfällen. Zugleich warnt Bode davor, die Angst zum Ratgeber für politische Entscheidungen zu machen. Er wirbt für Toleranz gegenüber Muslimen und dafür, sich intensiver mit dem Islam auseinanderzusetzen. Daneben war er einer der ersten Bischöfe, die einen Fonds für Flüchtlinge einrichteten.

Es ist diese unaufgeregte und pragmatische Art, die die Menschen nicht nur im Bistum Osnabrück an Bode schätzen. Für viele ist er damit ein Hirte nach Maß.

Von Sabine Kleyboldt und Johannes Schönwälder